Caro Claire Burke | ANZEIGE

Yesteryear

5. März 2025
TONI HECHT

Landleben und Familienglück – in ihrem Roman "Yesteryear" entlarvt Caro Claire Burke die "Tradwife-Idylle" ihrer Protagonistin als Instagram-Scheinwelt. Ein kluges, bitterböses Debüt über digitale Selbstverwertung, moralische Selbsttäuschung und die Lust an der eigenen Inszenierung.

Und wer war ich? Eine Bilderbuchchristin. Das All-American-Dream-Girl, ein hottes, emsiges Bienchen, das durch die abgründigsten, dunkelsten Fantasien der Nation summt. Die Mutter, die jede Frau sein wollte, und die Frau, von der sich jeder Mann wünschte, dass sie zu Hause auf ihn wartete. Wie eine Nonne in einem Porno – völlig abwegig, aber bei Gott, es funktionierte.

Natalie Heller Mills in "Yesteryear"

Eine Farm, sechs Kinder, ein Mann in Cowboystiefeln: Durch die Kamera ihres Smartphones wirkt der Alltag von Natalie Heller Mills wie das perfekte Leben einer "Tradwife". Sauerteigbrot backen, Butter herstellen und mit ihrem Mann Caleb die Kinder großziehen – im Nu wird Natalie für Millionen Followerinnen und Follower zum Gesicht eines heilen, traditionellen Lebens. Doch die Fassade ist brüchig, die Idylle minutiös organisiert – mit verborgenen Nannys, Produktionsteam und einem professionalisierten Lächeln.

Die Risse in der Farm-Idylle

Mit "Yesteryear" hat Caro Claire Burke ein mitreißendes Debüt vorgelegt. Der scharfzüngige, bitterböse Roman erzählt von digitaler Selbstinszenierung, tradierten Weiblichkeitsbildern und der Verlogenheit in einer zunehmend auf Außenwirkung ausgerichteten Zeit. Hinter der perfekten Farmidylle der Protagonistin verbirgt sich ein hochprofitables Konstrukt aus Kalkül, Kontrolle und Abhängigkeit. Als die sorgfältig erschaffene Fassade zu bröckeln beginnt, gerät das Leben der Familie aus der Bahn.

Wenn das eigene Narrativ zerbricht

Was passiert, wenn wir in einer Welt der Selbstdarstellung vergessen, wer wir wirklich sind? Und welche Folgen hat es, wenn wir an uns selbst vorbeileben, um vermeintlichen Erwartungen zu entsprechen? Die Folgen für Burkes Protagonist*innen sind massiv.

Natalie bekommt, was sie immer gepostet hat. Nur ohne Filter: Sie findet sich eines Tages in dem Leben wieder, das sie zuvor mit so viel Mühe inszeniert hat – allerdings ohne Nannys, ohne den Komfort der versteckten Haushaltsgeräte, der Elektroheizung und der Kaschmirdecken, dafür mit den Härten eines Lebens als Frau in einem anderen Jahrhundert. Die Grenzen zwischen gelebter Realität und digitaler Identität beginnen zu verschwimmen – und mit ihnen das Fundament eines stabilen Selbstbildes.

Virtuos, analytisch, bitterböse

Mit sprachlicher Leichtigkeit begleitet Burke ihre Protagonistin virtuos durch ihre Inszenierungen hinab bis in tief unterdrückt brodelnde Emotionen. Mit analytischem Blick seziert sie dabei die Mechanismen digitaler Lebensverwertung und Selbstaushöhlung. Was zunächst wie eine Satire auf die Influencer-Szene beginnt, entwickelt sich zu einer erschütternden Geschichte über Macht, Abhängigkeit und (Selbst-)Täuschung. Und je stärker Natalie versucht, die Kontrolle über ihr Narrativ zu behalten, desto deutlicher treten die Brüche hinter der makellosen Oberfläche hervor.

Porträt Caro Claire Burke

Caro Claire Burke 

Ein mitreißendes Debüt, das den Nerv der Zeit trifft

Caro Claire Burke hat sich als Redakteurin, Autorin und Podcasterin bereits einen Namen gemacht. Mit ihrem Debütroman "Yesteryear" trifft sie fast schmerzhaft den Nerv der Zeit. Die Resonanz fällt entsprechend begeistert aus: "Selten ein thematisch so ungewöhnliches Buch gelesen und dann dieses Knallerende! Die ganze Zeit habe ich gerätselt, wie die beiden Ebenen wohl aufgelöst werden. Je weiter man kommt, desto mehr wird man in Natalies Abgrund hineingezogen. Klare Empfehlung an alle, die ein besonderes, spannendes und aufregendes Lesevergnügen suchen!", meint Ursula K., Buchcafé Lesezeit in Wien. Und Jasmin P., Müller Büro & Buch in Kastellaun, schreibt über Net Galley: "Ich habe mich entschieden, Yesteryear zu lesen, weil die Inhaltszusammenfassung interessant klang. Was die Geschichte tatsächlich für ein wilder Ritt werden würde, hat mich komplett aus den Socken gehauen. Große, große Empfehlung."

Eine hohe erzählerische Spannung, ihre kluge Analyse gegenwärtiger Rollenbilder, ihr gnadenlos entlarvender Blick auf eine Protagonistin, die man gleichzeitig liebt und hasst, machen "Yesteryear" zu einem der großen Lese-Ereignisse des Frühjahrs. "Originell, witzig, aktuell – das Buch, über das 2026 alle sprechen werden", lobt auch der Independent. "Yesteryear" erscheint am 29. April 2026 im deutschsprachigen Raum – begleitet von einer umfassenden Marktingkampagne. Der Buchhandel und die Leser*innen können sich auf diese Lektüre freuen!

 

Yesteryear
Caro Claire Burke
24,00 € (DE)
ISBN 978-3-453-27535-5
464 Seiten
ET: 29.04.2026
Heyne