Lesetipp aus der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"
Das "Literarische Quartett" und seine lockdownkritische Agenda
17. Mai 2021
Tobias Rüther, Literaturchef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", ist mit dem "Literarischen Quartett" unter der Leitung von Thea Dorn ganz und gar nicht einverstanden. "Was ist nur aus dem 'Quartett' geworden?" titelt er seinen Feuilleton-Aufmacher in der "FAS" vom 16. Mai.
Das literarische Quartett wird seine Relevanz aus den 1990er-Jahren nicht mehr zurückgewinnen, aber vielleicht lohnt es sich dennoch, um eine der letzten Literatursendungen zu kämpfen?
Darum die folgende Untersuchung von Herrn Rüthers Einwänden.
1. Einwand: Literaturkritiker spielen so gut wie keine Rolle mehr
Schauspieler/innen haben einen höheren Bekanntheitsgrad als Literaturexperten aus dem akademischen Umfeld oder dem Feuilleton.
Solange es sich nicht um „sprechende Six-Packs aus Daily-Soaps“ (Zitat: Harald Schmidt) handelt, ist das Abendland noch nicht verloren.
Ich finde es legitim, da es der Sendung dabei hilft, die nötige Aufmerksamkeit und Einschaltquote zu bekommen, die mit Literaturkritikern kaum erreichbar wäre.
2. Einwand: Für den Erfolg eines Buches spielt das Quartett keine Rolle mehr
Können die Verlage tatsächlich keine messbaren Effekte auf die Nachfrage feststellen? Gibt es da Zahlen, Daten, Fakten? Gäbe es ein Interesse daran, diese nachzuprüfen? Und von wem? Vom Börsenblatt vielleicht?
3. Einwand: Die „Grenzüberschreitung“ durch die Einladungen von Jan Fleischhauer und Lisa Eckardt
Für Tobias Rüther sind sein Journalisten-Kollege und die Kabarettistin offenbar „personae non gratae“, die nicht in eine Literatur-Sendung gehören.
Und durch die Einladung dieser polarisierenden Personen hat sich Thea Dorn also diskreditiert und soll daher die Moderation abgeben?
4. Einwand: Thea Dorn verfolgt in der Sendung eine lockdownkritische Agenda
Ich habe die letzte Sendung gesehen und konnte keinen der inkriminierten Agenda-Punkte entdecken, aber vielleicht konnte ich nicht zwischen den Zeilen lesen?
5. Einwand: die Sendung bildet Positionen ab, die „jenseits des vermeintlichen Meinungskorridors einer politischen Korrektheit“ sind
Ein anonymer ZDF-Mitarbeiter hat ein Problem mit Thea Dorn und meldet ihre abweichenden Meinungen zu einem „Meinungskorridor“, dessen Existenz er gleichzeitig bezweifelt.
Es scheint sich hierbei um ein klassischen Fall von Denunziation zu handeln, der von Tobias Rüther als Kritikpunkt = Fakt angebracht wird. „Was ist nur aus dem Journalismus geworden?“ könnte man hier fragen.