Stephanie Jacobs zur Abstimmung des Stadtrats

"Gerettet ist das Leipziger Literaturhaus noch nicht"

27. Februar 2026
Sabine van Endert

Der Leipziger Stadtrat hat sich am Mittwochabend mehrheitlich für eine finanzielle Förderung des vom Aus bedrohten Leipziger Literaturhauses ausgesprochen. Das sei der erste entscheidende Schritt für den Erhalt des Hauses, sagt die Vorsitzende Stephanie Jacobs. Jetzt lohne es sich, "die Daumen zu drücken, damit die Förderung bereitgestellt wird". 

Stephanie Jacobs, Vorsitzende des Literaturhauses Leipzig

Stephanie Jacobs, Vorsitzende des Literaturhauses Leipzig 

45 von 63 Stadträten haben für den Erhalt des Hauses gestimmt. Ist das Leipziger Literaturhaus damit gerettet?

Der Leipziger Stadtrat hat sich am vergangenen Mittwochabend mit großer Mehrheit für die Institutionelle Förderung des Literaturhauses ausgesprochen und damit Verantwortung für das Fortbestehen des Hauses übernommen. Damit ist der lang ersehnte erste und entscheidende Schritt in Richtung einer langfristigen Erhaltung des Hauses ist getan, aber gerettet ist das Literaturhaus noch nicht.

Was ändert die Abstimmung?

Die Beschlussvorlage aus dem Kulturausschuss hat den Weg für den sogenannten Verwaltungsstandpunkt freigemacht, der nun mit unserer Unterstützung im Kulturamt erstellt wird. Oder - um mit den Worten der Kulturdezernentin Dr. Skadi Jennicke zu sprechen: "Nach langer Unsicherheit ist der Beschluss ein starkes Signal für die Buchstadt Leipzig!". Die Zielgrade fest im Blick lohnt es also, nochmals die Daumen zu drücken, damit die Förderung bereitgestellt wird.

Der Stadtrat stellt Bedingungen – und erwartet die Vorlage eines Konzepts zur Weiterentwicklung. In welche Richtung?

Ja, Bestandteil der Beschlussfassung ist die Vorlage eines entsprechenden Konzepts, das einerseits auf eine noch stärkere Sichtbarkeit und Vernetzung der Programmarbeit des Literaturhauses in die Stadt zielt. Andererseits liegt in dieser Aufforderung auch die Chance der systematischen Einbindung weiterer Player der Buchstadt auf dem Gebiet der Literaturvermittlung und -förderung.  

Beim Sommerfest im Innenhof des Leipziger Haus des Buchessitzen viele Menschen unter Bäumen und hören einem Künstler mit Gitarre

Sommerfest im Innenhof: Das Leipziger Haus des Buches beherbergt das Literaturhaus

Wie weit sind Sie mit der Ausarbeitung?

Sobald die Förderzusage der Stadt endgültig vorliegt, machen wir uns an die Ausarbeitung. Und dabei fangen wir natürlich nicht bei Null an, sondern bauen auf der hervorragenden Arbeit des Literaturhauses der vergangenen Jahre und Jahrzehnte auf.

Was ist mit dem Mietvertrag? Wurde der nicht bereits gekündigt?

Der Mietvertrag mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandles wurde zu Ende März 2027 gekündigt, um dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung entgegenzutreten. Insofern sind wir auf der Suche nach einem Interim - es laufen derzeit produktive Gespräche mit ganz unterschiedlichen Stakeholdern, die uns Hoffnung machen. Und auch hier gilt: Es kann in dem Auszug aus dem Haus des Buches auch eine Chance gesehen werden, bieten die dortigen Räume für den Betrieb eines Literaturhauses insgesamt doch nicht die allerbesten Voraussetzungen.    

 

Außenansicht des Leipziger Haus des Buches

Außenansicht des Leipziger Haus des Buches

Wie beeinflusst die Unsicherheit über die Zukunft des Literaturhauses den Betrieb und die Programmarbeit?

Ich bewundere die Kolleg:innen in der Geschäftsstelle, dass der seit sehr langer Zeit von existenzieller Unsicherheit geprägte Arbeitsalltag nicht zulasten der Programmgestaltung geht – ganz im Gegenteil: Sowohl qualitativ als auch quantitativ hat das kleine Team im vergangenen Jahr Ungeheures geleistet. Das kostet eine Menge Kraft und wird nicht nur bei unserem Publikum geschätzt, sondern auch von den Verantwortlichen in der Stadt gesehen. Das hat nicht zuletzt die emotionale Rede von Oberbürgermeister Burkhard Jung in der Stadtratssitzung von vergangenem Mittwochabend eindrucksvoll bewiesen, wenn er davon spricht, dass das Literaturhaus zur DNA der Stadt gehöre.