Der Buchblog-Flaneur: Zehn Leseempfehlungen aus dem April 2026

Der Weg in die Buchhandlung ist vorprogrammiert

30. April 2026
Redaktion Börsenblatt

Eigentlich könnte ich jede Kolumne damit beginnen, wie verblüffend schnell schon wieder ein Monat vergangen ist, aber diesmal fühlt es sich wirklich so an. Ist der April wirklich schon wieder vorbei? Ist er. Und auch in den letzten vier Wochen war wieder eine Menge los in den Literaturblogs - hier kommen die zehn April-Fundstücke.

Uwe Kalkowski

Uwe Kalkowski

Minimalistisches Design

"Es ist eines der außergewöhnlichsten, komplexesten und beeindruckendsten Werke, die ich jemals gelesen habe." Damit beginnt eine großartige Buchbesprechung im Blog LetteraTour von Yannick Dreßen. Es geht um den Roman "' ...mit zerrissenem Schlaf im Gesicht'. Die Aufzeichnungen und Briefe des Arved von Sternheim. Band 2. Die Jahre 1943 – 1945" von Normen Gangnus. Das Fazit der Rezension: "Vielleicht ist es auch einfach der großartigste Roman, den ich jemals lesen durfte. Auf jeden Fall sollte er von allen gelesen werden, für die Literatur mehr darstellt als nur Zerstreuung, Ablenkung und Unterhaltung. Denn eines steht auf jeden Fall fest: Dieser Roman handelt nicht nur von Kunst. Dieser Roman ist höchste Kunst!" Der Weg in die Buchhandlung meines Vertrauens ist vorprogrammiert. 

Im Blog intellectures stellt Thomas Hummitzsch einen Roman vor, der fast vierzig Jahre alt ist und dennoch unsere Gegenwart beschreibt: "Seemannslied" von Ken Kesey, aus dessen Feder u.a. die Romanvorlage des Films "Einer flog übers Kuckucksnest" stammt. Die Übersetzerin Milena Adam hat das komplexe Werk ins Deutsche übertragen. 

In unserer Zeit der vielen bunten Bilder und der Instagramisierung (gibt es das Wort?) unseres Alltags ist ein Besuch beim Literaturblog Atalantes Historien stets wohltuend: Minimalistisches Design, konzentriert auf das Wesentliche. Auf lesenswerte Buchbesprechungen. Wie etwas diejenige des Romans "Was wir wissen können" von Ian McEwan. Unbedingt vorbeischauen!

 

Read around the world

Es hat mich nicht gewundert, den Roman "Richtig gutes Essen" von Junko Takase im Blog Bleisatz zu entdecken - ist dort Literatur aus Japan seit vielen Jahren ein thematischer Schwerpunkt. Das ist immer wieder spannend zu lesen, so auch dieses Mal.

Im Blog Binge Reading & More gibt es die Beitragsreihe "Read around the world", in der die unterschiedlichsten Länder und Destinationen vorgestellt werden - inklusive Literatur- und Kulturtipps. Diesmal geht es nach Estland - große Leseempfehlung; eine Menge stimmungsvoller Photos gibt es auch. 

Im Blog Bücherbriefe geht es um den Fantasy-Roman "Die Suche nach dem König" von Lee Young-Do, das Finale einer vierbändigen Reihe. Ich sage es mal so: Nach all den Kritikpunkten an Handlung und Sprache bleibt nicht mehr viel übrig, was für das Buch spricht. Was für ein Verriss!

Wenig Buchblogs sind so konsequent bei der Umsetzung des Blognamens in Design und Ausgestaltung wie oceanloveR. Es macht großen Spaß, sich hier umzuschauen und sich dabei immer wieder neue Buchtipps abzuholen. Diesen April etwa die Besprechung der Anthologie "Wir dachten, wir könnten fliegen: 19 Geschichten über den Verlust der Arten und die Kraft der Literatur", herausgegeben von Matthias Jügler.

Crowdfunding

Das Erscheinen des Romans "Leonard und Paul" von Rónán Hession in deutscher Übersetzung von Andrea O’Brien haben wohl die meisten Menschen in der Buchbranche mitverfolgt - schließlich wurde dafür eigens der Verlag Woywod & Meurer gegründet und das Buchprojekt mit Hilfe von Crowdfunding auf die Beine gestellt. Mit großem Erfolg. Einen schönen Text über das Buch gibt es im Blog BuchUhu.

Im Blog Weltenwanderer gibt es jede Woche den Top Ten Thursday, ein Mitmach-Projekt zu einem jeweils vorgegebenen Thema. Eine der April-Listen lautete "Bücher von Frauen, die mich begeistert haben". Bloggerin Alexandra Probst stellt zehn Autorinnen vor und in den Kommentaren schreiben die Leserinnen und Leser des Blogs ihre Empfehlungen - da kommt eine ganze Menge zusammen. 

Im Blog Lesestunden trägt ein Beitrag den etwas längeren Titel "10 Verlage, die besser sind als jede Bestsellerliste und warum einer davon gar keiner ist und trotzdem in der Premium-Liga mitspielt". Mehr muss ich dazu nicht schreiben, das macht schon neugierig genug, oder? Leseempfehlung

Buchflaneur

Realitäts-Check

Und im meinem eigenen Blog Kaffeehaussitzer beschäftige ich mich mit einer Prognose. Genauer gesagt mit einem Text, den ich 2016 als Auftragsarbeit geschrieben habe und in dem es um die Buchbranche in zehn Jahren ging. Diese zehn Jahre sind nun vorbei und es ist Zeit für einen Realitäts-Check.

Das waren sie, die April-Fundstücke des Buchblog-Flaneurs. Bis bald, ich wünsche uns allen einen sonnigen Mai und viel Lesezeit.

Über den Autor

Uwe Kalkowski ist seit über dreißig Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus verschiedenen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit 2019 arbeitet er für den Eichborn Verlag in Köln. Auf seinem privaten Literaturblog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher und Leseerlebnisse. Als Buchblog-Flaneur stellt er monatlich zehn Fundstücke aus der Welt der Literaturblogs vor.