UNICEF-Vergleich belegt Bildungsmisere

Deutschland nur auf Platz 25

19. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Deutschland erreicht im neuen UNICEF-Vergleich zum kindlichen Wohlbefinden gerade einmal Platz 25 von 37 gerankten Ländern. Besonders schwach fällt das Ergebnis bei Bildungskompetenzen aus.

Zwei Mädchen und eine Lehrerin schauen sich in einem Klassenzimmer ein Modell des menschlichen Körpers an. Eines der Mädchen entnimmt ein Organ aus dem Modell

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Deutschland im unteren Mittelfeld

Deutschland liegt beim Wohlbefinden von Kindern im internationalen UNICEF-Vergleich auf Platz 25 von 37 gerankten Ländern, wie aus der neuen Studie des UNICEF-Forschungsinstituts Innocenti hervorgeht. Damit schneidet Deutschland laut UNICEF erneut unterdurchschnittlich ab und liegt wie im letzten Bericht im unteren Mittelfeld.

Die "Report Card 20: Unequal Chances – Children and economic inequality" untersucht in Ländern der EU und OECD, wie wirtschaftliche Ungleichheit mit dem Wohlbefinden von Kindern zusammenhängt. In den Gesamtvergleich gehen 37 von 44 Ländern ein, da nicht für alle Länder die nötigen Daten vorliegen.

Bildung als Schwachpunkt

Besonders deutlich fällt der Befund im Bereich Bildung aus. Nur 60 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland erreichen die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik. Damit liegt Deutschland auf Platz 34 von 41 Ländern mit vergleichbaren Bildungsdaten.

Der Abstand nach sozialer Herkunft ist groß: Unter Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten Familien erreichen 46 Prozent die grundlegenden Kompetenzen. In privilegierten Familien sind es 90 Prozent. Länder wie Irland, Slowenien oder die Republik Korea schneiden in diesem Bereich deutlich besser ab.

Das Balkendiagramm zeigt den Anteil der 15-Jährigen in Deutschland, die 2022 Mindestkompetenzen in Mathematik und Lesen erreichen. Nach ESCS-Quintilen steigt der Anteil von 46 % im unteren Fünftel auf 59 %, 65 %, 75 % und 90 % im oberen Fünftel.

Armut und Gesundheit

  • Auch die Kinderarmutsquote bleibt laut Studie hoch. Sie stagniert in Deutschland seit Jahren bei 15 Prozent. Die Einkommensungleichheit ist von einem Verhältnis von 1 zu 4,3 im Jahr 2012 auf 1 zu 5,0 gestiegen. Das wohlhabendste Fünftel der Bevölkerung verfügt damit über fünfmal so viel Einkommen wie das ärmste Fünftel.
  • Im Bereich körperliche Gesundheit liegt Deutschland mit Rang 15 von 41 im oberen Mittelfeld. Dennoch zeigt die Studie Unterschiede nach Einkommen: 79 Prozent der Kinder aus dem wohlhabendsten Fünftel der Familien sind in sehr guter gesundheitlicher Verfassung. Bei den ärmsten Kindern sind es 58 Prozent.
  • Beim mentalen Wohlbefinden zeigt sich ein ähnlicher Abstand. In Deutschland berichten 61 Prozent der 15-Jährigen aus den einkommensschwächsten Familien von hoher Lebenszufriedenheit. Bei Jugendlichen aus wohlhabenden Familien sind es 73 Prozent.

Die Bekämpfung der Kinderarmut muss politische Top-Priorität werden.

Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland

UNICEF fordert Handeln

Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, fordert politische Priorität für das Thema: "Die Bekämpfung der Kinderarmut muss politische Top-Priorität werden". Deutschland vergebe Zukunftschancen, wenn nicht in Teilhabe, Bildung und gesundheitliche Versorgung der jüngsten Generation investiert werde.

UNICEF Deutschland empfiehlt unter anderem, Kinderarmut gezielt zu bekämpfen, Leistungen zugänglicher zu machen und öffentliche Mittel stärker auf benachteiligte Kinder auszurichten. Zudem nennt UNICEF bessere Zugänge zu Schulen, Arztpraxen und Spielplätzen, mehr Beteiligung von Kindern sowie ein kontinuierliches Monitoring der Lage von Kindern und Jugendlichen.

An der Spitze des Gesamtvergleichs stehen die Niederlande, Dänemark und Frankreich. Portugal liegt auf Platz 4, Litauen auf Platz 7.