Oskar Holzberg: Die Liebe verändert sich nicht. Und auch die Psychodynamik in Beziehungen und die kommunikativen Kreisläufe, in denen sich Paare verfangen, bleiben weitestgehend gleich. Aber durch Tinder und Co. ist die Liebe weiter unter die Logik der Konsum-, Optimierungs- und Wegwerfgesellschaft geraten. Der Griff zum Handy im Frust geht schnell. Die bessere Option für die gerade nicht super laufende Beziehung scheint stets erreichbar. So existiert eine Hintertür der Liebe, die zumindest scheinbar ständig offen steht. Das macht es leichter, Problemen auszuweichen. Es entsteht eine neue Betrugskultur. Mann oder Frau landen nicht im Bett der netten Arbeitskolleginnen, sondern erst mal im erotischen Chat mit vielen Unbekannten.