Das Buchbranchen-Update

Die Nachlese: Innenstadt-Studie sieht Aufwärtstrend

28. September 2026
Redaktion Börsenblatt

Goodbye, Hagen: Thalia hat den Grundstein für seine neue Zentrale gelegt, die Shortlist fürs Lieblingsbuch der Unabhängigen steht und die Innenstadtstudie zeigt, dass Buchläden Menschen in die Cities ziehen. Außerdem stehen die Verlage fest, die mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet werden.

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Deutschlandstudie Innenstadt

Die Innenstädte in Deutschland gewinnen wieder an Strahlkraft. Das zeigt zumindest die "Deutschlandstudie Innenstadt", erhoben von der CIMA Beratung + Management GmbH. Mehr als 5.000 Menschen wurden befragt. Vier von fünf Befragten wollen ihre Innenstadt künftig mindestens genauso häufig besuchen wie bisher. Das ist der beste Wert seit sechs Jahren. Wichtigster Grund bleibt der Einkauf, gefolgt von Bummeln und Gastronomie.

Der Blick auf unsere Branche interessiert uns natürlich am meisten. Bücher und Schreibwaren sind für rund die Hälfte der Befragten ein wichtiger Bestandteil attraktiver Innenstädte. Gleichzeitig bleiben Leerstände ein Problem. HDE-Präsident Alexander von Preen warnt Kommunen davor, sich auf dem Ergebnis auszuruhen: "Wer den Einzelhandel vor Ort nicht hegt und pflegt, der wird mit seiner Innenstadt scheitern." Nötig seien deshalb eine Gründungsoffensive mit Fördermitteln für den Einzelhandel und ein strategisches Gesamtkonzept, das Handel, Gastronomie und Erlebnisangebote verbindet. Ziel müsse eine bessere Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sein.

 

Lieblingsbuch der Unabhängigen

Fünf Romane stehen auf der Shortlist für das "Lieblingsbuch der Unabhängigen". Aus rund 210 eingereichten Titeln haben es "Magisch" von Annika Büsing, "Die Riesinnen" von Hannah Häffner, "Guten Morgen, schönes Wetter heute" von Tanja Kokoska, "Nelka" von Svenja Leiber und "Pina fällt aus" von Vera Zischke ins finale Voting geschafft.

Jetzt entscheiden die teilnehmenden Buchhändler:innen, welcher Titel ausgezeichnet wird. Abstimmen können sie noch bis zum 4. Oktober. Welcher Titel am Ende als Lieblingsbuch ausgezeichnet wird, wird am 8. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. Dorothee Junck aus dem Organisationsteam sagt, nun seien die Buchhändler:innen gefragt, welcher Roman in den vergangenen Monaten ihre Herzen erobert hat und gern verkauft wurde.

Buchhandel

Thalia hat in Dortmund den Grundstein für die neue Unternehmenszentrale gelegt. Rund 500 Mitarbeitende sollen vom bisherigen Standort Hagen ins "Thalia KulturQuartier" am Hiltropwall umziehen. Geplant sind Büros, eine Musterbuchhandlung, ein Bistro und öffentliche Kulturveranstaltungen. Das denkmalgeschützte ehemalige Bundesbankgebäude soll bis Mitte 2028 umgebaut werden.

Seit 43 Jahren führt Katharina Engelhardt das Büchereck am Rathaus in Vellmar. Vor Kurzem hat sie ihren 80. Geburtstag gefeiert. Unsere Kollegin Emely-Sophie Bamberger hat mit ihr über ihren Berufsweg, den Wandel im Buchhandel und die Zukunft ihrer Buchhandlung gesprochen. Engelhardt sagt: "Der Buchhandel und meine Buchhandlung erfüllen mich absolut mit Freude." Sie erzählt aber auch von den Herausforderungen, die der Beruf mit sich bringt. Das vollständige Interview verlinken wir euch in den Shownotes.

Die Buchhandlung Scheuermann ist in Duisburg vom Sonnenwall an den Flachsmarkt gezogen. Mehr als 80 Helfer:innen haben mit angepackt. Am neuen Standort gibt es neben Büchern auch Kinosessel, eine Galerie, Eis, ein Klavier und ausleihbare Sitzsäcke. Geöffnet ist nun bis 19 Uhr.

Verlage

85 Gewinner:innen des Deutschen Verlagspreises stehen fest: 79 Verlage erhalten ein Gütesiegel und ein Preisgeld von jeweils 18.000 Euro. Wer von ihnen die mit jeweils 50.000 Euro dotierten Spitzenpreise erhält, will Staatsminister Wolfram Weimer auf der Frankfurter Buchmesse bekannt geben.

Die vollständige Liste würde unser Podcastformat sprengen. Wir verlinken euch den Artikel in den Shownotes. Erstmals wird in diesem Jahr neben dem Nachhaltigkeitspreis auch ein Innovationspreis verliehen. Beide Preise sind mit jeweils 24.000 Euro dotiert. Ein Verlag mit einem Jahresgesamtumsatz von mehr als drei Millionen Euro erhält außerdem ein undotiertes Gütesiegel.

Die Buchbranche trauert um Antje Kunstmann, die am 16. September im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Weggefährt:innen würdigten sie als unabhängige, mutige und zugewandte Verlegerin. 1976 gründete sie den späteren Verlag Antje Kunstmann, der inzwischen von ihrem Sohn Moritz Kirschner geleitet wird.

Zwischenbuchhandel

Libri bestellt Hans-Peter Kübler zum Sprecher der Geschäftsführung. Ab dem 1. Oktober bildet er gemeinsam mit Ulrich Vollmer die Geschäftsführung. Kübler verantwortet künftig unter anderem Vertrieb, Kundenservice, Marketing, Einkauf und IT. Alyna Wnukowsky scheidet nach mehr als vier Jahren aus persönlichen Gründen aus der Geschäftsführung aus. Im Vorstand des Börsenvereins folgt Solvey Munk auf Wnukowsky.

Börsenverein

Der Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins fördert künftig gemeinsame Veranstaltungen unabhängiger Buchhandlungen und Verlage mit insgesamt 54.000 Euro pro Jahr. Pro Veranstaltung sind 500 bis 750 Euro möglich, für Reihen oder Festivals bis zu 5.000 Euro. Gefördert werden unter anderem Autor:innenhonorare, Moderation, Dolmetschen sowie Raum-, Übernachtungs- und Fahrtkosten.

Beim vom Börsenverein Baden-Württemberg ausgerichteten Innovationswettbewerb CONTENTshift stehen sechs Start-ups im Finale. Sie entwickeln KI-Lösungen für Marketing, Datenmanagement und Bildung. Die Anwendungen machen Backlisttitel sichtbarer, erleichtern die Videoerstellung und erschließen Inhalte für personalisierte Lernangebote. Der mit 10.000 Euro dotierte Award wird auf der Frankfurter Buchmesse verliehen.

Literaturpreise

Shida Bazyar erhält für ihren Roman "Die Lücken" den mit 30.000 Euro dotierten Wilhelm Raabe-Literaturpreis. Die Jury würdigt das Panorama deutscher Geschichte und die Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Entrechtung und Ausgrenzung. Die Preisverleihung findet am 7. November in Braunschweig statt. Der Roman ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Die Shortlist für den Booker Prize steht fest: Sechs Romane sind nominiert, darunter Werke von Marlon James, Elizabeth Strout und Douglas Stuart. Stuarts "John of John" ist bereits auf Deutsch bei Hanser Berlin erschienen, Strouts "Die Dinge, die wir nicht sagen" erscheint im Februar bei Luchterhand. Der Preis wird im November vergeben.

Die hr2-Hörbuchbestenliste hat ihre Hörbücher des Jahres gekürt. Zweimal geht die Auszeichnung an den argon Verlag: Das Hörbuch des Jahres ist Joachim Meyerhoffs "Man kann auch in die Höhe fallen", gelesen vom Autor. Zum Kinder- und Jugendhörbuch des Jahres wurde "Kanak Kids – Halb angepasst und voll dazwischen" von Anna Dimitrova gekürt, gelesen von Vidina Popov.

Kurz notiert

C.H.Beck wird Mehrheitsgesellschafter des Rechts-KI-Unternehmens Noxtua. Gemeinsam mit Manz schließt Noxtua eine Finanzierungsrunde über mehr als 100 Millionen Euro ab.

Der Verband der Freien Lektor:innen, kurz VFLL, kooperiert künftig mit ver.di. Ziel sind bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung für freie Lektor:innen. Außerdem wurde der Vorstand neu gewählt.

MVB kooperiert mit dem Berliner Start-up Snackz bei der Entwicklung eines KI-gestützten Metadaten-Assistenten fürs VLB. Er soll Verlage und Selfpublisher bei der Anlage neuer Produktinformationen unterstützen.

Außerdem stellt MVB die Fachzeitschrift "Aus dem Antiquariat" zum Jahresende ein. Die letzte Ausgabe erscheint am 7. Dezember. Antiquariatsthemen finden sich künftig beim Börsenblatt.