Interview mit Christoph Hirsch

"Die Präsenzmesse ist wichtig, trotz aller Corona-Nachteile"

26. Oktober 2021
von Michael Roesler-Graichen

Wie haben Verlage die 73. Frankfurter Buchmesse erlebt? Hat sich das Kommen gelohnt? Christoph Hirsch, Buch- und Programmleiter bei oekom, schildert seine Erfahrungen mit der hybriden Messe.

Christoph Hirsch, Buch- und Programmleiter oekom Verlag

Haben Sie die Buchmesse an allen Tagen besucht, oder haben Sie nur ausgewählte Termine verabredet?
Die meisten unserer Mitarbeiter*innen und auch ich selbst haben diesmal nur ausgewählte Termine verabredet und die Messe auch an nur einem Tag besucht.

Hatten Sie Gelegenheit zu spontanen, ungeplanten Begegnungen?
Ja, vor allem mit interessierten Leser*innen an unserem Gaststand „Zukunft des Lesens“, zu dem wir von XPLR Media in Bavaria und dem Börsenverein Bayern eingeladen wurden. Wobei es diesmal deutlich weniger Begegnungen waren.

Was hat in diesem Jahr auf der FBM gefehlt?
Eine übervolle Messe ist ebenso wenig attraktiv wie eine derart leere. Grundsätzlich hat doch einiges gefehlt: der eigene offizielle Verlagsstand, den wir schweren Herzens dann doch abgesagt hatten, und die Möglichkeit, sich mit "seinen" jahrelangen guten Kontakten zu treffen, weil sie nicht vor Ort waren.

Präsenz, hybrid, rein digital: Welche Kanäle und Formate haben Sie für oekom genutzt?
Die Gespräche mit unseren Handespartnern liefen in diesem Jahr ausschließlich digital. Bei langjährigen Kontakten ist das auch sehr fruchtbar. Bei neuen Geschäftspartnern ziehen wir persönliche Treffen vor. Unsere Lizenzgespräche haben wir hybrid geführt: Einige Treffen konnten persönlich auf der Messe stattfinden, die allermeisten wurden aber ins Digitale verlegt, da viele der internationalen Verlage nicht anwesend sein konnten. Schade war, dass es so kaum Möglichkeiten gab, bei Rundgängen über die Messe neue internationale Kontakte zu knüpfen. 

Wie wichtig war für Sie die Präsenzmesse?
Sehr wichtig, trotz aller coronabedingten Nachteile. Networking und der persönliche Kontakt ist immer etwas Anderes, und das Statement "Wir Verlage sind da" ist wichtig für die Branche.

Erwarten Sie, dass das B-to-B-Geschäft künftig stärker digital und dezentral laufen wird, und Frankfurt sich in Richtung Publikums-Event entwickelt?
Es gibt bereits Tendenzen in diese Richtung, aber die Branche ist im positiven Sinne konservativ, so dass das persönliche B-to-B-Geschäft wichtig bleiben wird.

Was sollte in der Messeorganisation unbedingt verbessert werden?
Alles war sehr gut organisiert, wie immer, nur das WLAN war wieder einmal eine Katastrophe.