Book-Bans in den USA

Florida sagt Ja zum Kinderbuch, Texas Nein zu Platon

16. Januar 2026
Redaktion Börsenblatt

Ein Kinderbuch, in dem sich Tiere paaren, und ein Titel von Platon, der ein drittes Geschlecht thematisiert, sorgen in den USA für Debatten. Die zwei aktuellen Fälle zeigen, wie kontrovers Book-Bans an Schulen und Universitäten diskutiert werden.

der Barnes and Noble Bookshop in Mount Pleasant (Wisconsin) stellen ehemals (oder vorübergehend) verbotene Bücher in den Blickpunkt. 

Bewegte und bewegende Debatten um "Banned Books" werden in den USA seit Jahren geführt. Buchhandlungen wie der Barnes and Noble Bookshop in Mount Pleasant (Wisconsin) stellen ehemals (oder vorübergehend) verbotene Bücher in den Blickpunkt. 

Das beim Klett Kinderbuch Verlag erschienene Kindersachbuch "Das Liebesleben der Tiere" von Katharina von der Gathen und Anke Kuhl (2017) steht derzeit im Zentrum einer öffentlichen Book-Ban-Debatte in den USA. Die englischsprachige Lizenzausgabe "Do Animals Fall in Love?" (Lerner Publishing) wurde im Schulbezirk Orange County, Florida, infrage gestellt – nun hat der Schulvorstand entschieden, das Buch weiterhin in den Bibliotheken der Middle Schools zugänglich zu halten.

Auslöser war die Kritik des School-Board-Mitglieds Alicia Farrant, die insbesondere Illustrationen sich paarender Tiere als "perverted" und "inappropriate" bezeichnete. In der öffentlichen Verhandlung widersprach die Mehrheit des Schulvorstands dieser Einschätzung deutlich: Mit 6:2 Stimmen wurde beschlossen, das Buch im Bestand zu belassen. Es vermittle altersgerecht und sachlich Wissen über Fortpflanzung und sei so gestaltet, dass Kinder Interesse hätten, etwas über das Thema zu lernen.

Für den Klett Kinderbuch Verlag ist die Entscheidung ein wichtiges Zeichen. Während der Vorgängertitel "Klär mich auf!" (engl. "Tell Me") in Teilen der USA auf Listen verbotener Bücher steht, zeige dieser Fall, dass Aufklärung nicht zwangsläufig aus Schulen verbannt wird, so Klett Kinderbuch. 

Platon-Passagen wegen drittem Geschlecht untersagt

Anders entschieden wurde im Fall von Platons "Symposion": An der A&M University in Texas wollte der Philosophiedozent Martin Peterson in einem Seminar im Kontext aktueller Fragen der Moralphilosophie Passagen lesen, in denen Aristophanes die Existenz eines dritten Geschlechts beschreibt. Wie Thomas Ribi für die NZZ berichtet, wurde dem Dozenten dies von der Universitätsleitung verboten.

Begründet wurde das Verbot mit Richtlinien, die es untersagen "Inhalte zu vertreten, die unter die Kategorien Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität" fallen – die Auslegung liegt dabei im Ermessen der Fachbereiche. Die Leitung erklärte, dass Platon nicht generell verboten sei, die betreffenden Passagen jedoch nicht ohne Genehmigung behandelt werden dürften. Peterson musste den Kurs absagen, nachdem ihm im schlimmsten Fall die Entlassung drohte.