Wichtiger Chronist

Günter de Bruyn ist gestorben

9. Oktober 2020
von Börsenblatt

Der Schriftsteller Günter de Bruyn ist am 4. Oktober im Alter von 93 Jahren gestorben, wie Medien übereinstimmend berichten.

Günter de Bruyn

Günter de Bruyn, der im brandenburgischen Görsdorf lebte, ist laut Medien im Krankenhaus von Bad Saarow gestorben. Der Schriftsteller wurde am 1. November 1926 in Berlin geboren. 

Er hatte von 1949 bis 1953 eine Ausbildung zum Bibliothekar absolviert, arbeitete danach bis 1961 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Bibliothekswesen der DDR, war gleichzeitig als Dozent tätig. Ab 1961 wechselte de Bruyn in die Rolle als freier Schiftsteller. Kurz vor der Wende, im Oktober 1989 lehnt er wegen "Starre, Inoleranz und Dialogunfähigkeit" des Regimes die Annahme des Nationalpreises der DDR ab. Auf einem deutsch-deutschen Schriftstellerkongress hatte er zuvor gefordert, die Zensur in der DDR aufzuheben. Nach der Wende war er Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Günter de Bruyn schrieb meist realistische Romane mit autobiografischem Bezügen. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören die beiden kulturgeschichtlichen Essays "Als Poesie gut" und "Die Zeit der schweren Not", die autobiographischen Bände "Zwischenbilanz" und "Vierzig Jahre" sowie die Romane "Buridans Esel" und "Neue Herrlichkeit", schreibt der S. Fischer Verlag auf seiner Website in der Kurzbiografie des Autors.. Die Defa verfilmte "Buridans Esel" 1980 unter dem Titel "Glück im Hinterhaus" nach einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf.

De Bruyn wurde vielfach ausgezeichnet, darunter (laut Wikipedia) mit dem Thomas-Mann-Preis (1990), dem Großen Bundesverdienstkreuz (1994), dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (1994), dem Jean-Paul-Preis (1997), dem Fontane-Preis der Stadt Neuruppin (1999), dem Verdienstorden des Landes Brandenburg (2005) oder dem Johann-Heinrich-Merck-Preis (2011). 1999 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität zu Berlin, seit 1990 war er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Bildung.

Nachrufe auf de Bruyn finden sich unter anderem in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dem "Spiegel", der "Süddeutschen Zeitung" oder im "Tagesspiegel".