Ich dachte das, als ich den Aufruf der Auszubildenden las - denen geht es nach einem Jahr Corona wie allen anderen: Die sind durch. Gut, dass sie sich melden. Schlecht, dass sie es anonym tun oder meinen tun zu müssen. Es gibt Ausbilder in den Betrieben, Berufsschullehrer:innen, es gibt Personen in den Kammern. Azubis in Nöten haben viele andere Anlaufstellen als Brandbriefe - unabhängig von der Berechtigung des Anliegens.
Vielleicht geht es ihnen wie manchen Besuchern bei mir. Sie verwechseln die Adresse. Ich bin inhaltlich für Anliegen mit Büchern zuständig, außerdem für Postkarten, Servietten und manchmal Briefpapier. Ob das wichtig ist? Für mich schon, denn ich bin ja gern Buchhändlerin. Die Kund:innen brauchen den Buchladen aber weitaus dringender als Anlaufstelle. Sie müssen da vorbei, sich ein bisschen unterhalten, auch meinetwegen über Corona meckern. Solange es sich im Rahmen hält, soll mir das Recht sein.
Die Kompensation für all das andere bin ich trotzdem nicht. Weder eine Freundin für die, die sonst keine haben, noch Ersatz des Vereinsabends und auch nicht der Ort, um sich politisch aufzustellen. Ich bin nicht die Verlängerung einer Talkshow auf den Bürgersteig, und für die kommunalen Anliegen von Hundewiese bis Neubaugebiet gibt es ein Rathaus. Ich vermute, die Abwesenheit von viel Vertrautem verwirrt manchmal; dahinter ist kein böser Wille. Das kann man exakt so freundlich sagen, und normalerweise wird es akzeptiert.
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