Handel als Sicherheitsfaktor

Ladensterben: HDE warnt vor "Aderlass"

26. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Handelsverband Deutschland (HDE) bezeichnet den Einzelhandel als zentralen Sicherheitsfaktor für Innenstädte und untermauert dies nun mit einer Studie. Gleichzeitig warnt der Verband in einer Prognose vor dem Verlust von 4.900 Geschäften im laufenden Jahr und fordert politische Gegenmaßnahmen.

Frau mit Shoppingtüten in einer dunklen Innenstadt

Symboldbild

Studie: Hohes Sicherheitsempfinden im Einzelhandel

Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts essentiq im Auftrag des HDE fühlen sich 90 Prozent der Menschen in Einzelhandelsgeschäften sicher. Damit wird der Handel in der Wahrnehmung der Befragten noch vor der Gastronomie (89 Prozent) als sicherster Ort in den Innenstädten eingestuft. HDE-Präsident Alexander von Preen leitet daraus ab: "Lebendige Innenstädte werden als sicher wahrgenommen. Dabei spielt der Einzelhandel nachweislich die tragende Rolle."

Düstere Prognose: HDE erwartet Verlust von 4.900 Geschäften

Gleichzeitig zeichnet der Verband ein düsteres Bild für die Branche. Einer HDE-Prognose zufolge wird die Zahl der Geschäfte in Deutschland im laufenden Jahr 2026 netto um 4.900 sinken. Damit setzt sich ein Trend fort: Im Vorjahr lag das Minus bei 4.500, in den Corona-Jahren zwischen 2020 und 2023 stieg der Wert laut HDE teilweise auf über 11.000. Der Verband warnt vor einer Gewöhnung an diesen von ihm als "jährlichen Aderlass" bezeichneten Zustand und dessen "dramatischen Folgen".

Die Gesamtzahl der Läden würde damit auf 296.600 sinken. Vor zehn Jahren waren es laut HDE noch 366.800.

Verband verknüpft Schließungen mit Unsicherheit

In seiner Argumentation verbindet der HDE die prognostizierten Schließungen direkt mit den Ergebnissen der Sicherheitsumfrage. Diese zeigt, dass Leerstand für 73 Prozent der Befragten einen negativen Einfluss auf das persönliche Sicherheitsgefühl hat. Von Preen wird dazu mit den Worten zitiert: "So kann und darf es nicht weitergehen. Der Einzelhandel als Rückgrat lebendiger Innenstädte braucht bessere Rahmenbedingungen. Ansonsten erreichen immer mehr Stadtzentren Kipppunkte".

"Gründungsoffensive" gefordert

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert der HDE politische Maßnahmen. Kernforderung ist eine "Gründungsoffensive für den Einzelhandel", um Leerstände zu bekämpfen.

Die Forderungen des Verbandes umfassen:

  • Zwischenvermietung: Kommunen sollen Leerstände als "Innovationsmotoren" für Neugründungen nutzen.
  • Förderung für Gründer:innen: Die Offensive soll Mietzuschüsse sowie Förderungen für Geschäftseinrichtung, Kassensysteme, digitale Warenwirtschaft und Marketing beinhalten.
  • Laufende Schulungen: Finanziert werden sollen zudem Weiterbildungen in Bereichen wie Betriebsführung oder Marketing.
  • Bessere Rahmenbedingungen: Der HDE verlangt zudem eine Senkung der Energiekosten auf Bundes- und EU-Ebene.