Lanier, einer der Erfinder der Virtual Reality und heute Entwickler bei Microsoft, betont, dass digitale Netzwerke und Plattformen neue Formen von Reichtum und Einfluss geschaffen haben: "Diese Netzwerkeffekte sind der Grund, warum wir heute diese Ultra-Milliardäre haben und diese unglaubliche Konzentration von Reichtum." Die heutige Informationsökonomie bewerte Aufmerksamkeit oft höher als Geld. Lanier beschreibt, dass Tech-CEOs wie Elon Musk oder Mark Zuckerberg dadurch in ihrer Denkweise und ihrem Handeln geprägt werden – was sich in ihrem Verhalten gegenüber von US-Präsident Donald Trump zeige, der ein Meister sei, Aufmerksamkeit herzustellen.
Mit Blick auf Social Media und Algorithmik warnt Lanier: "Texte werden nicht mehr nur kopiert, sondern von KI verändert." Er äußert Sorge über die gesellschaftliche Rolle von KI und warnt vor Manipulation, Radikalisierung und der möglichen Schwächung demokratischer Prozesse durch digitale Plattformen. Einer der zentralen Konflikte liege für ihn darin, Technologie nicht zum Selbstzweck zu erheben: "Technologie ist nie Selbstzweck. Sie muss immer für Menschen gemacht sein."
Lanier erklärt, dass aktuelle Debatten um Künstliche Intelligenz von Übertreibung geprägt sein können: "Für mich ist KI nichts anderes als Wikipedia mit ein bisschen Statistik obendrauf." Zugleich gibt er zu bedenken, dass Technologie gefährlich werden kann, wenn sie ohne echte Regulierung wirkt: "Wir können Technologie nutzen, um uns zu retten, aber auch, um uns zu zerstören. Die Verantwortung bleibt immer beim Menschen."
Ein weiteres Thema ist die Politisierung von Technologiekonzernen und deren Einfluss auf gesellschaftliche Lager. Lanier erläutert, dass Macht und Aufmerksamkeit heute eng miteinander verflochten seien und ruft zu mehr Pragmatismus beim Umgang mit digitalen Technologien auf.
Abschließend betont Lanier, dass jede Generation die Freiheit habe, ihre Interpretationen und Umgangsweisen mit Technik zu bestimmen. Er verweigert sich apokalyptischer Rhetorik und sieht in chaotischen Situationen auch Hoffnung: "Es gibt immer Hoffnung im Chaos."