Das Buchbranchen-Update

Libri.Campus ++ Entwicklung der Backlist ++ Nutzungsvorbehalt

18. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Was der unabhängige Buchhandel auf dem Libri-Campus in Bad Hersfeld besprochen hat, wie sich Umsatz, Absatz und Preise von Backlist-Titeln in den letzten zehn Jahren entwickelt haben und wieso es so wichtig ist, dass Verlage sich jetzt mit dem Thema Nutzungsvorbehalt beschäftigten.

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Libri.Campus in Bad Hersfeld

Am 7. und 8. Mai hat sich der unabhängige Buchhandel in Bad Hersfeld getroffen. Mehr als 180 Buchhändler:innen sind zum Libri.Campus live gekommen. Das Motto lautete kurz und programmatisch: neugierig. Die Idee dahinter: eine Haltung entwickeln gegen Zukunftsangst und Routine. Libri hat dafür das ganze Konzept auf Austausch ausgerichtet und auf kleinere Gruppen, parallele Formate und mehr Raum für Gespräche gesetzt. Also weniger sitzen und mitschreiben, mehr mitdenken und mitnehmen. 

Besonders lebendig ging es zu beim Storybattle. Hier haben Buchhändler:innen ihre besten Ideen vorgestellt und in mehreren Runden darüber abgestimmt. Sie haben dabei nicht nur goldene Kronen gesammelt, sondern vor allem ganz viele Anregungen für die Praxis mitgenommen. Eine der Siegerideen war etwa eine Kooperation mit Sportvereinen, um Buchempfehlungen direkt in den Vereinsheimen zu platzieren. So erreicht man die Menschen dort, wo sie ihre Freizeit verbringen. Ebenfalls gewonnen haben eine Fortsetzungslesung quer durch die Stadt und das Kundenmagazin "Fou" der Buchhandlung Kleine Schusterwerkstatt. Auf boersenblatt.net findet ihr Artikel zum Magazin, in dem Inhaberin Christiane Köhn-Ladenburger erzählt, welche Inhalte sie und ihr Team dafür aufbereiten und wie die Publikation bei anderen Buchhandlungen ankommt. Link ist in den Shownotes. Die übrigen Ideen beim Storybattle haben die Teilnehmenden direkt von der Pinnwand abfotografiert. 

Daneben drehte sich alles um zwei große Branchenthemen: Leseförderung und Nachfolge. Das Literanauten-Projekt rückte die Leseförderung von Jugendlichen für Jugendliche in den Fokus. Und beim Thema Nachfolge lautete der Rat, Mitarbeitende schrittweise ans unternehmerische Denken heranzuführen. Börsenblatt-Chefredakteurin Christina Schulte war in Bad Hersfeld dabei und hat für euch die Atmosphäre eingefangen. Ihren Bericht verlinken wir in den Shownotes. 

Potenzial der Backlist heben

Ohne Backlist-Titel wäre die Buchbranche um beträchtliche Umsätze ärmer. Eine detaillierte Analyse des Börsenvereins zeigt, wie sich Umsatz, Absatz und Preise in den Jahren 2015 bis 2025 entwickelt haben. 2025 war mit 26 Prozent mehr als jedes vierte verkaufte Buch älter als fünf Jahre. Außerdem zeigt sich, dass einzelne Segmente weniger Novitäten-getrieben sind als früher – in der Belletristik liegt der Novitäten-Anteil am Absatz aktuell bei 59 Prozent (Vergleich 2015 waren es noch 63 Prozent), im Kinder- und Jugendbuch kommen neue Titel nur noch auf 36 Prozent (2015 waren 46 Prozent, zehn Prozentpunkte mehr). Auffällig ist zudem: Der Backlist-Anteil am Absatz ist in allen Warengruppen höher als der Backlist-Anteil am Umsatz – die Abstände sind aber seit der ersten Untersuchung kleiner geworden, weil Backlist-Preise stärker gestiegen sind als die der Novitäten. Bei der Belletristik etwa lag 2025 der Absatz bei 40,9 Prozent und der Umsatz bei 34,7 Prozent. Grundlage der Auswertung sind alle durch Media-Control im Handelspanel erfassten Abverkäufe in Deutschland; als Backlist gilt dabei ein Titel, der älter als ein Jahr ist. Weitere Details findet ihr auf boersenblatt.net, der Link dazu ist in den Shownotes. Die gesamte Auswertung finden Mitglieder des Börsenvereins im geschlossenen Mitgliederbereich auf der Website des Verbands. 

Nutzungsvorbehalt

Im Juni finden die Fokustage des Börsenvereins in Frankfurt statt – und ein Thema dürfte viele Verlage ziemlich direkt betreffen: der Nutzungsvorbehalt, also die Option, die Nutzung von Inhalten für KI‑Training ohne Zustimmung des Verlags zu untersagen. Digitalexperte Carsten Wehmeyer (VVA/arvato) sagt klar: Verlage müssen jetzt aktiv werden, sonst werde die Branche später von technischen Fakten überrollt. Denn oft ist überhaupt nicht transparent, mit welchen Daten KI-Systeme trainiert wurden, und das erschwert die Rechte-Durchsetzung. Gleichzeitig sei das Thema ein echter Spagat aus Recht und Technik: Das Gesetz verlange, dass der Nutzungsvorbehalt „an üblicher Stelle“ erklärt werden muss. Dafür entstehen gerade maschinenlesbare Standards. Zudem gibt es vom Börsenverein dazu bereits einen Praxisleitfaden – Link dazu ist in den Shownotes. Der Weckruf ist notwendig: Laut einer Studie der IG-Digital haben sich 37 Prozent der befragten Verlage mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt. In seinem Vortrag bei den Fokustagen zeigt Wehmeyer, wie sich der Nutzungsvorbehalt konkret umsetzen lässt. 

Buchhandel

Thalia vermeldet eine Übernahme: Am 12. Mai hat eine neue Filiale am Kasseler Bebelplatz geöffnet. Zuvor war in den Räumen die Buchhandlung am Bebelplatz ansässig, geführt von Martin Sagel, der sich aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Das übrige Team arbeitet unter dem Dach von Thalia weiter. 

Auch Hugendubel weitet sein Filialnetz aus: Zum 1. Juni übernimmt das familiengeführte Unternehmen die traditionsreiche Buchhandlung Beidek in Müllheim im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Für die bisherigen Inhaber:innen Antonia Schulze Hackenesch und Peter Kirsch war die Übergabe der Buchhandlung Beidek ein bewusster Schritt – und Abschied von jahrzehntelangem Engagement fürs Lesen. Sie wollen nun neue persönliche Wege einschlagen. Auch hier bleibt das Team der Buchhandlung erhalten. 

Verlage

Die Reise-Abteilung im Buchhandel hat es schwer: Die Umsätze gehen zurück und die Regalflächen schrumpfen. Wie reagiert ein großer Reiseverlag wie MairDumont darauf? Bettina Schütz, die Vertriebsleiterin, hat im Börsenblatt-Interview eine klare Antwort: Wenn die Fläche kleiner wird, muss das Sortiment passgenauer werden. Also regional, saisonal und ganz nah an den Trends. 

Genau hier kommt der Außendienst ins Spiel. Bettina Schütz nennt ihn das "Rückgrat der Beratung". Die Haltung sei nicht mehr "Ware um jeden Preis", sondern strategische Unterstützung. Dafür nutzt MairDumont ein spezielles Daten-Tool. Das analysiert, welche Reiseziele und Produkte in einer bestimmten Region wirklich gefragt sind. 

Der Außendienst bringt diese kostenlose Analyse dann direkt in die Buchhandlung. Ziel ist eine Präsentation, die Kundinnen und Kunden inspiriert und zum Kauf anregt. Es geht also um eine enge, datengestützte Partnerschaft, damit sich das Reise-Regal wieder für alle Seiten lohnt. Das Interview auf boersenblatt.net verlinken wir für euch in den Shownotes. 

Tschechien, der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, hat jetzt seine Autoren-Delegation bekannt gegeben. 75 Autorinnen und Autoren aus allen Genres reisen im Oktober nach Frankfurt. Hauptkriterium für die Auswahl war, dass ihre Bücher aktuell auf Deutsch erschienen sind oder noch bis zur Buchmesse erscheinen. Darunter sind auch einige in Deutschland sehr bekannte Namen, zum Beispiel Jaroslav Rudiš, dessen nächstes Buch bei Piper erscheint, Jáchym Topol, der bei Suhrkamp verlegt wird, und Radka Denemarková, die bei Hoffmann und Campe publiziert. 

Kurz notiert

Die drei Fragezeichen erobern jetzt die Opernbühne. Die Staatsoper Stuttgart bringt "Die drei ??? und das Spiegelkabinett" als Uraufführung, Premiere ist im Februar 2027. 

Am 8. Oktober kommt die Verfilmung von Daniela Dröschers Roman "Lügen über meine Mutter" ins Kino. Das Buch ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Es stand vor vier Jahren auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis und war nominiert als Lieblingsbuch der Unabhängigen.