Während der Entstehung der Anthologie habe Mit-Herausgeber Valentin Moritz den Verlag über einen tatsächlichen Vorfall in Kenntnis gesetzt, räumt Kanon ein: "Er teilte mit, dass es eine Betroffene gebe und diese nicht wünscht, dass er einen Text über den Vorfall verfasse."
Moritz hätte dann angeboten, sich aus dem "Oh Boy"-Projekt zurückzuziehen. Die Herausgebenden und der Verlag hätten darauf intensiv darüber diskutiert, "ob es nicht doch einen Weg geben könnte, dem Nein der Betroffenen zu entsprechen und einen Text über ein Tabuthema zu ermöglichen, in dem es um Scham, Reue und Prägungen gehe. Solch einen Weg habe man im dann publizierten Text "Ein glücklicher Mensch" gesehen. "Doch dieser Weg erweist sich als nicht richtig", konstatiert der Verlag in seiner zweiten Stellungnahme. "Das ist uns, leider viel zu spät, klar geworden".
Man hätte den Wunsch der Betroffenen, den Vorfall in keiner Form aufzugreifen, auch nicht in einer fiktionalen, respektieren müssen. Für diese Fehlentscheidung und die dadurch entstandenen Verletzungen "möchten wir aufrichtig um Entschuldigung bitten" – besonders bei der Betroffenen. Mit ihr suche man, sofern sie noch dazu bereit sei, das Gespräch. Die Intention, männliche Täterschaft zu thematisieren, dürfe nicht dazu führen, dass die Betroffenenperspektive außen vor bleibe, überhört oder gar übergangen werde, betont der Kanon Verlag jetzt.
Schließlich reagiert der Verlag noch auf die Debatte und Kommentare in den Sozialen Medien: "Wir bedanken uns für die ausführlichen Kommentare und die Kritik, die uns in den letzten Stunden erreicht haben. Wir nehmen sie uns sehr zu Herzen für unsere zukünftige Verlagsarbeit".
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