Dass der diesjährige »Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung« ausgerechnet einer russischsprachigen Schriftstellerin zugesprochen wurde, könnte Irritationen hervorrufen. Doch man sollte Maria Stepanova genau zuhören. Kürzlich sagte sie: »Das Gedicht steht schwankend am Rand eines Abgrunds, zwischen Hoffnung und Urteil, Hinrichtung und Rettung. Und ich, geboren in einem Land, das in der Zeitspanne meines Lebens mehrfach seine Grenzen, seine Bezeichnung, seine Straßen- und Städtenamen geändert hat, schweige ihm nach.«