Anwalt und Kinderbuchautor

Heinrich Hannover ist tot

18. Januar 2023
von Börsenblatt

Er war einer der bekanntesten Rechtsanwälte der Bundesrepublik - und Kinderbuchautor mit hohen Auflagenzahlen ("Das Pferd Huppdiwupp"): Am 14. Januar ist Heinrich Hannover zuhause in Worpswede im Alter von 97 Jahren gestorben.

Heinrich Hannover

Hannover hatte einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und glaubte stets optimistisch an das Gute. Aus dem Zweiten Weltkrieg kehrte der in Anklam aufgewachsene Hannover als Pazifist zurück, der "Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung unter Menschen absolut widerlich" fand und deshalb auch nicht der Verteidiger von RAF-Terroristin Ulrike Meinhof in der Hauptverhandlung sein wollte, obwohl er ihr Rechtsbeistand in der Untersuchungshaft war. Hannover begleitete unzählige Kriegsdienstverweigerer vor Gericht und versuchte, den 1931 von einem deutschen Gericht verurteilten Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky zu rehabilitieren. Zu seinen bekanntesten Mandanten gehörten die Politiker Daniel Cohn-Bendit und Hans Modrow, Schriftsteller Peter-Paul Zahl und Journalist Günter Wallraff. Hauptsächlich war er, der eigentlich Förster hatte werden wollen, jedoch ein "Anwalt der kleinen Leute".

Hannover war Mitherausgeber der Zeitschrift "Demokratie und Recht", schrieb Werke wie "Politische Justiz 1918-1933" (Metropol Verlag), "Schubladentexte" und "Die Republik vor Gericht 1954–1995. Erinnerungen eines unbequemen Rechtsanwalts", und er erfand für seine Kinder Gute-Nacht-Geschichten. Eine Literaturagentin riet ihm, die Geschichten doch aufzuschreiben, und so verfasste Hannover mehr als 20 Kinderbücher mit einer Gesamtauflage von 900.000 Exemplaren. Zu den bekanntesten Kinderbüchern Hannovers gehören sicherlich das "Pferd Huppdiwupp" (Rowohlt Taschenbuch), mit dem seit 1968 Generationen von Kindern aufgewachsen sind und das mittlerweile eine Auflage von 300.000 Exemplaren erreicht hat, "Der fliegende Zirkus" (als Hörbuch bei Jumbo), "Der müde Polizist", "Was der Zauberwald erzählt" (Gerstenberg),  "Die untreue Maulwürfin" (Aufbau) und die ABC-Gedichte "Ein toller Zoo".