Gastland Tschechien

"Ich bin jetzt Krankenschwester, damit ich nicht komplett abhängig bin"

12. Oktober 2026
Stefan Hauck

Auch wenn er nur als Bückware zu bekommen war: Den Anstecker "Culture in Danger" sah man auf der Frankfurter Buchmesse bei vielen tschechischen Autor:innen und Übersetzer:innen. Er ist eine Reaktion auf den Kurswechsel in der slowakischen Kulturpolitik seit Herbst 2023, in der tschechischen seit Ende 2025. Wie sich diese Veränderungen auf das Schreiben auswirken, darüber haben Schriftsteller:innen und Übersetzer auf einem Podium des Ehrengasts Tschechien gesprochen.

Mehr als "nur" schreiben: Diskussion mit (v.l.) Petra Hůlová, Tomáš Hučko Maria Modrovich und Mirko Kraetsch

Mehr als "nur" schreiben: Podiumsdiskussion mit (v.l.) Petra Hůlová, Tomáš Hučko, Maria Modrovich und Mirko Kraetsch

Fördermittel gestrichen

In der Slowakei sind Fördermittel für die freie Szene gestrichen und Leitungen staatlicher Kultureinrichtungen abberufen worden; im Kulturministerium wurden etwa 40 Prozent der Belegschaft ausgetauscht. Der Kunstförderfonds wurde umstrukturiert: Für 2026 wurden 30 Millionen Euro auf zehn Programme verteilt, bestehende Dreijahresverträge wurden storniert. Das Festival für übersetzte Literatur "Tranz" erhielt im Mai 2026 keine Mittel und musste sein Programm kürzen. 

In Tschechien sind die Mittel für Förderwettbewerbe im Programm Kulturaktivitäten für 2026 um 29,4 Prozent auf 810 Millionen Kronen gesunken. Für Bücher gibt es 2026 keine zweite Förderrunde; für Literaturzeitschriften und Veranstaltungen stehen 26,5 Millionen Kronen zur Verfügung, nach 34 Millionen im vergangenen Jahr. Das Programm zur Übersetzungsförderung verzeichnete einen Rekord an Anträgen, die beantragten Summen überstiegen die verfügbaren Mittel deutlich. Schriftstellerverband und Übersetzergemeinschaft hatten die Kulturpolitik in einem offenen Brief kritisiert.