Deutscher Verlagspreis

„Feier des Fargin“

10. Oktober 2026
Nils Kahlefendt

Man muss gönnen können: In Frankfurt wurde der Deutsche Verlagspreis vergeben. Diese einst als Brückenkonstruktion auf dem Weg zur in immer fernere Fernen rückenden strukturellen Verlagsförderung gedachte Auszeichnung wird von den wirtschaftlich unter Druck stehenden Verlagen inzwischen so dringend gebraucht, dass sie nur noch sehr schaumgebremst wider den Stachel des Geldsegen spendenden Ministers löcken. 

Die Moderation von Preisvergaben ist eine Disziplin, in der gutes Honorar zu verdienen ist, aber auch jede Menge Fettnäpfe zum schwungvollen Hereintreten bereitstehen. Auf Thomas Böhm, der die Herausforderung bislang immer charmant und mit Witz meisterte, war auch diesmal Verlass: Er führte als running gag das jiddische fargin oder farginen ein, was in etwa so viel bedeutet wie jemandem sein Glück oder seinen Erfolg von ganzem Herzen zu gönnen, ohne auch nur den geringsten Hauch Neid oder Missgunst zu verspüren. Man muss gönnen können! Böhm widmete die Vergabe des Deutschen Verlagspreises nun also zu einer „Feier des Fargin“ um – in etwa also das Gegenteil der deutschen Schadenfreude, die gerade in der zumeist solidarisch sich gebenden Buchwelt nicht gern gesehen oder nur hinter vorgehaltener Hand gepflegt wird.