Constanze Kleis über die Frankfurter Buchmesse

Im Epizentrum des Lesens

2. November 2023
Constanze Kleis

Ja, auf der Buchmesse war es voll. Sogar extrem voll. Aber steckt in diesem Gedränge nicht auch jede Menge Trost? Constanze Kleis über gelebte Fankultur und Warteschlangen-Längenvergleiche in Halle 3.

Auch eine Buchmesse kann ein großer Trost sein. Besonders in trostlosen Zeiten. Beides bestätigte die diesjährige "Wiesn der Branche" ("Süddeutsche Zeitung") wie vielleicht noch keine Frankfurter Buchmesse zuvor. Vor allem an den Publikumstagen. Und speziell in Halle 3. Dort schoben sich solche Massen durch die Gänge, als wären nicht bloß Verona Pooth oder Johann Lafer, sondern Elvis Presley Arm in Arm mit Marilyn Monroe gesichtet worden. Beide nackt. 

Kein Zweifel: Es wird weiterhin und wieder gelesen. Entgegen anderslautenden Gerüchten starren Menschen nicht 24/7 nur stumpf in ihre Smartphones oder Tablets. Erfreulich viele blicken vielmehr lieber zunehmend über ihren Tellerrand hinweg in Bücher. Und sie nehmen für ihre Leidenschaft einiges in Kauf. Schließlich galt es für den Besuch im Epizentrum des Lesens dieses Jahr einige besonders hohe Hürden zu überwinden: Enge, Gedränge, Sauerstoffknappheit, Platzangst, die Furcht vor Corona-Viren und Anmeldeprozeduren für Signierstunden, als ginge es um ein Ticket für die Fußball-Europameis­terschaft 2024. Alles egal, wenn es galt, den jeweils verehrten Autorinnen und Autoren nahe zu kommen.