Lesetipp

Monika Maron und S. Fischer trennen sich

20. Oktober 2020
von Börsenblatt

Nach fast 40 Jahren gehen die Schriftstellerin Monika Maron und S. Fischer getrennte Wege. Hilmar Klute schreibt in der Süddeutschen Zeitung über die Gründe für das Ende. Ein Lesetipp.

Monika Maron

Schon seit längerem hätte es Uneinigkeiten zwischen der Autorin Monika Maron und dem Verlag S. Fischer gegeben, deren Zusammenarbeit bereits seit 38 Jahren besteht.

Bekannt ist Maron in ihren Erzählungen für Figuren, deren Lebensläufe in den Zeiten der DDR beginnen. „Zu ihren poetischen und essayistischen Gegenständen zählen seit einigen Jahren neben der Wahrnehmung der Verhältnisse in Ostdeutschland zunehmend kritische Einlassungen zur Zuwanderung, zur Genderkultur und zur Integration von Muslimen“, so Hilmar Klute in der Süddeutschen Zeitung. In Kritik geraten ist auch die dies jährige Erscheinung von Marons Roman „Artur Lanz“, der von vielen Kritikern als rechts orientierte Erzählung gewertet wurde.

Auf Anfrage der Zeitung, schrieb Maron: „Mat hat mir ausrichten lassen, ich sei politisch zu unberechenbar, passe nicht mehr in die Zeit und sei damit ein Risiko für den Verlag.“

Verlagsleiterin Siv Bublitz habe die Nachfrage nach einem Aussortieren einer sich unbequem gemachten Autorin klar verneint. „Autorinnen und Autoren dürfen und müssen auch provozierend und unberechenbar sein. Ein gutes Verlagsprogramm braucht diese Vielfalt.“ Dies sei kein Grund, sich von einer Autorin zu trennen.

Ein klares Problem hingegen sei die Veröffentlichung eines Essay-Bandes im März im Buchhaus Loschwitz in Dresden gewesen. „Besonders problematisch ist für uns das Umfeld des Antaios Verlages, mit dem das Buchhaus Loschwitz kooperiert. Zu dessen Programm gehören zahlreiche Bücher, die völkisch-rassistische Positionen vertreten. Mit völkischen und rassistischen Diskursen will der S. Fischer Verlag nicht assoziiert werden, auch nicht mittelbar. Die Diktatur des Nationalsozialismus hat die Geschichte und Tradition unseres Hauses geprägt. Dieses Geschichtsbewusstsein leitet uns in unserer verlegerischen Arbeit bis heute." Ein Gespräch mit Maron über dieses Thema und das Bedenken sei „auf ganzer Linie“ gescheitert. „Sie empfand unsere Fragen als Zumutung und verbat sich jede Einmischung in ihre Publikationspläne. Wir entschieden dann, keinen Vertrag für ein neues Buch anzubieten."

Monika Maron zeigt sich gegenüber der SZ fassungslos. Sie befände sich in der gleichen Situation wie vor vierzig Jahren mit „Flugasche“. Der 1981 erschienene Roman über die Umweltverbrechen in der DDR durfte damals dort nicht erscheinen und fand ein Zuhause bei S. Fischer im Westen. "Bis vor zwei Jahren habe ich S. Fischer als einen sehr toleranten Verlag erfahren, dem es ein Anliegen war, das Meinungsspektrum seiner Autoren und damit auch der Gesellschaft abzubilden. Da hat sich offensichtlich etwas verändert“, so die Schriftstellerin.

Den kompletten Artikel „Kein gutes Zeichen“, können Sie auf der Website der Süddeutschen Zeitung nachlesen.

 

Stadtschreiber Mainz Monika Maron ist Preisträgerin 2009