Übersetzerverband

VdÜ wählt neuen Vorstand

7. September 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Übersetzerverband VdÜ hat seine Verbandsgremien neu bestimmt. Die wiedergewählte erste Vorsitzende befürchtet angesichts KI und Arbeitsbedingungen weitere "Abwanderung aus diesem Beruf".

Foto von Mirko Kraetsch (links) und Marieke Heimburger 

Mirko Kraetsch (links) und Marieke Heimburger 

Die planmäßigen Wahlen fanden der Mitteilung zufolge am 6. September auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des VdÜ (Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. / VdÜ in ver.di) in Wolfenbüttel statt. 

  • Marieke Heimburger aus Tønder wurde als 1. Vorsitzende wiedergewählt,
  • neuer 2. Vorsitzender ist der bisherige VdÜ-Schatzmeister Mirko Kraetsch aus Berlin.

Marieke Heimburger äußerte sich nach der Wahl: "Keine zwei Jahre nach meinem Amtsantritt 2021 sah sich die gesamte Branche mit dem Thema generative KI konfrontiert – und bis heute hält es sie in Atem. Kaum ein anderes Thema hat auch unseren Verband in den letzten Jahren so sehr beschäftigt – während wir weiter unter den immer skandalöseren Arbeitsbedingungen ächzen. Vor fünf Jahren wurde ich von Verlagsvertreter:innen gefragt, ob sich bei uns ein Fachkräftemangel abzeichne, was ich verneinte. Heute wäre meine Antwort: Er hat bereits eingesetzt, und wenn sich nicht endlich etwas dramatisch zu unseren Gunsten ändert, wird die Abwanderung aus diesem Beruf anhalten. Speziell auch vor diesem Hintergrund ist und bleibt Hauptziel unseres Berufsverbandes die Verbesserung der immer prekäreren Lebens- und Arbeitsbedingungen der Literaturübersetzenden hierzulande.

Mirko Kraetsch ergänzte: "Die Verbesserung der Einkommenssituation ist angesichts des anhaltenden Unwillens der Verlage, uns angemessen zu vergüten – bei gleichzeitig erheblich gestiegenen und weiter steigenden Lebenshaltungskosten – dringlicher denn je. Jahrzehntelange Bemühungen, mit den Verlagen Mindeststandards zu vereinbaren, haben genauso wie politische Forderungen nur unzureichende Verbesserungen gebracht; wir werden also weiter am Ball bleiben. Worauf wir hingegen nach wie vor setzen können, ist die Unterstützung untereinander und das gemeinsame leidenschaftliche Engagement für den Beruf."

Die VdÜ-Jahrestagung mit wie immer über 200 Teilnehmenden, die der Mitgliederversammlung unmittelbar vorausgegangen war, sei diesbezüglich höchst ermutigend.