Auszeichnung

Deutsch-Französischer Jugendliteraturpreis an Cornelia Franz und Hervé Giraud

2. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis 2026 geht an Cornelia Franz sowie an Hervé Giraud. Für diese Bücher werden sie prämiert. Ebenfalls vergeben wurde der Preis der Jugendjury.

Siegerfoto von Cornelia Franz und Hervé Giraud

 Cornelia Franz und Hervé Giraud

Am Freitag, 2. Oktober wurde zum 14. Mal der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis verliehen. Die feierliche Preisverleihung fand in der Staatskanzlei des Saarlandes statt. Die Ministerin für Bildung und Kultur, Christine Streichert-Clivot, und der Generalkonsul der Republik Frankreich im Saarland, Jérôme Spinoza, haben die Preise – in diesem Jahr in der Kategorie erzählendes Kinderbuch – überreicht und die beiden Preisträger:innen der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Preis ist jeweils mit sechstausend Euro dotiert.

Die zwölf nominierten Bücher wurden von der Schauspielerin Ina Jaich in einer szenischen Lesung präsentiert. Ausgezeichnet mit dem Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis wurden Cornelia Franz aus Deutschland sowie Hervé Giraud aus Frankreich.

Cover von "Das nennt man Glück"

Cornelia Franz

Das ausgezeichnete Buch: Cornelia Franz – Das nennt man Glück Mit Bildern von Meike Töpperwien Gerstenberg | ab 8 Jahre

Cornelia Franz studierte Germanistik und Amerikanistik. Nach einer Ausbildung zur Verlagsbuchhändlerin arbeitete sie mehrere Jahre als Verlagslektorin. Seit rund 25 Jahren schreibt sie Kinder- und Jugendbücher und wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Hamburger Literaturpreis und dem Friedrich-Glauser-Preis.

Die Jury-Begründung: "Cornelia Franz verhandelt in ihrem feinen Kinderroman 'Das nennt man Glück' ein großes Thema: Die Wohnungsnot einer 7-köpfigen Familie in Hamburg mit wenig Geld. Als Familie Mirza wieder einmal eine Absage von einem Makler erhält und die Eltern resignieren, nehmen Janan und ihre vier Brüder die Sache selbst in die Hand. Sie verteilen Zettel im Viertel, erzählen möglichst vielen Leuten von ihrer Wohnungssuche, recherchieren im Internet und durchkämmen die Gegend nach Neubauten. Und ganz gleich, welche Rückschläge sie erleiden sowie die Nachricht, dass Babas Neffe im Iran durch eine Landmine ein Bein verloren hat: Sie halten zusammen. Ihre Suche liest sich fast wie ein Abenteuerroman im Wohnungsmarktdschungel. Eine Extrabrise Spannung entsteht durch das große Geheimnis der Mutter, das sie nur mit Janan teilt. Franz erschafft mit ihren liebevollen Figuren und der lebenslustigen Protagonistin ein Gegengewicht zu den Nöten des Alltags. Die fröhlich zuversichtliche Erzählstimme wird durch die markanten Illustrationen von Meike Töpperwien unterstrichen."

Cover von "La cabane de la fin du monde"

Hervé Giraud

Das ausgezeichnete Buch: Hervé Giraud – La cabane de la fin du monde Éditions Thierry Magnier | ab 9 Jahre

Hervé Giraud begann seine berufliche Laufbahn als Journalist, bevor er sich dem Schreiben von Kinder- und Jugendliteratur widmete. Sein Roman „Le Garçon qui croyait qu’on ne l’aimait plus“ (Seuil Jeunesse) stand 2022 auf der Shortlist des Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreises.

Die Jury-Begründung: "Um dem angekündigten Sturm zu trotzen, beschließt eine Gruppe von Kindern, eine Hütte zu bauen und diesen Moment, den sie sich als Weltuntergang vorstellen, gemeinsam dort zu verbringen. In diesem improvisierten Kammerspiel kommen jedoch die Spannungen, Zugehörigkeiten, Rivalitäten und Missverständnisse ans Licht, die ihre kleine Gemeinschaft durchziehen. Zwischen Loyalitätskonflikten, Vorurteilen, dem Wunsch nach Akzeptanz und dem Bedürfnis nach Freundschaft verläuft nichts wie geplant. Hervé Giraud inszeniert mit bemerkenswerter Genauigkeit eine Gruppe von Kindern: Jede Figur wird sowohl in ihrer Einzigartigkeit als auch in der Komplexität ihrer Beziehungen erfasst. Hinter der Fassade eines humorvollen Abenteuers greift der Roman ohne Schwere sehr aktuelle Themen auf — religiöse Identitäten, ererbte Rivalitäten, Ausgrenzung, Klima, prekäre Umstände — und bleibt dabei ganz nah an den kindlichen Emotionen. Besonders berührend ist die Art und Weise, wie Fantasie, Spiel und gemeinsam erlebte Angst zum Spiegel der Verletzlichkeiten ebenso wie der Möglichkeiten werden. Ein lebendiger, witziger und einfühlsamer Roman, der mit feinem Gespür von Toleranz, Freundschaft und dem Erlernen des Zusammenlebens erzählt."

Die Mitglieder beider Jurys finden sich: hier

Gaëlle Duhazé, Massuda Kassem, Cornelia Franz und Hervé Giraud (v.l.)
Gaëlle Duhazé, Massuda Kassem, Cornelia Franz und Hervé Giraud (v.l.)

Preis der Jugendjury

Zum dritten Mal wurde auch der Preis der Jugendjury verliehen. Der Preis der Jugendjury wurde gemeinsam durch Kinder aus Deutschland und Frankreich ermittelt. Er geht an Massuda Kassem und Melanie Garanin für "Chicken Survivor" (Klett Kinderbuch) sowie an Delphine Roux und Gaëlle Duhazé für "L’échappée belle de Marta" (HONGFEI).

Cover der von der Jugendjury ausgezeichneten Bücher

Zum Preis:

Der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis ist ein gemeinsamer Preis zwischen Deutschland und Frankreich. Er will die zeitgenössische Jugendliteratur beider Länder bekannter machen und den literarischen Dialog fördern. Durch die Auszeichnung sollen deutsche und französische Verlage auf herausragende Kinder- und Jugendbücher von Autor:innen des Nachbarlandes aufmerksam werden, die noch nicht in die deutsche oder französische Sprache übersetzt sind.

Der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis ist ein Kooperationsprojekt der Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit und der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse Saarbrücken e.V.

Ein Gruppenbild mit den Nominierten und Preisträger:innen

Und schließlich noch ein Gruppenbild mit den Nominierten und Preisträger:innen