Großer Preis des Deutschen Literaturfonds

Felicitas Hoppe ist erste Preisträgerin

29. Juli 2020
von Börsenblatt

Der Große Preis des Deutschen Literaturfonds wird dieses Jahr zum ersten Mal vergeben. Preisträgerin ist Felicitas Hoppe. Außerdem wurde der Kranichsteiner Literaturförderpreis vergeben.

Felicitas Hoppe

Der Große Preis des Deutschen Literaturfonds ist mit 50.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben. Er reiht sich damit in die höchstdotierten Literaturpreise Deutschlands ein. Am 7. Oktober, zum 40. Jubiläum des Deutschen Literaturfonds, findet die Preisverleihung statt. Felicitas Hoppe wurde aus dem Kreis der bisher durch den Deutschen Literaturfonds geförderten Stipendiaten und Stipendiatinnen ausgewählt.

Zur Begründung der Jury

Weitgereist teilt die Autorin ihren neugierigen Blick, aufgeschlossen begegnet sie der Welt und der Literatur. Felicitas Hoppe stellt Fragen an Sein und Wirklichkeit und lässt uns über den Horizont unserer alltäglichen Wahrnehmung hinausblicken. Ihrer Leserschaft wie auch ihren Zuhörerinnen und Zuhörern gibt sie immer wieder neue Schlüssel zum Verständnis in die Hand, wenn sie so klug wie amüsant über ihre eigenen wie die Werke anderer Auskunft gibt. Ihr Erfindungsreichtum, ihre bildreiche Sprache, ihre Freude am Spiel wurden schon oft gerühmt – so erhielt Felicitas Hoppe den Georg-Büchner-Preis im Jahr 2012.
Aufgrund der Vielfalt ihres Werkes, der wachen Wahrnehmung der Autorin, der funkensprühenden Vielschichtigkeit ihres Schreibens spricht die Jury Felicitas Hoppe den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds zu.
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Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe wurde 1960 geboren und studierte unter anderem Literaturwissenschaft, Rhetorik und Religionswissenschaft. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und des PEN-Zentrums Deutschland. 2012 wurde sie mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Sie ist außerdem Preisträgerin zahlreicher weiterer Auszeichnungen, Stipendien und Gastdozenturen.

Der Große Preis des Deutschen Literaturfonds wurde anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Deutschen Literaturfonds ins Leben gerufen. Es ist der Nachfolgerpreis des Kranichsteiner Literaturpreises, der zwischen 1983 und 2019 in Darmstadt verliehen worden ist. Er war mit 30.000 Euro dotiert. Für den Vorstand soll er „Signal für die umfassende Förderung der anspruchsvollen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“ sein. „Überregional, marktunabhängig und jenseits politischer Vorgaben“, so der Vorstand weiter.

Kranichsteiner Literaturförderpreis geht an Christian Schulteisz

Der Kranichsteiner Literaturförderpreis geht in diesem Jahr an Christian Schulteisz. Er wird seit 2003 jährlich an eine Autorin oder einen Autor unter 35 Jahren mit mindestens einer Buchveröffentlichung vergeben und ist mit 5.000 dotiert.

Zur Begründung der Jury:

Christian Schulteisz entwirft in seinem eindrucksvollen Debüt-Roman ein Porträt des (erst posthum entdeckten) Schriftstellers und ‚Universaldilettanten‘, des ekstatischen Wanderers Hans Jürgen von der Wense. … Christian Schulteisz versetzt sich in seine Figur, in jenen Wense, der angelehnt an die historische Person des Dichters, aber nicht autobiographisch verbürgt ist. Er schreibt eindrucksvoll von dessen Verbindung zur Natur, vom entschiedenen Staunen und Wahrnehmen.
Der Autor biedert sich dabei seinem Protagonisten nicht an, er fordert keine Sympathie von uns, stattdessen sollen wir staunen über einen Mann, der sich leidenschaftlich in Gedanken und in Büchern verliert und sich in der Kriegszeit anpasst, damit er unangepasst bleiben kann.

Die New York- und London-Stipendien werden in diesem Jahr aufgrund der Einreisebeschränkungen nicht vergeben, ebenso entfällt die öffentliche Wettbewerbslesung der Nominierten an einem Darmstädter Gymnasium, die mit dem Kranichsteiner Literaturförderpreis einhergeht.