In ihrer Begründung hebt die Jury hervor, dass Geipel am Beispiel Buchenwalds untersucht, wie sich politische Deutungen über die Geschichte des Konzentrationslagers gelegt haben. Im Zentrum steht das antifaschistische Gründungsnarrativ der DDR und die Frage, wie widersprüchliche Erfahrungen in eine politisch nutzbare Geschichte überführt wurden.
Geipel zeigt, wie sich das Bild des Widerstands verfestigte und andere Opfergeschichten sowie unbequeme Zeugnisse darin ihren Platz verloren. Auch westdeutsche und gegenwärtige Formen des Gedenkens nimmt sie in den Blick. Archive, Dokumente und Biografien machen laut Jury jene Brüche sichtbar, die politische Erinnerungserzählungen geschlossen erscheinen lassen.
Die Untersuchung reiche unmittelbar in die Gegenwart hinein, so die Jury. Historische Deutungen wirkten in politische Sprache und gesellschaftliche Selbstbilder hinein. Geipel zeige, wie lange Diktaturerfahrungen und staatlich gelenkte Formen des Erinnerns nachwirkten und von autoritären und nationalistischen Kräften für ihre Geschichts- und Gesellschaftsbilder genutzt würden.
"Für diese Verbindung von historischer Genauigkeit, geistiger Unabhängigkeit und verantwortlichem Urteil wird Ines Geipel für 'Landschaft ohne Zeugen' mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet", heißt es in der Jurybegründung.
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