Schwedische Akademie verkündet

Louise Glück erhält Literaturnobelpreis

8. Februar 2020
von Börsenblatt

Die amerikanische Lyrikerin Louise Glück erhält den Literaturnobelpreis 2020. Das hat der ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Mats Malm, heute Mittag mitgeteilt.

Louise Glück

Augezeichnet werde sie "für ihre unverwechselbare poetische Stimme, die mit strenger Schönheit die Existenz des einzelnen Menschen universell macht", sagte der ständige Sekretär der Schwedischen Akademie zur Begründung. Er habe am frühen Morgen (US-Zeit) mit Glück gesprochen, die überrascht, aber auch erfreut gewesen sei. Im Saal befanden sich zur Verkündung um 13 Uhr coronabedingt nur wenige Journalisten, die mit großem Abstand verteilt waren.

Die Lyrikerin und Essayistin Louise Elizabeth Glück wurde am 22. April 1943 in New York geboren. Sie hat unter anderem zwölf Gedichtsammlungen veröffentlicht, die einen starken autobiografischen Bezug haben, sich mit den Herausforderungen des Familienlebens und des Älterwerdens befassen – aber auch Motive der klassischen Mythologie aufgreifen. Glück lebt in Cambridge, Massachusetts. Neben ihrer Arbeit als Schriftstellerin ist sie Professorin für Englisch an der Yale University, New Haven, Connecticut.

Für ihre Gedichtsammlung "The Wild Iris" erhielt sie 1993 einen Pulitzer-Preis. Im Turnus 2003–2004 war sie "United States’ poet laureate" (Dichterin der Vereinigten Staaten). Und 2014 wurde sie für "Faithful and Virtuous Night" mit einem National Book Award in der Kategorie Lyrik ausgezeichnet – um nur einige ihrer vielen weiteren Auszeichnungen zu nennen..

Bibliografie

Auf Deutsch ist derzeit kein Titel der Preisträgerin lieferbar. Zuletzt erschienen im Luchterhand Literaturverlag die Gedichtbände "Averno" (2007) und "Wilde Iris" (2008) - ein Band, den Anders Olsson, der Vorsitzende des Preiskomitees, in seiner Ansprache eigens erwähnt hat. Beiträge von Louise Glück sind zudem in zwei Ausgaben der Literaturzeitschrift "Sinn und Form" erschienen, die noch lieferbar sind (Ausgabe 2/2017 und Ausgabe 6/2019).

Im englischen Original sind (laut Wikipedia) folgende Titel erschienen:

  • Firstborn. The Ecco Press, New York 1968.
  • The House on Marshland. The Ecco Press, New York 1975.
  • Descending Figure. The Ecco Press, New York 1980.
  • The Triumph of Achilles. The Ecco Press, New York 1985.
  • Ararat. The Ecco Press, New York 1990.
  • The Wild Iris. The Ecco Press, New York 1992.
  • Proofs and Theories: Essays on Poetry. The Ecco Press, New York 1994.
  • The First Four Books of Poems. The Ecco Press, New York 1995.
  • Meadowlands. The Ecco Press, New York 1996.
  • Vita Nova. The Ecco Press, New York 1999.
  • The Seven Ages. The Ecco Press, New York 2001.
  • Averno. Farrar, Straus and Giroux, New York 2006.
  • A Village Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2009.
  • Poems: 1962–2012. Farrar, Straus and Giroux, New York 2013.
  • Faithful and Virtuous Night. Farrar, Straus and Giroux, New York 2014.
  • American Originality: Essays on Poetry. Macmillan, New York 2017.

"An Louise Glück hat keiner bei uns gedacht"

Auch bei Luchterhand in München war man "überrascht" über die Literaturnobelpreisträgerin, sagt Presseleiter Karsten Rösel gegenüber Börsenblatt online: "An Louise Glück hat keiner bei uns gedacht". Wenn es um Autoren aus dem Verlag gegangen wäre, hätte man eher auf die auch bei Buchmachern hoch gehandelte Maryse Condé oder Karl Ove Knausgård getippt. Gefeiert habe man noch nicht, da viele Kolleg*innen im Home-Office seien – und das Telefon seit heute Mittag nicht mehr stillstand (ganz zu Schweigen von den E-Mails).

Einen kleinen Haken gibt es dabei: Für die beiden genannten Gedichtbände "Averno" (2007) und "Wilde Iris" (2008) sind die Rechte inzwischen ausgelaufen, so Rösel, aber man sei bereits in Verhandlungen mit Wylie Agency über die Neuvergabe. Rösel klingt sicher, dass dies schnell gelingen kann (vielleicht sogar heute noch), zumal die beiden Bände auf Deutsch bei Luchterhand erschienen sind. Danach könnte es schnell gehen: "Die Druckunterlagen sind noch da", so Rösel, man müsse nur einen Slot bei der Druckerei finden. In den Bänden stand jeweils auf einer Seite der Originnaltext, auf der gegenüberliegenden Seite die Übersetzung von Ulrike Draesner.

Ob man weitere Titel ins Deutsche übersetzen werde, kann er noch nicht sagen, das würde vom Umfang der möglichen Rechte abhängen – ob es dabei um ein Gesamtpaket geht. Wenn die Titel adenn wieder lieferbar seien, werde die Freude groß sein im Verlag.

Der Preis und seine Statistik

Die geehrte Autorin oder Autor erhält den Preis (10 Millionen SEK im Jahr 2020, umgerechnet rund 958.000 Euro) normalerweise am 10. Dezember – dem Nobeltag – aus den Händen des schwedischen Königs im Stockholmer Konzertsaal. Wegen der COVID-19-Pandemie wird diese traditionelle Preisverleihung in diesem Jahr jedoch abgesagt, wie die Schwedische Akademie informiert. Stattdessen soll es in diesem Jahr laut Mats Malm eine digitale Veranstaltung (mit Lecture) in Zusammenarbeit mit der Yale University geben. Im kommenden Jahr soll dann die Preiszeremonie in Stockholm nachgeholt werden.

113 Literaturnobelpreise wurden seit 1901 vergeben

4 Preise wurden auf zwei Personen aufgeteilt. Damit wurden bisher insgeamt 117 Personen ausgezeichnet

30 der Preisträger schrieben in Englisch, 15 auf Französisch und 14 auf Deutsch - das sind die Top 3

16 Frauen wurden bisher mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet

41 Jahre alt war der bislang jüngste Empfänger des Literauturnobelpreises: Rudyard Kipling, Autor des "Dschungelbuchs", der 1907 geehrt wurde.

88 Jahre alt war Doris Lessing als sie den Preis 2007 erhielt. Sie war damit die bislang älteste Empfängerin.