Auszeichnung

Verlegerin Dorothee Hess-Maier zur Ehrenbürgerin von Ravensburg ernannt

6. Februar 2026
Redaktion Börsenblatt

Die Stadt Ravensburg hat die ehemalige Vorstandssprecherin der Ravensburger Gruppe, Dorothee Hess-Maier, zur Ehrenbürgerin ernannt. Eine sehr selten verliehe Auszeichnung, die damit erstmals an eine Frau ging.

"Klug, klar, cool"

Die Auszeichnung wurde nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderats vergeben, so die Presseinformation. Oberbürgermeister Daniel Rapp ehrte die 89-jährige Dorothee Hess-Maier am 3. Februar in einer Feier als bedeutende Arbeitgeberin, die "unternehmerische Verantwortung und regionale Verwurzelung konsequent zu verbinden wusste und eine herausragende Förderin der lokalen Wirtschaft war." Ebenso würdigte er Hess-Maiers Verdienste um die deutsche Kultur- und Verlagslandschaft.

In seiner Rede schilderte Rapp die Verlegerin als beeindruckende Persönlichkeit, die er in nur drei Worten auf den Punkt brachte: "klug, klar, cool". Als "richtungsweisenden Kompass" bezeichnete sie in seinem Grußwort Clemens Maier, der Vorstandsvorsitzende der Ravensburger Gruppe und zugleich ihr Neffe zweiten Grades. Die Managerin habe mit ausformulierten Unternehmensgrundsätzen, gelebten Werten und ihrem Stil der "selbstbewussten Bescheidenheit" dem Unternehmen für Jahrzehnte Orientierung gegeben, die bis heute anhalte.

Stehende Ovationen gab es für die Verlegerin, die sich über die Ehrenbürgerwürde freute: "Damit habe ich absolut nicht gerechnet. Ich war daher überrascht, als mir die Entscheidung mitgeteilt wurde. Ich danke dem Gemeinderat und Oberbürgermeister Dr. Rapp für diese besondere Ehrung."

Stationen einer ungewöhnlichen Karriere

Nach Wanderjahren und Studium der Kunstgeschichte trat Dorothee Hess-Maier 1959 in den Otto Maier Verlag ein – das Familienunternehmen, aus dem später die Ravensburger Gruppe wurde. Sie lernte das Geschäft von der Pike auf: Ausbildung zur Verlagsbuchhändlerin, dann die Führung verschiedener Verlagsbereiche, schließlich Aufstieg in die Geschäftsführung des Ravensburger Buchverlags, den sie bis 1988 leitete. Anschließend wurde Hess-Maier in den Vorstand der Ravensburger Gruppe berufen und war zuletzt Vorstandssprecherin.

Im Jahr 2000 zog sie sich nach 41 Berufsjahren aus dem operativen Geschäft zurück. Sie wurde Mitglied im Aufsichtsrat und übernahm dort später den stellvertretenden Vorsitz bis 2015.

Bezeichnend für die Verlegerin sei ihr starkes Engagement für die Förderung von Bildung, Kultur und Gemeinsamkeit. Im Unternehmen vertrat sie eine pädagogisch wertvolle "geschmacksbildende" Programmlinie. Kinder und Jugendliche sollten in ihrer Entwicklung gefördert und Familien sinnvolle Beschäftigung geboten werden. Zudem prägte sie als Managerin früh die Unternehmenskultur von Ravensburger, indem sie die Unternehmensgrundsätze und den gesellschaftlichen Auftrag des Unternehmens formulierte.

Auch außerhalb des Unternehmens habe sie sich mit aller Kraft engagiert: Über zwei Jahrzehnte führte sie die gemeinnützige Stiftung Ravensburger Verlag – als Stiftungsratsvorsitzende und zeitweise auch als Vorstand. Die Stiftung wurde von der Ravensburger AG und deren Gesellschaftern errichtet und fördert Kultur-, Familien- und Bildungsprojekte.

Vorsteherin des Börsenvereins

Mehrere Ehrenämter in Buchbranche und Bildungswesen kamen hinzu – "nicht, weil ich mich danach gedrängt hätte", wie Hess-Maier betont. So wählte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, eine Berufsorganisation deutscher Verleger und Buchhändler, sie als erste Frau an seine Spitze (Vorsteherin von 1989–1992). Es war eine herausfordernde Aufgabe neben dem anstrengenden Tagesgeschäft im Unternehmen.

Für ihr vielfältiges Engagement erhielt die Verlegerin bundesweit, landesweit und in ihrer Heimat in Ravensburg und Weingarten zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. Die Ehrenbürgerwürde krönt nun ihr außergewöhnliches Lebenswerk, schließt die Mitteilung.