Ullstein
Ullstein baut seine Programmstruktur aus und gründet unter der Leitung von Margit Schulze einen neuen Verlagsbereich, der sich gezielt an digitale und plattformaffine Leser:innen richtet. Populäre Belletristik – von Romance über Romantasy bis hin zu Genres, die stark in Communities wachsen – soll zur festen Programmsäule werden. Zum neuen Bereich gehören die bestehenden Label "Forever", "Forever Digital" und "Ullstein Jugendbuch". Für das Frühjahr 2027 kündigt Ullstein ein neues Imprint an.
Das neue Lektoratsteam erweitert die bisherigen Belletristik- und Sachbuchabteilungen, die weiterhin unter der Leitung von Diana Stübs und Ricarda Saul stehen.
Der verlegerische Geschäftsführer Karsten Kredel betont, dass "neue Leser:innen anders lesen" und anders erreicht werden wollen. Programmleiterin Schulze verweist auf erfolgreiche Erfahrungen mit dem Label "Forever" und dem Launch von "UJU" und möchte Programme entwickeln, mit denen sich Autor:innen und Communities identifizieren können.
Frankfurter Buchmesse
Die Frankfurter Buchmesse bekommt einen neuen Chef: Joachim Kaufmann, langjähriger Geschäftsführer des Carlsen Verlags und international erfahrener Bonnier-Manager, übernimmt im Herbst 2026 die Leitung der Messe. Er folgt auf Juergen Boos, der das Haus über 20 Jahre geprägt hat und nach der Messe 2026 in den Ruhestand geht. Kaufmann bringt breite Verlagserfahrung, internationale Netzwerke und Marktwissen mit – Qualifikationen, auf die die Gesellschafter großen Wert legen. Sie erwarten von ihm, die Messe sowohl traditionell stark zu halten als auch neue Impulse zu setzen.
Zu den zentralen Aufgaben der kommenden Jahre gehört die Neuaufstellung der Messe zwischen Publikums- und Fachveranstaltung. Die Buchmesse will beides bieten – und das künftig räumlich klarer trennen:
• Publikumsthemen sollen im Erdgeschoss rund um die Agora verankert werden.
• Die Fachmesse soll in die oberen Etagen wandern.
Der Umbau ist strukturell nötig – und gilt gleichzeitig als schwierig. Der Spagat dürfte mit hörbarem Knirschen verbunden sein, da auf die Aussteller neue Bedingungen und Strukturen zukommen. Die Messe hat seit Corona außerdem mit einem Rückgang der Ausstellerzahlen zu kämpfen – es steht einiges auf dem Spiel. Kaufmann übernimmt also ein Haus im Umbruch.
Bookframe
Mit "Bookframe" startet am 19. März ein neues Printmagazin, das sich vollständig der Genre-Literatur widmet – von Fantasy über Romance bis Young Adult und New Adult. Parallel zur ersten Ausgabe ist die Website bereits online gegangen.
Hinter dem Magazin steht ein Team um Herausgeberin Nina Scherstjanoi, die betont, dass es bisher kaum journalistisch arbeitende Formate gebe, die Genre-Literatur ernsthaft und unabhängig beleuchten. Genau hier setzt "Bookframe" an: mit Porträts, Interviews, Analysen, Blicken hinter die Kulissen und Themen, die über reine Produktempfehlungen hinausgehen.
Produziert wird das Magazin im DuMont-Verlag, redaktionell arbeitet jedoch ein unabhängiges Team. "Bookframe" soll sowohl Leser:innen als auch Branchenleute ansprechen, die sich im stark wachsenden Genre-Segment orientieren wollen. Der Fokus liegt auf sorgfältig recherchierten Inhalten statt auf Influencer- oder Marketing-Mechaniken, die in diesem Feld oft dominieren.
Verlage
Bertelsmann hat eine weitere Benchmark-Anleihe über 1 Milliarde Euro erfolgreich am Kapitalmarkt platziert. Die Anleihe läuft zehn Jahre und wurde mit einem Zinssatz von 3,75 Prozent ausgestattet. Damit stärkt Bertelsmann seine langfristige Finanzierung und setzt die bereits im Dezember 2025 begonnene Serie von Benchmark-Anleihen fort.
Der Thieme Verlag übernimmt das Hamburger EdTech-Startup "Vireed", das sich auf virtuelle Trainings und Simulationen für medizinische Ausbildungs- und Gesundheitseinrichtungen spezialisiert hat. "Vireed" entwickelt VR-basierte Lernumgebungen, in denen medizinische Abläufe realitätsnah geübt werden können. Mit der Übernahme will Thieme sein digitales Bildungsportfolio stärken und innovative Lernformate weiter ausbauen.
Der Leipziger Militzke Verlag hat beim Amtsgericht Leipzig Insolvenz beantragt. Wie der Verlag mitteilt, führten anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten zu diesem Schritt. Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter. Ein Insolvenzverwalter soll nun prüfen, ob eine Fortführung oder ein Verkauf möglich ist. Der Verlag wurde 1990 gegründet und ist insbesondere für seine Titel aus Psychologie, Pädagogik und Sozialwissenschaften bekannt.
Ravensburger hat 2025 im Kerngeschäft deutlich zugelegt: Die Bereiche Spiele, Bücher und Puzzles wuchsen um 3,1 Prozent auf 491,9 Millionen Euro, während der Konzernumsatz insgesamt aufgrund des Verkaufs der US-Tochter "MindWare" auf 543,1 Millionen Euro sank. Gleichzeitig baut das Unternehmen seine internationale Verlagsstrategie aus und steigt als Minderheitsgesellschafter beim Schweizer NordSüd Verlag ein. NordSüd bleibt unabhängig, erhält durch die Kooperation jedoch Zugang zu Vertrieb und internationalen Lizenzen. Ravensburger will damit sein Bilderbuchportfolio stärken, während NordSüd von einer breiteren Markterschließung profitiert.
Buchhandel
In Husum hat Nils Schlüter die traditionsreiche Schauermann’sche Buchhandlung von seiner Mutter Carmen Schlüter übernommen. Die Familienbuchhandlung besteht seit 1946, seit 1972 führt die Familie Schlüter das Geschäft. Nils Schlüter, der zuvor mehrere Jahre außerhalb des Buchhandels tätig war, kehrt damit in den Betrieb zurück und will das Sortiment modernisieren, zugleich aber die regionale Ausrichtung und den persönlichen Charakter der Buchhandlung beibehalten. Seine Mutter bleibt dem Haus weiterhin unterstützend verbunden.
In Fellbach wurde die Buchhandlung "Bücher-Lack" nach 39 Jahren von Gründerin Gudrun Lack an Sebastian Rothfuss übergeben. Rothfuss arbeitet seit zwei Jahren im Laden und übernimmt die Buchhandlung komplett als GmbH, inklusive Team und Namen. Er ist gelernter Buchhändler, studierte Buchwissenschaft und war unter anderem bei Weltbild sowie zehn Jahre bei Penguin Random House tätig – in der Presseabteilung und später in der Betreuung der Benevento-Verlage. Gudrun Lack geht schrittweise in den Ruhestand. Die Buchhandlung – die letzte in Fellbach – führt ein breites Sortiment. Rothfuss plant behutsame Modernisierungen und eigene Akzente.
"Achtung, Diebe!": In Nordrhein-Westfalen kommt es derzeit zu einer Serie von Tonies-Diebstählen. In der Buchhandlung "Bouya" in Köln-Zündorf wurden am 23. Januar 25 Figuren gestohlen – trotz Sicherung. Inhaberin Monika Bouya berichtet von einem englisch sprechenden Paar um die 30, das schnell flüchtete. Über den eBuch-Verteiler meldeten sich weitere betroffene Geschäfte, darunter die Buchhandlung "Kunterbunt" in Rheinbach. Eine Kinderbuchhandlung in Ratingen verlor bereits am 19. Januar rund 130 Tonies auf einmal. Die Polizei ermittelt und bittet um Hinweise.
Börsenverein
Vom 3. bis 10. Mai findet die "Woche der Meinungsfreiheit 2026" statt, initiiert vom Börsenverein. Das Motto lautet "Was ist wahr?". Die Eröffnung in der Frankfurter Paulskirche gestalten unter anderem Robert Habeck, Christian Berkel und Michel Friedman. Buchhandlungen, Verlage und Bibliotheken sind erneut aufgerufen, sich mit eigenen Aktionen zu beteiligen; Materialien werden automatisch bereitgestellt.
Literaturpreise
Die "ZEIT" richtet ab 2026 einen neuen Kinder- und Jugendbuchpreis aus. Ausgezeichnet werden herausragende Belletristik- und Sachbücher für junge Leser:innen. Eine Jury aus Literaturkritiker:innen und Expert:innen soll die Preisträger:innen auswählen. Angaben zu Preisgeld, Einreichfristen oder weiteren Modalitäten wurden bislang nicht veröffentlicht.
Nadja Küchenmeister erhält den "Peter-Huchel-Preis 2026" für ihren Gedichtband "Der Große Wagen" (Schöffling). Die Jury würdigt das Langgedicht als herausragende lyrische Neuerscheinung des Jahres 2025 und hebt dessen präzise, eindringliche Gefühlsstudien hervor. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird am 10. April in Staufen verliehen.
Und sonst?
Die "London Book Fair" zieht 2027 vom bisherigen Standort Olympia London ins ExCeL Exhibition Centre um. Die Messeleitung begründet den Wechsel mit besseren logistischen Bedingungen, moderner Infrastruktur und deutlich mehr Fläche für Aussteller und Veranstaltungen. 2026 findet die Messe noch einmal im Olympia statt. Mit dem Umzug reagiert die Messe auf das anhaltende Wachstum des internationalen Fachpublikums.
Kurz notiert
Der Fachbereich 5 der Mainzer Universität startet vom 7. bis 11. September ein neues Intensivseminar für Verlagsnachwuchs. Das kostenlose Programm richtet sich an Studierende und Berufseinsteiger:innen und vermittelt Grundlagen zu Lektorat, Herstellung, Marketing, Vertrieb und Rechten. Bewerbungen sind bis 31. Mai möglich.
Vom 7. bis 15. März findet im "Forum der Zukunft" beim Deutschen Museum und an weiteren Veranstaltungsorten die "Münchner Bücherschau junior" statt. Das Programm wurde gerade veröffentlicht.
Der "Dietrich-Oppenberg-Medienpreis": Die Stiftung Lesen schreibt erneut den Preis für herausragenden Journalismus über Leseförderung aus. Beiträge aus Print, Online, Radio und TV können eingereicht werden.
• "Tractatus": Der Essay-Preis des Philosophicums Lech sucht herausragende philosophische Sachbücher.
• "Deutscher Preis für Nature Writing": Eingereicht werden können literarische Texte über Naturerfahrungen. Dotierung: 10.000 Euro.
• "Studiosus-Reiseberichtswettbewerb": Gesucht werden literarische Reiseberichte von Autorinnen. Einsendeschluss ist der 15. April.
• "Uwe-Johnson-Preis": Ausgeschrieben für romanhafte Prosa, die an Uwe Johnsons Werk anknüpft oder es weiterdenkt. Hauptpreis: 20.000 Euro, Förderpreis: 5.000 Euro, Einsendeschluss 31. März.