Der Verlag betont, dass Chomsky unter diesen Umständen "nicht mehr als Autor tragbar sei". Als linker Verlag, der sich gegen patriarchale Gewalt positioniere, wolle man "Täter und ihre Unterstützer*innen weder schützen, noch ihnen eine Plattform oder ein Einkommen bieten". Die Solidarität gelte den Betroffenen patriarchaler Gewalt.
Unrast ist nicht der einzige Verlag in Deutschland, der Schriften des bekannten Intellektuellen und Linguisten aus den USA im Programm hat. Chomsky ist 96 Jahre alt, er lebt heute in Brasilien. Seit einem Schlaganfall im Jahr 2023 ist Chomsyk nicht mehr öffentlich aufgetreten.
Update, 2. März: Auf Anfrage teilt der Verlag mit, dass die Restbestände der Titel sowohl im Verlag wie auch in der Auslieferung makuliert, aber die Bestände im Buch- und Großhandel nicht zurückgerufen wurden. Im VLB wurden die Titel archiviert. Und: "Die Rechte werden in Kürze an die Ursprungsverlage zurückgegeben."
welches Buch meint Ihr im Verweis auf C.H.Beck? Unseres Wissens gab es vor 20 Jahren nur einmal ein Buch *über* Chomsky bei uns.
Mit besten Grüßen
Jonathan Beckl
vielen Dank für den Hinweis. Sie haben recht. Wir haben die Passage korrigiert, die Verlagsnamen herausgenommen. Beste Grüße, Matthias Glatthor, Redaktion Börsenblatt
Man kann auch den Vertrieb des Titels einstellen, wenn die Absatzzahlen eine Grenze unterschreiten. Die sollte im Verlagsvertrag vereinbart sein. Die Rechtsprechung hat dafür aber vermutlich auch übliche Grenzen herausgearbeitet, nach denen der weitere Vertrieb wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist.
Wenn man mehrere Titel mit der genannten Begründung aus dem Programm nimmt, dann muss man das aber sicher anders begründen. Dann müsste man nachweisen, dass das Verhalten des Autors schwer geschäftsschädigend ist und ein weiterer Vertrieb deshalb unzumutbar. Damit könnte man eine außerordentliche Vertragskündigung begründen und den Weg zu Schadensersatzdiskussionen öffnen. Wenn das nicht gut begründet ist, riskiert man aber die Schadensersatzforderung des Autors. Die Begründung "nicht mehr tragbar" wird nicht ausreichen, da wird aber der Verlag schon eine ausführlichere an den Autort übermittelt haben.
Aber man kann auch angesichts der Dimension des Falls, der ja gar kein Fall ist, sondern einen gesellschaftlichen Zustand wiedergibt, sich auch der differenzierten Sicht verweigern. Ich habe Verständnis dafür, dass einen das inhumane, patriarchalische, ausbeuterische, gewalttätige und undemokratische Verhalten dieser Männer sprachlos macht und jeder Wille zur differenzierten Analyse verloren geht. Es ist einem Verlag mit dem engagierten Programm des Unrast Verlags wirklich unzumutbar, mit diesem Autor weiterzuarbeiten. Und wenn das Schadensersatz kosten sollte, dann ist das sicher das kleinere Übel.
Wie wir in der Zukunft mit dem Werk Chomskys umgehen, das ist eine Frage, die wir bei Künstllern, Schriftstellern, Musikern, Komponisten, Ärzten etc. in den letzten 80 Jahren schon oft diskutiert haben. Packen wir diese Männer mit auf die Liste, da sind sie in passender Gesellschaft.