In einer Erklärung führt die Beltz Verlagsgruppe aus:
"Durch das neue Gesetz steht die Psychotherapie in Deutschland nicht nur vor einer Herausforderung, die es zu meistern gilt. Nein, der Wert psychotherapeutischer Versorgung psychisch erkrankter Menschen wird als Ganzes infrage gestellt.
Zusätzlich zu den durch den Erweiterten Bewertungsausschuss beschlossenen, derzeit vorläufig gerichtlich ausgesetzten Kürzungen der Honorare für Psychotherapeut:innen droht durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz eine erneute Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen.
Gleichzeitig entfallen Vergütungszuschläge und bisherige gesetzliche Schutzmechanismen für eine angemessene psychotherapeutische Honorierung. In ihrer Summe drohen diese Eingriffe die ambulante Versorgung erheblich zu schwächen. Sie werden einen Dominoeffekt auslösen, dessen Auswirkungen nicht auf die Patient:innen-Versorgung beschränkt bleiben, sondern sich durch die gesamte Gesellschaft ziehen.
1. Die Existenzen zahlloser psychotherapeutischer Praxen stehen auf dem Spiel. Die effektive Kürzung der Verdienstmöglichkeiten und damit Behandlungskapazitäten von Psychotherapeut:innen durch die Budgetierung stellt Praxen zugespitzt vor die Wahl: Aufhören oder Privatpraxis?
2. Psychotherapie wird zum Nebenjob. Wenn unsicher ist, ob die erbrachte Arbeit vergütet wird, reicht eine Praxis, die sich ausschließlich an Kassenpatient:innen richtet, nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Bedenkt man die ohnehin schon prekären Bedingungen während der psychotherapeutischen Aus- und Weiterbildung wird das Berufsbild für den Nachwuchs so zunehmend unattraktiv.
3. Psychotherapie wird zum Luxusgut. Wenn mehr Praxen auf selbstzahlende Patient:innen angewiesen sind, wird Psychotherapie nur noch für ausgewählte Bevölkerungsgruppen erschwinglich.
4. Noch längere Wartezeiten. Zwischen Anfrage und Therapiebeginn liegen jetzt schon im Schnitt ca. 20 Wochen (Quelle: Universitätsmedizin Johannes Gutenberg Universität Mainz). Bei weniger Patient:innen pro Psychotherapeut:in wird sich die Situation noch weiter verschärfen. Schon jetzt können nicht alle Hilfebedürftigen angemessen versorgt werden.
5. Der steigenden Prävalenz psychischer Erkrankungen (Quelle: RKI) stehen deutlich reduzierte Behandlungskapazitäten gegenüber. Eine verzögerte oder ausbleibende Behandlung erhöht das Risiko, dass psychische Erkrankungen sich verfestigen, wiederkehren oder chronisch werden.
6. Besonders hart trifft es Kinder und Jugendliche. Menschen zwischen 10 und 19 Jahren warten bereits jetzt im Schnitt 32,5 Wochen auf einen Therapieplatz (Quelle: Monitor Bildung und Psychische Gesundheit). Dabei sind psychische Erkrankungen der häufigste Grund für eine stationäre Aufnahme von Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren (Quelle: Statistisches Bundesamt).
7. Menschen werden häufiger krankgeschrieben. Die Bundesregierung sieht mit Sorge auf den Krankenstand in Deutschland, das hat Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich gemacht. Um zu erahnen, welchen Effekt dieses Gesetz haben wird, muss man weder Medizin noch Psychologie oder Psychotherapie studiert haben. Weniger Behandlungsmöglichkeiten heißt mehr Krankmeldungen. Laut DAK-Gesundheitsreport haben psychische Erkrankungen im ersten Halbjahr 2026 Atemwegserkrankungen als Hauptursache für Fehltage abgelöst (Quelle: DAK).
Die Beltz Verlagsgruppe will dieser bedenklichen Entwicklung nicht kommentarlos zusehen. Sie stellt sich klar hinter die Psychotherapie als Berufsdisziplin und hinter Psychotherapeut:innen im Speziellen.“