Zum 60. Geburtstag von Jörg Bong

"Ein Homme de lettres im schönsten Sinne"

17. Februar 2026
Kerstin Gleba

Jörg Bong, der frühere Verleger im S. Fischer Verlag, feiert am 17. Februar seinen 60. Geburtstag. Unter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec schreibt er seit vielen Jahren erfolgreich Krimis, die in der Bretagne spielen. Ein Glückwunsch von Kerstin Gleba, seiner Verlegerin bei Kiepenheuer & Witsch.

Jörg Bong

Jörg Bong

Es gibt Menschen, bei denen man sich fragt, ob ihr Tag vielleicht mehr als vierundzwanzig Stunden hat. Oder ob sie heimlich über einen Zeitumkehrer verfügen, wie man ihn aus der phantastischen Literatur kennt. Jörg Bong ist so ein Mensch. Wenn wir bei Kiepenheuer & Witsch an ihn denken, sehen wir nicht nur einen Autor, wir sehen ein ganzes kreatives Kraftzentrum. Einen Homme de lettres, der das Kunststück vollbringt, in zwei völlig unterschiedlichen Welten nicht nur zu Hause zu sein, sondern sie zu prägen: die Welt der literarischen Spannung und die Welt des demokratischen Diskurses.

Vor über 15 Jahren begann das, was man heute wohl als "das Bannalec-Wunder" bezeichnen muss. Unter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec hat Jörg Bong mit seinen Dupin-Kriminalromanen eine Reihe erschaffen, die weit mehr ist als eine internationale Erfolgsgeschichte – sie ist eine Liebesgeschichte zwischen einem Autor, einer Landschaft und einem Millionenpublikum. Dass er dafür von der Region Bretagne offiziell den Titel "Mécène de Bretagne" verliehen bekam, die Stadt Concarneau ihn 2023 zu ihrem Ehrenbürger ernannte und die Académie littéraire de Bretagne ihn als Ehrenmitglied in ihre Reihen aufgenommen hat, spricht Bände.

Jörg Bong hat uns allen die Bretagne geschenkt.

Kerstin Gleba

Jörg Bong hat uns allen die Bretagne geschenkt. Wer seine Bücher aufschlägt, riecht förmlich den Atlantik, schmeckt die Salzkristalle auf der Haut und sieht das unvergleichliche Licht der Bretagne vor sich. Er hat Kommissar Dupin zu einem Freund gemacht, dessen Kaffeekonsum und Eigenarten uns so vertraut sind wie die unserer eigenen Nachbarn. Das Genre des Kriminalromans hat er dabei aufs Wunderbarste geweitet: Seine Bücher sind atmosphärische Gesamtkunstwerke, in denen Kulinarik, Kunstgeschichte und die raue Natur nicht als Staffage dienen, sondern die Seele der Erzählung bilden. Hier schreibt einer, der die Menschen und ihre Geschichte wirklich liebt.

Doch der Homme de lettres Jörg Bong ist nicht nur der Meister der Unterhaltung und der französischen Lebensart. In ihm brennt ein ebenso starkes Feuer für das ernste, das politische Wort. Es ist beeindruckend zu beobachten, mit welcher intellektuellen Leidenschaft er sich der Geschichte unserer Demokratie widmet. Mit seinem großen Werk "Die Flamme der Freiheit" hat er der Revolution von 1848/49 ein literarisches Denkmal gesetzt, das weit über die Fachwelt hinaus strahlt.

Hier schreibt kein trockener Historiker, hier schreibt ein leidenschaftlicher Demokrat, der die Dringlichkeit der Vergangenheit für unsere Gegenwart spürbar macht. Er erzählt Geschichte so lebendig und visuell, wie er seine Kriminalfälle inszeniert – als ein Drama menschlichen Mutes. Dass er als Herausgeber der mittlerweile 16-bändigen Edition Paulskirche zudem die Originaltexte der frühen Freiheitskämpferinnen und -kämpfer vor dem Vergessen bewahrt hat, ist eine verlegerische und staatsbürgerliche Großtat. Er erinnert uns daran, dass Freiheit kein Geschenk ist, sondern eine Errungenschaft, die jeden Tag neu erzählt und verteidigt werden muss

Vielleicht ist es seine eigene Vergangenheit als Verleger des S. Fischer Verlags, die die Zusammenarbeit mit ihm so besonders macht. Jörg Bong kennt die Mühen der Ebene, er weiß um die Zerbrechlichkeit von Manuskripten und die Komplexität des Marktes. Er ist ein Profi, der die Klaviatur des Literaturbetriebs beherrscht, und doch hat er sich die staunende Neugier bewahrt, ohne die keine Kunst entstehen kann.

Kiepenheuer & Witsch ist dankbar und stolz, die verlegerische Heimat für dieses so reiche, so vielseitige Werk zu sein. Wir gratulieren unserem Autor, der es vermag, uns in einem Moment mit einem Glas Rotwein an die Küste des Finistère zu entführen und uns im nächsten Moment mit flammendem Ernst auf die Barrikaden der Demokratie zu rufen.

Lieber Jörg, wir verneigen uns vor dieser Lebensleistung und freuen uns auf viele weitere gemeinsame Buchabenteuer. Im Namen des ganzen Verlages gratuliere ich Dir von Herzen!
Deine Kerstin