Petition gegen sprachlich überarbeitete Neuedition

"Hände weg von Donald Duck!"

20. Dezember 2021
von Börsenblatt

Susanne Luber hat eine Petition an Egmont Ehapa Media auf change.org gestartet, um die Sprache der klassischen Comics aus Entenhausen zu erhalten. Der Verlag wird in deutlichen Worten aufgefordert, die kongenialen deutschen Übersetzungen von Erika Fuchs nicht im Sinne aktueller political correctness zu modernisieren.

Manche Botschaft vermittelt sich auch ohne Worte. Ob die Entenhausen-Geschichten in der Übersetzung von Erika Fuchs überarbeitet werden müssen, scheidet die Geister

"Wer Donald Duck liebt, liebt auch Carl Barks und Erika Fuchs", so der erste Satz von Susanne Luber (Eutiner Landesbibliothek) in der Petition auf Change.org, die sich an Jörg Risken (Egmont Ehapa Media GmbH, Publishing Director Media) richtet. Gestartet wurde sie vor einem Monat. Der legendäre amerikanische Duck-Zeichner Carl Barks (1901–2000) und die kongeniale deutsche Übersetzerin Dr. Erika Fuchs (1906–2005) hätten vor 70 Jahren die Welt von Entenhausen geschaffen. Diese "guten alten" Comics würden nicht nur durch Zeichenstil und Erzählstruktur, sondern auch durch Texte von hoher sprachlicher Qualität aus der gängigen Comic-Landschaft herausragen, so die Petition weiter.

Weil sie sich so gut verkaufen, bringe der Egmont Ehapa Verlag (Egmont Ehapa Media) als Lizenznehmer von Disney immer neue Barks-Fuchs-Ausgaben auf den Markt: Das sei ein sicheres Geschäft, denn längst seien die Donald-Duck-Geschichten von Barks und Fuchs Klassiker geworden. Insbesondere im deutschen Sprachraum.

Weiter heißt es dann: "Und was passiert jetzt? Der Egmont Ehapa Verlag meint, diese klassische Comic-Literatur im Sinne aktueller political correctness modernisieren zu müssen. Die Geschichten von Carl Barks und die Texte von Erika Fuchs seien zum Teil nicht mehr zeitgemäß. (Natürlich sind sie das nicht, sie sind schließlich mehr als ein halbes Jahrhundert alt!) Einzelne Leser und Leserinnen könnten sich gekränkt fühlen, wenn sie sich in Figuren wiederfinden, die negativ dargestellt oder lächerlich gemacht werden. Bestimmte Wörter dürfe man heute überhaupt nicht mehr verwenden. Deshalb müssten die Comic-Erzählungen dem gegenwärtigen 'Zeitgeist' angepasst werden (was immer das ist). Ohne Bearbeitung könne man viele Geschichten von Barks mit den Texten von Fuchs heute gar nicht mehr abdrucken."

Daher würden seit 2021 die Donald-Duck-Geschichten von Carl Barks und die Übertragung von Erika Fuchs einer Radikalkur unterworfen. Das beginne mit der Umbenennung einer Randfigur namens "Fridolin Freudenfett" in "Fridolin Freundlich". (Adipöse könnten sich durch den Namen des vor Fett wie vor Lebensfreude strahlenden Schweins gekränkt fühlen.) Weiter würden Wörter wie "Indianer", "Zwerg", "Eingeborener" oder "Bleichgesicht" getilgt. Auch Religiöses dürfe nicht stehenbleiben. "Allah" etwa werde eliminiert, "Gott" komme nur noch in sinnentleerten Redewendungen vor.

Luber führt ein weiteres Beispiel an: Eine Äußerung von Dagobert Duck über die attraktive Zauberin Gundel Gaukeley, die ihn gerade raffiniert über den Tisch gezogen hat: "Na ja, Frauen ‒ zu kleines Gehirn!" Das sei frauenfeindlich, und Frauenfeindliches gehe heute nicht mehr. "Grundsätzlich richtig. Aber dass die Übersetzerin Erika Fuchs hier ironisch eine beschränkte männliche Sichtweise aufzeigt, was sogar Kinder verstehen, geht am Begriffsvermögen der Textreiniger offenbar vorbei." Ohne jedes Verständnis für Komik, Ironie und tiefere Bedeutung lege der Egmont Ehapa Verlag die Zensurschere an.

Um Missverständnisse zu vermeiden, betont Luber: "Es geht in dieser Petition nicht um politisch korrekte Sprache in aktuellen Texten, auch nicht um Gendersprache oder die Bemühung um nicht-diskriminierende Sprache. Die Diskussion um sexistische, rassistische und andere Stereotype in der Gegenwartssprache ist berechtigt und wichtig. Genauso wichtig ist es aber, zwischen Gegenwartssprache und literarischen Texten zu unterscheiden. Erika Fuchs’ Übertragungen der Duck-Geschichten sind literarische Texte von anerkannter Qualität. Sie dürfen nicht beliebig korrigiert, zensiert und gesäubert werden, auch nicht zugunsten aktueller politisch-gesellschaftlicher Korrektheit. Dagegen wehren wir uns. Jede 'Anpassung' eines in vergangener Zeit entstandenen Kunstwerks an einen modernen 'Zeitgeist' ist ein Unding!"

Wenn man alles Böse rausstreiche, bleibe nichts übrig als ein dürres, uninteressantes Handlungsgerippe. "Dagegen stehen wir auf, die Unterstützer dieser Online-Petition. Gegen die Verfälschung der klassischen Donald-Duck-Geschichten zugunsten politisch-gesellschaftlicher Korrektheit! Für den Erhalt der Comics von Carl Barks mit den Texten von Erika Fuchs!", so der abschließende Aufruf.

Die Petition "Hände weg von Donald Duck! Keine Zensur klassischer Comic-Geschichten!" haben am 20. Dezember (12.30 Uhr) bereits über 4.500 Personen unterzeichnet.

UPDATE vom 27. Dezember 2021: Auf Börsenblatt-Anfrage hat Egmont Ehapa Stellung zur Petition genommen: "Nicht alle älteren Comics sind uneingeschränkt zum Nachdruck geeignet" (boersenblatt.net)

Siehe dazu auch einen Lesetipp zu einem FAZ-Artikel auf Börsenblatt online: "Disney-Comics in der Zeitgeist-Mangel"