Mehr gegenseitige Unterstützung
Seit drei Monaten gibt es bei Katapult nur noch einen Rabatt: 50 Prozent für alle Buchhandlungen, ob groß oder klein. Wie das in der Branche ankommt? Benjamin Fredrich zieht eine erste Bilanz.
Benjamin Fredrich ist Gründer von Katapult.
in einer Branche welche auf veränderte Rahmenbedingungen seit Jahren stur mit "business as usual" reagiert sind Sie für mich als Buchhändler ein echter Lichtblick!
Meine Wahrnehmung ist, dass manche ihre Kollegen aus den Verlagen sich durchaus Gedanken zu der Entwicklung in der Branche machen (bspw. gab es einige Artikel auch hier zum Thema "Rabattschere"), praktisch umgesetzt wurde jedoch nichts davon. Es scheint, dass die großen Player bei den Verlagen so gute Konditionen abgreifen, dass kein Spielraum mehr bleibt, um den kleinen und mittleren Buchhandlungen entgegen zu kommen - eher im Gegenteil.
Da nützen weder Betriebsauswertungen des Börsenvereins, die die Problematik nur allzu deutlich aufzeigen, noch Buchhändler:innen, die mantramässig wiederholen, dass es wie bisher nicht mehr weitergeht und die kleinen und mittleren Buchhandlungen über kurz oder lang (ich vermute eher kurz) dann einfach weg sind.
Und nun mit Euch endlich ein Verlag der sich nicht nur "laut" Gedanken macht sondern wirklich (ich fasse es nicht) so richtig praktisch und sinnvoll einen mutigen Schritt wagt!
Man kann nur hoffen, dass andere Verlage sich von Euch eine Scheibe abschneiden.
Nun ja, die Hoffnung, sie stirbt bekanntlich zuletzt.
Herzlicher Gruß aus Köln
Jens Bartsch - Buchhandlung Goltsteinstraße
ich kann Ihnen nur zustimmen. Die spürbare Ignoranz der Verlage, bis auf wenige Ausnahmen, der augenscheinlich zu geringe Einsatz unseres Branchenverbandes für die Buchhandelssparte und auch der zu geringe „Kampf“ der Buchhandelssparte selbst für eine Rabattgerechtigkeit, führen immer schneller zu Schließungen aus existenziellen Gründen und einer ungewünschten Konzentration in unserer Buchbranche. Wenn sogar das Bundeskartellamt trotz Untersuchung nicht erkennt, dass wenn z. B. Thalia sich immer mehr Firmen einverleibt und das Bundeskartellamt zustimmt, eine derartige Marktmacht entsteht, dass die ungerechte Rabattspreizung nur noch größer wird. Was nutzt der Wille zur Breite und Vielfalt im Buchhandelsnetz, wenn durch diese Rabattspreizung immer weniger Buchhandlungen existieren können, frage ich hier alle Branchenteilnehmer?
Nun pfeift unser Teil der Branche (u.a. wegen oben) auf dem letzten Loch und eventuell verlieren wir mit dem Abgang des unabhängigen Buchhandels eine wichtige Säule in Sachen Buchpreisbindung. Wir stehen also am Scheideweg, ob unabhängiger Buchhandel eigentlich noch gewollt ist oder für eine gewisse Weile noch irgendwie funktionieren sollte - denn für Thalia oder Amazon dürfte inzwischen die Abschaffung so ganz langsam interessant werden…
Ich danke allen Verlagen (nicht wenigen), die eine Gefahr erkannt haben und den unabhängigen Buchhandel unterstützen. Ich danke dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausdrücklich FÜR GAR NICHTS. Denn in der eigenen Hybris oder dem Nichtverstehenwollen setzt man seit einigen Jahren komplett auf neue Pferde, von denen kein Mensch weiß,. ob oder wie die jemals ins Feld kommen – vernachlässigt darüber werden aber alle bisherigen und noch nicht ganz unerheblich gewordenen Rennpferde, die mehr als mehrfach auf die eigenen Bedürfnisse aufmerksam und auf große Fehlentwicklungen hingewiesen haben.
Jens Bartsch -Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln