Interview: Antje Kunstmann

Ritt über den Bodensee

11. Februar 2025
Sabine van Endert

Der Kunstmann Verlag steht für Bücher mit Haltung. "Zur Kompetenz muss das Glück hinzukommen", sagt die Verlegerin, die ihren Verlag über 40 Jahre mit Geschick und Kreativität durch alle Wasser manövriert hat. Jetzt übergibt Antje Kunstmann ihr Lebenswerk in die Hände ihres Sohnes. Wir haben sie im Literaturhaus in München zum Gespräch getroffen. 

Antje Kunstmann

In einem früheren Interview mit Ihnen habe ich gelesen, Sie hätten "Das goldene Notizbuch" von Doris Lessing abgelehnt, weil Sie nichts in dem Manuskript ­gesehen haben. Tatsächlich?

Antje Kunstmann: Das ist ewig her, ich war damals Anfang 20. Als man uns das angeboten hat, war ich noch beim Raith-Verlag und habe die Reihe Materialien zur Frauenemanzipation ­herausgegeben. Wir dachten damals, wir müssten erst mal die Theorie aufarbeiten. Drei Jahre später hat mich "Das goldene Notizbuch" sehr beeindruckt; ich kann mich heute noch an viele Szenen erinnern. Und Doris Lessing hat dazu selbst den entscheidenden Satz gesagt, nämlich "jedes Buch hat seine autobiografische Zeit".