Wegen Insolvenz

Schulbuchverlag Militzke stellt Geschäftsbetrieb ein

6. März 2026
Redaktion Börsenblatt

"Fortlaufende Verluste machen eine Fortführung wirtschaftlich unmöglich", teilt der hat Insolvenzverwalter Rüdiger Bauch mit. Der Geschäftsbetrieb des insolventen Magdeburger Schulbuchverlags müsse kontrolliert heruntergefahren und eingestellt werden. Bis Ende März wäre allerdings eine Übernahme noch möglich.

Foto des Insolvenzverwalters Rüdiger Bauch

Rüdiger Bauch

Für den 1990 gegründeten Magdeburger Schulbuchverlag Militzke (Militzke Verlag GmbH) gebe es trotz aller Bemühungen keine Perspektive auf eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft, heißt es weiter in einer Mitteilung des Insolvenzverwalters Rüdiger Bauch von der deutschlandweit aktiven Kanzlei Schultze & Braun. Der Geschäftsbetrieb und der Verkauf müssen daher bis zum 1. April 2026 kontrolliert heruntergefahren und eingestellt werden. Das habe der Insolvenzverwalter nach einer intensiven Prüfung aller Sanierungsmöglichkeiten mit der Geschäftsführung entscheiden müssen. Militzke hatte im Januar einen Insolvenzantrag gestellt. "Die potenziellen Investoren, mit denen wir bis zuletzt verhandelt haben, haben aus unterschiedlichen Gründen kein Übernahmeangebot abgegeben. Eine eigenständige Fortführung des Unternehmens ist wegen der anhaltenden Verluste aus dem laufenden Geschäftsbetrieb nicht möglich", sagt der Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, den das zuständige Amtsgericht Magdeburg zum Insolvenzverwalter bestellt hat.

Weitere Verluste für die Gläubiger vermeiden

"Das ist selbstredend eine schwere Entscheidung, die ich gerne vermieden hätte – gerade im Sinne der Mitarbeitenden. Wir haben alle zur Verfügung stehenden Optionen umfassend geprüft, um das Unternehmen und die Arbeitsplätze zu erhalten", sagt Rüdiger Bauch. "Die Prüfung der wirtschaftlichen Situation hat allerdings bereits kurz nach dem Insolvenzantrag gezeigt, dass eine Fortführung des Geschäftsbetriebs nur mit einem Investor möglich ist, der Kapital für die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells mitbringt. Für den Erhalt des Unternehmens in seiner bisherigen Form gibt es keine Chancen mehr, und nur so können wir weitere Verluste für die Gläubiger vermeiden."

Übernahme bis Ende März weiterhin möglich

Trotz der absehbaren Betriebseinstellung sei bis Ende März für neue Interessenten die Übernahme des Militzke Verlags weiterhin möglich. Der Verlag ist auf Schulbücher und Themenhefte für Ethik und Philosophie in allen Klassenstufen spezialisiert und hat unter der Marke Militzke digital auch einen digitalen Unterrichtsassistenten am Start. "Wer Interesse hat, beim Militzke Verlag einzusteigen, kann sich gerne bei mir melden", sagt Insolvenzverwalter Bauch. Noch vorrätige Bücher und Lehrmaterialien des Militzke Verlags können über die Runge Verlagsauslieferung bestellt werden.

Belegschaft ist über die aktuelle Situation informiert

Die insgesamt vier Mitarbeitenden des Militzke Verlags seien bereits über die aktuelle Situation und die nächsten Schritte informiert worden. "Mir ist bewusst, dass das für die Mitarbeitenden nicht die Nachricht ist, die sie sich erhofft haben, und dass die Enttäuschung groß ist", sagt Rüdiger Bauch. "Allerdings ist die Verpflichtung der Insolvenzverwaltung auch, die Rechte der Gläubiger zu schützen, ihre Verluste so gering wie möglich zu halten und die Insolvenzmasse zu sichern, aus der die Forderungen der Gläubiger befriedigt werden."

Für die Mitarbeitenden bedeutet die Entwicklung, dass ihnen gekündigt werden musste. "Die Entscheidung und die damit leider verbundenen Schritte fallen uns allen schwer. Umso mehr möchte ich mich bei unserem Team bedanken", sagt Geschäftsführer Michael Wolf. "Das Engagement, die Verlässlichkeit und der Zusammenhalt unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdienen höchsten Respekt."

Gründe für die Insolvenz:

Hintergrund für die wirtschaftliche Schieflage des Militzke Verlags ist ein spürbarer, zweistelliger Umsatzrückgang gegenüber dem in den Vorjahren stetigen Schulbuchgeschäft. Wesentlicher Grund hierfür sei der allgemeine Lehrkräftemangel an den Schulen gewesen, der zu Unterrichtsausfall vor allem zulasten der sogenannten "Nebenfächer" (hier: Ethik und Philosophie) führte. Dies habe den Bedarf an Lehrmitteln deutlich verringert und in der Liquiditätsplanung des Militzke Verlags für eine Lücke gesorgt, die aus eigener Kraft nicht mehr geschlossen werden konnte.