Lektorat

"Wie ein Satz 'richtig' klingt"

11. August 2026
Redaktion Börsenblatt

Wie entsteht ein guter Text? Wir haben in Kinder- und Jugendbuchverlagen gefragt, was ein Lektorat alles bewirken kann. Antworten in dieser Folge von Saskia Röder, Volotärin bei cbj Kinderbuch.

Saskia Röder

Saskia Röder

Saskia Röder, Volontärin bei cbj Kinderbuch

Als angehende Lektorin ist es meine Aufgabe, Geschichten auf ihrem Weg vom Manuskript bis zum fertigen Buch zu begleiten. Aber ein Manuskript ist dabei nicht gleich ein Manuskript. Es entscheiden häufig sehr unterschiedliche Kriterien, ob in einem Text Potenzial gesehen wird. Das variiert besonders zwischen unterschiedlichen Verlagen, aber auch von Lektorin zu Lektorin.

Ich arbeite beispielsweise derzeit im Bereich Kinderbuch und mir sind besonders eine zugängliche, altersgruppenentsprechende Komplexität der Texte, ein guter Spannungsbogen oder eine mitreißende Erzählstimme wichtig.

Neben der Auswahl der Texte zählt anschließend auch deren Überarbeitung zu den Aufgaben einer Lektorin. Meine bisherigen Erfahrungen in diesem Bereich beziehen sich hauptsächlich auf Übersetzungslizenzen. Inhaltliche Eingriffe sind dabei nicht möglich, aber man hat Spielraum auf sprachlicher Ebene. Allein die bewusste Verwendung oder Streichung von Füllwörtern kann einem Satz einen völlig anderen Klang geben, um nur ein Beispiel zu nennen.

Ich persönlich gehe an diese Arbeit konkret in drei Schritten heran. Als erstes lese und bearbeite ich die komplette Übersetzung mit besonderem Fokus auf den Lesefluss und zielgruppengerechte Formulierungen. Anschließend nehme ich noch mal einen groben Vergleich mit dem Originaltext vor und prüfe zuletzt, dass titel- und reihenspezifische Eigennamen durchgängig dieselbe Schreibweise besitzen.

Besonders der erste dieser Schritte ist stark geprägt von individuellem und persönlichem Empfinden, wie ein Satz "richtig" und flüssig klingt. Aber man arbeitet an dem Text selten völlig allein. Üblicherweise stimmt man sein Lektorat mit dem jeweiligen Übersetzer ab und dieses Zusammenspiel verhindert, dass man als Lektorin zu viel von sich selbst in den Text einbaut und ein Gleichgewicht gewahrt bleibt.