KNV-Insolvenz: Offener Brief an die Kulturstaatsministerin

"Frau Grütters, bitte helfen Sie als Vermittlerin"

Die Buchhändler Thomas und Angelika Mahr aus Langenau haben einen Offenen Brief an Monika Grütters abgeschickt, in dem sie die Kulturstaatsministerium um Hilfe und Vermittlung in Sachen KNV-Insolvenz bitten, um "den Absturz des Deutschen Buchhandels aufzuhalten".

Kulturstaatsministerin Monika Grütters

Kulturstaatsministerin Monika Grütters © picture-alliance

Im Offenen Brief, den Thomas und Angelika Mahr (Buchhandlung Mahr) an die Staatministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, richten, schreiben sie: "Der Insolvenzantrag des Buchgroßhändlers Koch, Neff & Volckmar – kurz KNV – kommt für den deutschen Buchhandel einer Katastrophe gleich."

Weiter heißt es:

"Kaum einer wird das besser verstehen als Sie. Ihr Verständnis, ja ihre Liebe und Engagement für die unabhängigen Buchhandlungen und die kleinen, selbständigen Verlage wird bei Ihnen aufgrund dieser beunruhigenden Nachricht doch alle Alarmglocken läuten lassen. Natürlich darf man die akute Bedrohung von 1800 Mitarbeitern, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, nicht außer Acht lassen. Doch genauso schwer wiegt die Gefahr, deren Tragweite noch nicht abzuschätzen ist, dass das Scheitern des größten deutschen Buchgrossisten einen Dominoeffekt auslösen könnte. Die Leistungen des europaweit größten Buch-Logistikers sind so vielfältig, dass sie unabdingbar für den deutschen Buchhandel sind. Gerade die kleineren Verlage und die unabhängigen Buchhandlungen sind existenziell an die Dienstleistungen des Großhändlers gebunden, um in Deutschland flächendeckend Literatur an die Leser zu vermitteln.

Es müsse sich ein Investor finden, der für die Kontinuität im deutschen Buchhandel sorgt. Gerade in einer Zeit, in der junge Menschen wieder beginnen in den Büchern Antwort zu suchen auf die großen Fragen der Zeit und für sich die Welt der Bücher neu entdecken, gerate der Buchhandel in eine existenzielle Krise. Gerade als mutige, junge Verleger sowohl die Moderne in ihren kleinen Verlagen mitgestalten und gleichzeitig Kulturarbeit im wahrsten Sinne des Wortes leisten, in dem sie Vergessenes und Unentdecktes ausgraben, gerate ihre ohnehin finanziell gewagte Arbeit ökonomisch in eine Schieflage.

Deshalb appellieren die beiden Buchhändler an Monika Grütters: "Wir bitten Sie in dieser akuten Notlage als Vermittlerin zu helfen, den drohenden Konkurs des Buchgrossisten abzuwenden. Um einen vielfach höheren Betrag wurden in Deutschland marode Banken gerettet. Jetzt gilt es unserem Buchhandel zu helfen."

Und weiter: "Retten wir diese Firma, die seit 190 Jahren eine bedeutende Rolle spielt in der Distribution von Büchern. Damit hat KNV mit Sorge getragen, dass wir – vom Ausland beneidet – den weltbesten Buchhandel flächendeckend haben. Ansonsten überlassen wir das 'Geschäft' mit den Büchern den Konzernen und einem alles verschlingenden Internetriesen."

Angelika und Thomas Mahr haben die Ministerin bei der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises kennengelernt

Angelika und Thomas Mahr haben die Ministerin bei der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises kennengelernt © Andreas Fischer

Der Offene Brief endet mit dem Aufruf: "Sehr geehrte Frau Grütters, wir bitten Sie zu helfen und als Vermittlerin aufzutreten, um den Absturz des Deutschen Buchhandels aufzuhalten."

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4 Kommentar/e

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  • Onkel Hoschi

    Onkel Hoschi

    Der in der heutigen Zeit schon fast übliche Ruf nach dem Staat, mit Steuergeldern ein insolventes Unternhmen zu retten, hat ja nicht lange auf sich warten lassen. Der Vergleich mit der Bankenrettung ist in meiner Augen eher befremdlich.

  • Dieter Beck

    Dieter Beck

    @ Onkel Hoschi: Der Staat verdient auch bei NUR 7% USt gut an dem Bücherverkauf. Warum sollte er nicht mithelfen, dass sich hier nicht ein Nachfolge-Investor auf Kosten von Verlagen und Händlern ein Schnäppchen unter den Nagel reißt?
    Und wenn Ihnen der Vergleich der Bankenrettung befremdlich erscheint, dann hätte ich da noch im Angebot: Subventionen für die Landwirtschaft um Bauern zu retten, finanzielle Hilfen für den Ausstieg aus Braun- und Steinkohle, Abwrackprämie für Autos, Subventionen für alternative Energie usw.

  • Finny

    Finny

    @Dieter Beck - genau. Und wenn jeder so denkt - dann denke ich als Kunde jetzt einfach auch so! Sie werden es nicht glauben, aber ich habe - ganz bewusst - noch nie ein Buch bei Amazon gekauft. Sondern immer ganz bewusst im stationären Buchhandel - und auch dort möglichst gut verteilt. Nicht nur bei Ketten. Passé! Wenn Steuergeld zur Selbstbefirnung wird, gerne. Ab sofort kaufe ich nur noch bei Amazon. Dem Handel ist das mit Steuergeld egal - Danke, für den Hinweis. Mir jetzt auch!

  • Onkel Hoschi

    Onkel Hoschi

    @ Dieter Beck

    Folgt man Ihrer Argumentation, verdient der Staat auch bei Würstchenbuden, Optikern, Kiosken, Schuhläden etc gut mit. Demzufolge wäre die Mithilfe des Staates auch bei solcherlei Insolvenzen gefragt. Sie sehen, wohin das führt...!?

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