KNV: Beschluss des Amtsgerichts Stuttgart

Wahl wird starker Insolvenzverwalter

Mit Beschluss von Mittwochnachmittag hat das Amtsgericht Stuttgart der KNV-Geschäftsführung ein allgemeines Verfügungsverbot auferlegt. Zugleich geht laut Beschluss „die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Vermögen der Schuldnerin“ auf den vorläufigen Insolvenzverwalter Tobias Wahl über.

Tobias Wahl

Tobias Wahl © anchor

Mit der Entscheidung des Gerichts verbessert sich die Aussicht auf Sicherheitsgarantien des Insolvenzverwalters in Richtung der Lieferanten erheblich.

Heinrich Riethmüller

Heinrich Riethmüller © Claus Setzer

Dementsprechend äußerte sich Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller in einer Stellungnahme unmittelbar nach der Mitteilung des Gerichts: "Damit kann der Insolvenzverwalter praktisch garantieren, dass Verlage und Verlagsauslieferungen für ihre ab jetzt verkaufte und gelieferte Ware bezahlt werden. Wir sind zuversichtlich, dass dadurch Klarheit für die Lieferanten hergestellt und die Lieferkette wieder komplett sichergestellt werden kann."

Christian Schumacher-Gebler

Christian Schumacher-Gebler © Mathis Beutel

Ähnlich reagierte Bonnier-CEO Christian Schumacher-Gebler, dessen Verlage über KNO ausliefern. "Mit dem heute erwirkten Eilbeschluss hat sich der Insolvenzverwalter Tobias Wahl in eine gestärkte Position gebracht", sagte der Münchner Verlagschef. Sie werde es ihm ermöglichen, "den Verlagen eine hohe Sicherheit für die Weiterbelieferung des Barsortiments zu geben". Schumacher-Gebler äußerte sich zuversichtlich, dass nun diejenigen Verlage, die einen Lieferstopp an die Erfurter Zentrallogistik ausgesprochen hatten, diesen "zeitnah wieder aufheben werden". Bonnier hatte bereits am Dienstag mitgeteilt, das Erfurter Barsortiment uneingeschränkt weiter zu bedienen.

Aktuell haben zahlreiche Verlage ihre Lieferungen nach Erfurt ausgesetzt. Auch bei der Auslieferung KNO kommt es deshalb bereits zu ersten Schwierigkeiten. Mit stärkeren als den bisher gegebenen Zusicherungen von Wahl könnte sich, so die Hoffnung insbesondere der vielen betroffenen Buchhandlungen, die Situation zeitnah wieder normalisieren.

An den Insolvenzverwalter richtete Riethmüller mit Blick auf KNV die Erwartung, "dass er und die Beteiligten alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Betrieb und Bestand dieses für den Buchmarkt wichtigen Unternehmens zu sichern".


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3 Kommentar/e

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  • Kleinverlag

    Kleinverlag

    Meines Wissens nach gibt es nur eine wichtige Unterscheidung: nur für Handlungen als starker vorläufiger Insolvenzverwalter haftet der Insolvenzverwalter nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit der Masse.

    Das bedeutet also, dass die Verlage mit ihren Büchern aus der Masse die neuen Bestellungen sichern. Für einen unabhängigen Verlag bedeutet das also, finde dich damit ab, dass dein Geld verloren ist.
    Das ist aus Sicht eines Verlags wie Bonnier, der auf Grund der Konzernstrukturen höchstwahrscheinlich versichert war und denen die Quote aus der Insolvenzmasse egal sein kann, kein Problem. Im Gegensatz zu vielen anderen Verlagen.

    Hier wären Statements von Verlagen mit anderen Strukturen, anders betroffenen Verlagen, wünschenswert, um ein reales Bild der aktuellen Situation widerzuspiegeln.
    Denn ein starker Insolvenzverwalter bedeutet nicht einfach nur: alles wird gut, hier muss differenzierter hingesehen und berichtet werden.

  • Kleinverlag

    Kleinverlag

    Auch die Stellungnahme von Heinrich Riethmüller unmittelbar nach der Mitteilung des Gerichts halte ich für reichlich salopp: "Damit kann der Insolvenzverwalter praktisch garantieren, dass Verlage und Verlagsauslieferungen für ihre ab jetzt verkaufte und gelieferte Ware bezahlt werden.

    Hier kann ich mit der Aussage des VVA Chefs Stephan Schierke an anderer Stelle deutlich mehr anfangen. Auf die Frage, ob somit die Bezahlung der gelieferten Ware garantiert ist, antwortet er, leider nein, aber sie seinen zu der Einschätzung gelangt, dass im Fall der Fälle ausreichend Masse vorhanden ist.

    Mit so einer Einschätzung kann man was anfangen, ja, es gibt ein Risiko, aber das muss jeder für sich selbst einschätzen.

    Wie kommt also Herr Riethmüller zu der Annahme, dass die Bezahlung praktisch garantiert ist? Könnte er dies bitte erleutern?

  • Michael Kursiefen

    Michael Kursiefen

    @Kleinverlag: Hier wird Ihnen vermutlich ein wenig geholfen!

    https://www.buchreport.de/2019/02/21/was-verlage-j etzt-tun-koennen/

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