AWS-Tagung in Mainz

Der Nachwuchs will umworben sein

Wie die Fachmedienbranche Nachwuchs gezielt ansprechen und rekrutieren kann, war Thema am heutigen Vormittag der AWS-Tagung in Mainz.

Georgia Hädicke von der Unternehmensberatung i-potentials in Berlin ging dieser Frage in ihrem Vortrag „Sind wir bald da?! Der Weg zur Organisation der Zukunft“ nach. Gerade wenn es um Fachkräfte mit IT-Kenntnissen geht, die im Fachhandel wie in Verlagen zunehmend gebraucht werden, hat sich der Arbeitsmarkt radikal verändert. Die Young Professionals von heute sind keine Bittsteller mehr, sondern Kandidaten, die man umwerben muss. Anders als die Generationen zuvor hat die Arbeitswelt für die Generation Z (Jahrgänge ab 1996) einen anderen Stellenwert. Die Work-Life-Balance spielt eine wesentlich größere Rolle – was für Arbeitgeber eine Herausforderung sein kann, ihre Arbeitsbedingungen und familienfreundlichen Angebote an die Zielgruppe anzupassen.

Der Faktor Zeit spielt bei jungen Mitarbeitern eine zentrale Rolle: Wie fülle ich sie aus? Was kann ich Sinnvolles in einem bestimmten Zeitraum tun? Unternehmen müssen also klar definieren, weshalb sie tun, was sie tun, sie müssen Ziele formulieren und ihre Unternehmenskultur so verändern, dass sie für die Mitarbeiter attraktiv ist. Es reiche nicht, so Hädicke, eine Tischtennisplatte im Pausenraum aufzustellen.

Mit der Unternehmenskultur sollte sich auch der Führungsstil ändern. An die Stelle des autokratischen Managers sollte der Typ des „servant leader“ treten, der einen freien Umgang mit seinem Team pflegt und Verantwortung delegiert. Ein Chef, der weiß, dass das Wissen des Unternehmens überwiegend bei den Mitarbeitern liegt. Seine Führungsaufgabe besteht vor allem darin, die Arbeitsprozesse zu begleiten und die Mitarbeiter zu ermutigen. Basis für die Zusammenarbeit ist natürlich Vertrauen, das durch die Leistung des Teams bestätigt werden muss.

Um ein Technologie-Team zusammenzustellen, müsse man als Verleger oder Fachbuchhändler andere Wege gehen, so Hädicke: Die Stellenanzeige ist passé. Stattdessen muss man ein zielgruppengenaues Employer Branding betreiben oder eigene Recruiting-Events ausrichten, bei denen man die Arbeitsplatzkandidaten persönlich ansprechen kann. Ganz wichtig dabei: Klare Botschaften senden, den Ehrgeiz der Bewerber wecken, Anreize für gute Leistungen bieten.

Cigdem Aker, 1. Vorsitzende des Vorstands der Jungen Verlagsmenschen, ein Netzwerk von 800 Verlagsmitarbeitern, Buchhändlern und Freelancern im deutschsprachigen Raum, sprach konkret den Nachwuchsbedarf des Fachsortiments an. Man müsse die Zielgruppe direkt ansprechen und davon überzeugen, dass Fachmedien mehr sind als Bücher. Der Fachbuchhandel sollte den digitalen Wandel als Chance begreifen und sich entsprechend den neuen Technologien und Spezialisten öffnen. Wichtig ist es zudem, mit guten Konditionen zu punkten, denn die Bezahlung für Berufseinsteiger in der Buchbranche liege deutlich unter den Gehältern, die andere Branchen zahlen. Für die Arbeitgeber sei es wichtig, kreativ mit der neuen Arbeitswelt und den Erwartungen der jungen Mitarbeiter umzugehen. Zum Schluss noch eine Bemerkung in Richtung Teilnehmer: Es wäre schön gewesen, wenn mehr Nachwuchskräfte aus der Branche in Mainz dabei gewesen wären. Vielleicht geht dieser Wunsch im nächsten Jahr in Mannheim in Erfüllung.

AWS Award für Pia Rößler

Auf der Mainzer Tagung wurde auch der AWS Award, der Nachwuchspreis für innovative Ideen im Fachbuchhandel 2019, verliehen. Er ging an Pia Rößler (Sack Fachmedien) für ihre Bachelor-Thesis "Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Kundenbindung im Produktbereich juristischer Datenbanken bei Sack Fachmedien". Die Jury – bestehend aus Svenja Hagenhoff (Universität Erlangen-Nürnberg, Bianca Kölbl (AWS-Vorstand und Buchhandlung Biazza), Monika Kolb-Klausch (mediacampus frankfurt), Johannes Rupprecht (Buchhandlung Rupprecht) und Volker Stuhldreher (AWS-Vorstand und Kamloth + Schweitzer) – lobt vor allem die Praxisnähe der Abschlussarbeit, die die Autorin den Tagungsteilnehmern anschließend vorstellte.

"Besonders hervorzuheben ist der praxisorientierte Lösungsansatz für betriebliche Ablaufoptimierung in der Kundenklassifizierung und Kundenakquise", heißt es in der Jurybegründung. "Die beschriebene Einführung einer Kundenbefragung macht Kundenzufriedenheit messbar und etabliert dies als feste Kennzahl. Erfolge oder auch Misserfolge von Veränderungen können damit sichtbar gemacht werden. Insgesamt eine sorgfältige Arbeit und eine sehr schöne Leistung!"

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