Fusion von Thalia und Mayersche

Grünes Licht vom Bundeskartellamt

Das Bundeskartellamt hat der Fusion von Thalia und der Mayerschen Buchhandlung am 9. Mai die Freigabe erteilt. Die Behörde sah keine "durchschlagenden wettbewerblichen Bedenken", so deren Präsident Andreas Mundt. Die Entscheidung der Kartellbehörde in Österreich steht noch aus.

Das teilte das Bundeskartellamt mit. Andreas Mundt, Präsident derr Behörde, sagt: "Wir haben uns das Vorhaben sehr genau angesehen. Es kommt vor allem in einzelnen regionalen Märkten in Nordrhein-Westfalen zu relativ hohen gemeinsamen Marktanteilen der Beteiligten beim stationären Verkauf von gedruckten Büchern. Trotzdem bestehen gegen den Zusammenschluss letztlich weder aus Sicht des Verbrauchers noch aus Sicht der Verlage durchschlagende wettbewerbliche Bedenken."

Den Verbrauchern stünden mit dem wachsenden Online-Handel sowie mit der Vielzahl von kleineren und mittleren Buchhändlern des tradtionellen Sortimentsbuchhandels gute Einkaufsalternativen zu Verfügung, so Mundt weiter. "Wegen der gesetzlich vorgegebenen Buchpreisbindung findet der Wettbewerb auf der Bucheinzelhandelsebene ganz überwiegend nicht bei den Preisen sondern bei der Angebotsqualität wie z.B. der Sortimentsauswahl, der Beratung sowie der Gestaltung der Geschäfte statt, was auch Chancen für kleinere Händler bietet."

Auch den Buchverlagen drohe kein wettbewerblich problematischer Zuwachs von Nachfragemacht. Thalia sei zwar einer der wichtigsten Abnehmer von Verlagen und dem Buchgroßhandel in Deutschland. Letztlich bleiben aber die gemeinsamen Beschaffungsanteile von Thalia und Mayersche auf einem unbedenklichen Niveau, so das Bundeskartellamt.

Kurze Prüfdauer war möglich

Aufgrund einer intensiven Vorbereitung des eigentlichen Kontrollverfahrens konnte die umfassende Prüfung der Fusion bereits innerhalb der einmonatigen sogenannten ersten Phase abgeschlossen werden. Das Bundeskartellamt habe hierfür 85 regionale Buchhandelsmärkte genauer untersucht sowie weitere betroffene Märkte – wie z.B. den Handel mit E-Books und mit E-Book-Readern – geprüft.

  • Die Ermittlungen hätten gezeigt, dass die gemeinsamen Marktanteile der Beteiligten in einigen regionalen Märkten zwar hoch sind, dennoch aber durch den Zusammenschluss keine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs zu erwarten ist.

Der Wettbewerbsdruck aus dem Online-Handel habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Außerdem führe die Buchpreisbindung in Deutschland dazu, dass die meisten Bücher überall zum gleichen Preis verkauft werden müssen. Daher können die Beteiligten mögliche, aus ihrer Größe resultierende Vorteile nicht im Rahmen eines Preiswettbewerbs gegenüber kleineren Händlern und zulasten der Verbraucher ausnutzen.

Darüber hinaus seien die Zusammenschlussbeteiligten auch nach der Fusion weiterhin einem gewissen Wettbewerbsdruck durch den Buchhandel in sonstigen Verkaufsstellen, wie Supermärkten, Tankstellen und Drogeriemärkten sowie dem Direktvertrieb durch die Verlage ausgesetzt, die nicht Teil des betrachteten kartellrechtlichen Marktes sind.

Hinreichende Absatzalternativen

Auf den Beschaffungsmärkten würden die Zusammenschlussbeteiligten eine durchaus herausgehobene Marktstellung erlangen. Dennoch stehen den Verlagen und Großhändlern hinreichende Absatzalternativen in Form von anderen stationären und Internet-Sortimentsbuchhändlern, sonstigen Verkaufsstellen und dem Direktvertrieb zur Verfügung. Einige Verlage haben die Sorge geäußert, dass die Unternehmen künftig über eine große Einkaufsmacht verfügen und daher auch Konditionenverbesserungen fordern könnten. Das Bundeskartellamt wird dies im Sinne der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zum sogenannten Anzapfverbot beobachten.

Die von der Fusion betroffenen weiteren Märkte waren wettbewerblich unproblematisch. Die Bereiche der E-Books und der E-Book-Lesegeräte ("Reader") seien insbesondere durch den intensiven Wettbewerb von Amazon geprägt. Thalia ist an der bekannten E-Book-Plattform "Tolino" beteiligt, die durchaus erfolgreich am Markt tätig sei und zu dem Marktführer Amazon Kindle aufschließen konnte. Die Zusammenschlussbeteiligten kommen hier jedoch nicht auf wettbewerblich bedenkliche gemeinsame Marktanteile, so das Bundeskartellamt.

Statement von Thalia

Thalia wollte die Entscheidung des Bundeskartellamts noch nicht kommentieren. "Da wir auch in Österreich der Fusionskontrolle unterliegen, möchten wir den Abschluss beider Verfahren in Deutschland und Österreich abwarten, bevor wir Stellung nehmen. Wir erwarten, nach der Genehmigung für Deutschland, einen zügigen Abschluss des Gesamtverfahrens", sagt Claudia Bachhausen, Leiterin Unternehmenskommunikation, auf Anfrage von Börsenblatt Online.

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7 Kommentar/e

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  • Finnole Hoffmann

    Finnole Hoffmann

    Ein Blick ins Archiv hätte dem Kartellamt gut gestanden! Vor zwei Jahre erst hat Andreas Platthaus das Vorgehen Thalias gegenüber Buchhandlungen und Verlagen ganz richtig so kommentiert: »Traditionshaus mit Mafia-Methoden« http://bit.ly/2vONaeg

  • Lutz Philipp

    Lutz Philipp

    Das Kartellamt ist für mich eine Farce. Wenn selbst so eine Fusion das Wohlwollen der Kartellwächter findet, was wollen sie dann überhaupt untersagen. Auch bei einem Zusammenschluss von VW und Mercedes gibt es schließlich eine Menge Automarken, die man noch kaufen kann. Unfassbar. Lächerlich.

  • Franziska Schirm

    Franziska Schirm

    Das redet sich das Kartellamt aber ordentlich schön! Tankstellen und Supermärkte als ernsthafte Wettbewerber? Natürlich.
    Und auch den Verlagen gegenüber wird man sich bestimmt absolut fair verhalten. Na klar!

  • KPaul

    KPaul

    Und wenn man bedenkt, dass ein großer Teil der Buchflächen in deutschen Supermärkten durch die Mayersche Tochter b.o.b bespielt werden, muss man hier klar sagen, dass die Wettbewerbshüter wieder einmal bewiesen haben, dass sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.
    Wer erinnert sich noch an das riesen Theater, als Hugendubel, Weiland und Co. zur DBH werden wollten. Wahrscheinlich hat man in zwei Jahren auch keine Bedenken, wenn sich Ossiander dazu gesellt. Der Tag wird kommen!

  • Dirk Scholze

    Dirk Scholze

    …lasst sie doch fusionieren bis es nichts mehr zum Fusionieren gibt. Fusionieren heißt nicht, qua Größe gute Ideen zu haben, sondern viel weniger, nämlich dass einem nichts anderes mehr einfällt, als über pure Marktmacht die untrainierten Muskeln zu zeigen. Unabhängige Buchhändler und Verlage sind gut trainiert und wissen, dass die, die als Löwen abspringen, beizeiten als Bettvorleger landen werden. Viele Leser und Käufer sind auf unserer Seite, und es werden hoffentlich täglich mehr…

    Dirk Scholze
    Berater für den Sortimentsbuchhandel

  • Michael Jungblut

    Michael Jungblut

    Diese Nachricht ist für mich persönlich irrelevant,.....ich wünsche den Inhabern aber: „Guten Appetit“ beim Verzehren der zusätzlichen Gewinne,... die Mitarbeiter tun mir Leid,...

  • Hans Anton

    Hans Anton

    Vielleicht ist diese Fusion notwendig gewesen um als Investor in einem eigenem Barsortiment einsteigen zu können. Und so könnte sich ein großer Kreis wieder schließen....

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