Nach 41 Jahren

Buchhandlung zum Wetzstein schließt

Die legendäre Freiburger Buchhandlung zum Wetzstein schließt zum 31. Dezember 2019. Dies hat Inhaberin Susanne Bader gegenüber Börsenblatt Online bestätigt. Die Buchhandelskooperation 5plus verliert dadurch ein Mitglied.

Susanne Bader in ihrer Buchhandlung

Susanne Bader in ihrer Buchhandlung © Patrick Seeger

"Es sind keine wirtschaftlichen Gründe, die mich zur Aufgabe zwingen. Der Wetzstein ist komplett schuldenfrei. Aber mit Blick auf die Veränderungen, die der stationäre Einzelhandel und damit auch der Buchhandel erlebt, halte ich es nicht für sinnvoll, das Geschäft weiterzuführen", begründet Susanne Bader ihren Schritt.

Die 68-jährige Buchhändlerin erwartet nicht, dass es angesichts des veränderten Einkaufsverhaltens zu einer Trendwende im Einzelhandel und in den Innenstädten kommt. "Um in den nächsten fünf Jahren zu bestehen, hätte ich mich mit voller Kraft hineinwerfen müssen. Das kann ich mit Blick auf mein Alter nicht mehr leisten", sagt Bader.

© Patrick Seeger

Eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger hat Susanne Bader nicht gefunden. "Es gab zwar Angebote, aber ich wollte nicht, dass der Charakter dieser besonderen Buchhandlung verändert wird", so Bader. Es sei ihr wichtig, dass das Bild der Buchhandlung so, wie sie ist, bewahrt wird. "Ein Jegliches hat seine Zeit. Es war eine wunderbare Arbeit, und ich möchte sie gut zu Ende bringen."

Mit der Schließung zum Jahresende verliert auch die Buchhandelskooperation 5plus, der aktuell acht Sortimente in Deutschland, Österreich und in der Schweiz angehören, ein Mitglied.


5plus sind derzeit


Buchhandlung Klaus Bittner, Köln
Buchhandlung Dombrowsky, Regensburg
Felix Jud Buchhandlung, Hamburg
Buchhandlung Lehmkuhl, München
Leporello – die Buchhandlung, Wien
Librium, Baden, Schweiz
Schleichers Buchhandlung Dahlem-Dorf, Berlin
Buchhandlung zum Wetzstein, Freiburg

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9 Kommentar/e

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  • Martin Stankewitz

    Martin Stankewitz

    Ich mag eigentlich gar nicht glauben, dass es keine ambitionierten Buchhändler/innen mehr gibt, die diese Tradition weiter führen wollen in solch einem Buchladen in bester Lage und dazu noch in einer Universitätsstadt.
    Dieser Schritt ist sehr bedauerlich, eigentlich maximal deprimierend. Freiburg wird dadurch kulturell spürbar ärmer. Für mich war der Besuch der Buchhandlung zum Wetzstein ein wichtiger Grund, Freiburg 1-2 mal im Jahr zu besuchen, für dieses Jahr ist das schon fest eingeplant.

  • Norbert Kraas

    Norbert Kraas

    Der Untergang des Abendlandes steht damit noch nicht unmimttelbar bevor, aber es ist ein großer Verlust für Freiburg und natürlich für alle Freunde des gedruckten Buches. Auch wenn der Wetzstein bisweilen etwas Einschüchterndes hatte, bin ich dort immer gerne hin gegangen, wenn ich in Freiburg war. Schade!

    Was vom lokalen Handel übrig bleibt, wenn wir alle nur noch online unterwegs sind? Bitteschön: https://t1p.de/wl9p

  • Dr.C.Preuss-Neudorf, vub Wissen mit System, Köln

    Dr.C.Preuss-Neudorf, vub Wissen mit System, Köln

    Der Verlust einer solchen Buchhandlung ist für die Stadt nicht umkehrbar. In ihrem aufschlussreichen Interview in der FAZ beleuchtet unsere Buchhandels-Kollegin ihre Gründe für die Schließung: „Der aufmerksame Blick für gesellschaftliche Veränderungen.“ Sie bedauert auch, dass wir uns des Verlustes von Dingen und Werten aufgrund unseres Verhaltens nicht ausreichend bewusst seien.
    Aus meiner Sicht zeigt die Schließung gerade dieser einzigartigen Buchhandlung die Dimension der Aufgabe, vor der wir als Branche stehen. Allein werden es Buchhändler offensichtlich nicht schaffen, die Begeisterung für „das Lesen“ und „das Buch“ an nächste Generationen weiterzureichen. Dafür bedarf es eines deutlich erweiterten Bewusstseins der Gesellschaft insgesamt. Rechtzeitig und deutlich bevor der Letzte die Ladentüre schließt, müssen die Folgen der aktuellen Veränderungen klar gemacht werden und die Frage geklärt, wer von uns da gegensteuern kann und ob man dafür noch Verlage, Buchhandlungen, Literaturfeste, Messeveranstalter, Preisstifter und Bibliotheken haben will.

  • Angelika Siebrands

    Angelika Siebrands

    Ein Jammer, aber klar, jeder mögliche Nachfolger möchte doch auch seinen eigenen Charakter mit einbringen. Das ist hier nicht gewünscht und sicher auch gar nicht leicht, anachronistisch war der Wetzstein, wohltuend aus der Zeit gefallen. Die wirtschaftliche Seite ist dann noch eine ganz andere. Schade, Frau Bader, Freiburg verliert eine Ausnahmebuchhandlung. Ihnen alles Gute für die Zukunft mit weiterhin vielen schönen Büchern.

  • Dieter von Schrötter

    Dieter von Schrötter

    Diese mich wirklich sehr traurig stimmende Nachricht erreicht mich 400 km von Freiburg entfernt. Gab es wirklich keinen Weg, diesen so einschneidenden Schritt zu vermeiden ? Gab es wirklich niemand, der den "Wetzstein" hätte übernehmen können, wenn auch mit einer eigenen, aber nicht völlig neuen Note ?
    Ich bedanke mich trotz dieser Fragen bei Frau Bader und all ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie auch dem allzu früh verstorbenen Herrn Bader sehr herzlich für die einzigartige Handschrift des "Wetzsteins".

  • Ein Buchhändler

    Ein Buchhändler

    Es ist zwar sehr schade, dass diese Buchhandlung schließt. Andererseits ist das Geschäftskonzept offenbar für die nächsten Jahre nicht mehr tragfähig, weil vermutlich schlicht die Kundschaft ausstirbt.
    Wie ein/e potentielle/r NachfolgerInn allerdings das Geschäft weiterführen soll, ohne etwas zu verändern, bleibt wohl das Geheimnis von Frau Bader. Einerseits ist sie sich der Schwierigkeiten wohl bewußt, andereseits soll alles so bleiben wie es war.
    Die Haltung, so einen Institution lieber zu schließen, als sie einem behutsamen Wandel zu unterziehen, finde ich irgendwie arrogant.

  • Cornelia Mansfeld

    Cornelia Mansfeld

    Eine Reise nach Freiburg ohne die Buchhandlung "Wetzstein" zu besuchen, war bisher nicht denkbar. Als Inhaberin einer Kleinstadt-Buchhandlung, die schon über 140 Jahre alt ist, denke ich über die Zeit nach mir nach: Unsere Buchhandlung wäre nie so alt geworden, wenn nicht die Generationen vor mir das Geschäft nicht weiter entwickelt hätten. Die Herausforderung wird sein, eine leidenschaftlich dem Buch verbundene Person zu finden, ihr zu vertrauen, dass sie die neuen Entwicklungen bei gleichzeitiger Verbundenheit mit dem Alten aufnimmt und ich wiederum vertraue, unterstütze, wenn es gewünscht ist, und loslasse. Möge es nicht nur mir gelingen, Buchhandlungen gut weiterzugeben.

  • Dr. Eckhard Bremer

    Dr. Eckhard Bremer

    Ich bin traurig über die Nachricht, weil es mich seit Freiburger Studienzeiten immer wieder zum Wetzstein zog, um ein paar Bücher zu finden, auf die ich anderswo nicht gestossen wäre. Handel ist Wandel, sagt man, und deshalb muss sich auch eine Buchhandlung veränderten Lese- und Einkaufsgewohnheiten anpassen. Dass Veränderung auch Schliessung bedeuten kann, sieht man am Sterben kleiner Buchhandlungen in Deutschland allerorten, und auch an inhabergeführten Traditionsbetrieben in ganz anderen Branchen. Alle leiden unter der Amazonisierung! Ich hätte mir gewünscht, dass es jedenfalls für den Wetzstein eine Marktnische gegeben hätte.

  • Jürgen Gojny

    Jürgen Gojny

    Permanent stirbt ein Stück Kultur. Das ist die Kehrseite der Digitalisierung und der Globalisierung.

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