Analyse zur Millionen-Finanzspritze für Boxine

Ritterschlag für die Tonies

Wann hat es das zuletzt gegeben? Hat es das überhaupt schon einmal gegeben, dass sich Investoren um ein junges Unternehmen, das in der Buchbranche groß geworden ist, geradezu reißen? Geschätzte 300 Millionen Euro bezahlen, um dort einzusteigen? Boxine aus Düsseldorf ist dieser Coup gelungen. Eine Analyse. CHRISTINA SCHULTE

Christina Schulte, stellvertretende Chefredakteurin beim Börsenblatt

Christina Schulte, stellvertretende Chefredakteurin beim Börsenblatt © FotostudioThomas

Was macht Boxine für namhafte Investoren wie die Hexal-Gründer Andreas und Thomas Strüngmann oder Zalando-Gründer Robert Gentz so attraktiv? Da ist zunächst einmal das vielversprechende analog-digitale Geschäftsmodell, das sich selbst im Streamingzeitalter keineswegs verstecken muss. Es verbindet Haptisches mit dem Digitalen und ist für die Nutzer kinderleicht zu verstehen.

Es ist zugleich ein Geschäftsmodell, mit dem sich lehrbuchmäßig Wachstumseffekte erzielen lassen. Eine verkaufte Toniebox bringt x verkaufte neue Tonies. Das ermöglicht eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Lizenzpartnern und somit neue attraktive Inhalte für die Hörfiguren, die wiederum neue Nachfrage generieren: ein Kreislauf, der sich selbst in Schwung halten kann, ein Business Case wie ein Perpetuum mobile.

Bemerkenswert ist, mit welchem Tempo Boxine gewachsen ist. 2013 mit einem Startkapital von rund 600.000 Euro gegründet, 2016 mit 19 Figuren an den Markt gegangen, wurden im vergangenen Jahr bereits 60 Millionen Euro Umsatz erzielt. Etwa eine Million Boxen stehen in den Kinderzimmern, in diesem Jahr soll der Umsatz auf 120 Millionen Euro verdoppelt werden. Es sind auch diese Zahlen, die die Augen der Investoren zum Leuchten bringen. Über Margen wird zwar nicht gern gesprochen, es ist aber sehr wahrscheinlich, dass es sich bei den Tonies um hochmargige Produkte handelt, die einen anständigen Gewinn abwerfen.

Spaß bereitet den Geldgebern sicherlich auch die Vision, die Tonies international zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Das ist mit einem weitgehend standardisierten Produkt, wie die Box und die Figuren es sind, aussichtsreich. Im Vereinten Königreich hat das Unternehmen seinen Fuß bereits in der Tür. Erfolgreich, wie es heißt.

Und nicht zuletzt: Boxine hat schon viel Lob für seine kreativen Ideen erhalten und wurde erst im Juli mit dem Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Aufsteiger ausgezeichnet. Das macht hellhörig in der Investorenszene und schafft Aufmerksamkeit.

An der Geschäftsführung wird sich nach der Finanzspritze nichts ändern: Die Tonie-Erfinder Patric Faßbender und Marcus Stahl bleiben als geschäftsführende Gesellschafter an Bord und treiben die weitere Entwicklung von Boxine voran. Nun mit dem notwendigen Geld in der Hinterhand.

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