Erstes Programm im Frühjahr 2020

Ullstein lässt Claassen wieder aufleben

Die Ullstein Buchverlage wollen den Claassen Verlag, der schon länger zur Gruppe gehört, wieder aufleben lassen und fortführen. Das erste Programm wird für das Frühjahr 2020 angekündigt. Update: Ullstein Fünf dagegen wird eingestellt und fließt in Claassen ein.

Die Ullstein Buchverlage möchten mit der Wiederbelebung des Claassen Verlags "der Literatur innerhalb unserer Verlagsgruppe einen ihr gebührenden Ort geben", so die Programmleiterin Linda Vogt in der Presseinformation aus Berlin. "Claassen soll ein moderner Verlag sein und doch mit seiner Geschichte verbunden. Hier werden Bücher deutschsprachiger und internationaler Autorinnen und Autoren erscheinen, die uns mit ihrer erzählerischen Kraft mitreißen und unseren Blick auf die Welt schärfen", kündigt Vogt an.

Im ersten Programm, im Frühjahr 2020, erscheinen der neue Roman "Serpentinen" von Bov Bjerg und das Debüt "Ein Mann seiner Klasse" von Christian Baron. Bov Bjerg erzählt von einer Vater-Sohn-Beziehung, Christian Baron davon, was es bedeutet, in unserem reichen Land in extremer Armut aufzuwachsen. Paula Irmschler entwerfe in ihrem ersten Buch mit scharfsinnigem Witz ein etwas anderes Ost-West-Panorama und die französische Autorin Karine Tuil setze sich in "Menschliche Dinge" mit Macht und Gewalt auseinander und ist für den Prix Goncourt nominiert. Auch für die künfigen Frühjahrs- und Herbstprogramme seien jeweils vier Novitäten geplant.

Update, 4. Oktober: Wie eine Verlagssprecherin bestätigt, wird das Imprint Ullsetin Fünf dagegen aufgegeben und im Frühjahr 2020 in den Claassen Verlag einfließen. Der Claassen Verlag wird ein reiner Belletristik-Verlag, das Sachbuchprogramm von Ullstein Fünf fällt damit weg. Das literarische Programm von Claassen werde "eine größere Spannbreite" haben. es sei modern und klassisch zugleich und umfasse internationale wie deutschsprachige Literatur. Linda Vogt, die Programmleiterin von Claassen, war seit September 2018 eine der Programmleiterinnen von Ullstein Fünf (siehe Archiv).

Hintergrund: Die Verlagsgeschichte

Gegründet wurde der Verlag 1934 von Eugen Claassen und Henry Goverts in Hamburg. Beide hatten sich nach 1933 in ihrer Arbeit stark eingeschränkt gesehen; Goverts verlor seine Lehrerlaubnis an der Universität, Claassen konnte im Frankfurter Societäts-Verlag nicht mehr die Bücher herausbringen, die seiner liberalen Haltung entsprochen hätten. Die Gründung des eigenen Verlages war eine Art Flucht nach vorn − Goverts sorgte für die finanziellen Voraussetzungen, Claassen für die nötige Verlagserfahrung, heißt es weiter.

Gemeinsam suchten sie einen Weg, ihrer politischen Haltung durch die Literatur Nachdruck zu verleihen, vermieden die Veröffentlichung nationalsozialistischer Autorinnen und Autoren, förderten junge und hielten Kontakt zu emigrierten Schriftstellern. Ein erster Bestseller gelang dem Haus 1937 mit der deutschen Ausgabe von Margaret Mitchells "Vom Winde verweht". Bis zum Juli 1941 war das Buch 276.900 mal verkauft und finanzierte so das stetig wachsende Literaturprogramm, zu dem unter anderem Marie Luise Kaschnitz, Heinrich Mann, Elisabeth Langgässer, Elias Canetti, Erich Fried, Irmgard Keun und Marlen Haushofer gehören sollten. Auch das Werk Hermann Melvilles wurde hier für die deutsche Leserschaft entdeckt, nicht anders die Bücher von Evelyn Waugh, Cesare Pavese und Pablo Neruda.

Nach dem Krieg bekam der Verlag deshalb als einer der ersten von der Britischen Besatzungsmacht die Lizenz, sich unter der Firmierung Claassen & Goverts neu zu gründen. Bis sich die beiden Gründer 1947 trennten und Claassen seinen Verlag bis zu seinem Tod 1955 allein weiterführte.

Danach übernahm zunächst seine Frau Hildegard Claassen die Geschäftsführung. In der Folge prägten Helmut Frielinghaus und Arnulf Conradi das Programm von Claassen entscheidend mit. 1967 verkaufte Hildegard Claassen den Verlag an den Econ Verlag. Seit 2004 gehörte Claassen zur Verlagsgruppe Ullstein Buchverlage, die es in der heutigen Zusammensetzung seither gibt. 2009 wurde dann das Programm von Claassen stillgelegt, so die Berliner, um das literarische Profil von Ullstein zu schärfen, Ullstein stärker für Literatur zu öffnen. Über zehn Jahre später wird das Imprint nun wieder belebt.

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