Thalia und Mayersche ziehen Bilanz

Thalia mit dem besten Jahr der Unternehmensgeschichte

Der marktführende Buchhandelsfilialist hat das vergangene Geschäftsjahr (1. Oktober 2018 – 30. September 2019) mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Das flächenbereinigte stationäre Umsatzwachstum betrug zwei Prozent, mit Neueröffnungen und Zukäufen lag es bei sechs Prozent, berichtete Thalia-CEO Michael Busch bei einer Telefonkonferenz am heutigen Dienstag. Absolute Zahlen nannte er dabei nicht. CHRISTINA SCHULTE

Hartmut Falter und Michael Busch

Hartmut Falter und Michael Busch © Thalia / John M. John

Über alle Länder und Vertriebskanäle wurden sechs Prozent mehr erlöst. Das zweiprozentige Wachstum auf vergleichbarer Fläche bewertete Busch als eine „enorme Leistung der Mitarbeiter in den Buchhandlungen“. Zustande gekommen sei das Umsatzplus unter anderem auf Grund einer höheren Konversionsrate, das heißt, mehr Besucher der Filialen konnten zu Käufern gemacht werden. Zudem sei es gelungen, die Bonsumme pro Käufer zu steigern. Der absolute Umsatzanstieg von sechs Prozent sei getragen worden von 13 zugekauften Buchhandlugen sowie fünf Neueröffnungen. Der Marktanteil von Thalia im stationären Geschäft läge nun bei 19 Prozent.

Auch im Internet habe Thalia weiter zulegen können: Auf fünf Prozent beläuft sich das Plus im E-Commerce, der Marktanteil liege bei zwölf Prozent. Mit dem steigenden E-Commerce würden auch die Filialabholungen befeuert, die es den Kunden einfach machten, auf „ökologisch beste Art und Weise“, so Busch, die Bücher vor Ort abzuholen. Dennoch will Thalia seinen Service für die letzte Meile weiter ausbauen. Bisher fahren Kuriere nur in drei Städten – ein umfassenderes Konzept werde derzeit erarbeitet.

Mit Blick auf die Liquidität betonte Busch, dass Thalia schuldenfrei sei und keinerlei Bankverbindlichkeiten habe. „Die fünf Unternehmerfamilien stemmen das Wachstum aus eigner Kraft.“ Und investieren weiter, dieses Jahr einen „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“. Das Gros des Geldes solle in den stationären Buchhandel fließen, etwa in den organischen und anorganischen Ausbau des Filialnetzes. Alles in allem sei Thalia seiner Rolle als Markt- und Innovationsführer gerecht geworden und habe diese Position weiter ausgebaut, sagte Busch.

In diesem Kontext betonte er, dass sich Thalia als Plattform sehe, auf der Buchhandlungen mit unterschiedlichen Profilen Platz finden würden und spielte damit auf das geplante Partnerschaftsmodell an. Nähere Angaben dazu machte Busch nicht. Nur so viel: Es würden „substanzielle“ Gespräche mit mehreren Interessenten geführt, die jeweils einen unterschiedlichen „Härtegrad“ aufwiesen. Konkreteres dazu mit ersten Piloten werde es wohl im ersten Halbjahr 2020 zu verkünden geben. Klar sei jedoch, dass Buchhändler auch unter eigener Marke bei Thalia einchecken könnten, wie das Beispiel Mayersche zeige.

Wie es bei den Aachenern wirtschaftlich aussieht, das bilanziert Hartmut Falter, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Die Geschäfte seien von Januar bis September gut gelaufen, man verzeichne ein bereinigtes Wachstum von 3,5 Prozent. „Das ist sehr erfreulich und schon lange her, dass wir so gut abgeschnitten haben.“ Falter berichtete auch vom Stand der Integration der beiden Unternehmen. Derzeit würden Aufgaben, Regeln und Prozesse diskutiert. „Wir stellen schneller Klarheit und Verbindlichkeit her, als wir das gedacht haben“, so Falter. Er führt das darauf zurück, dass Kultur und Spirit in beiden Häusern offenbar doch sehr nahe beieinander lagen. „Es macht Spaß zu sehen, welche Eigendynamik sich jetzt entwickelt.“

Die Mayersche und Thalia profitierten wechselseitig in vielerlei Hinsicht. Michael Busch rechnete schon einmal vor, wie es aussieht, wenn beide Unternehmen ihre Umsätze und Filialen addieren. „Umsatzmäßig werden wir uns dann oberhalb der Milliardengrenze bewegen.“ De Zahl der Filialen sieht derzeit folgendermaßen aus:

  • 245 Thalia-Buchhandlungen in Deutschland
  • 56 Mayersche-Buchhandlungen in Deutschland
  • 35 Buchhandlungen in Österreich
  • 35 Buchhandlungen in der Schweiz.

„Zusammen kommen wir auf 371 Läden und haben einen klaren Blick darauf, das Netz in Richtung 400 Buchhandlungen zu erweitern“, kündigte Busch an.

Motiv aus der Kampagne "Welt, bleib wach"

Motiv aus der Kampagne "Welt, bleib wach" © Sabine Schmidt

Beim Wachstum helfen soll auch die Kampagne Welt, bleib wach. Man setze jetzt verstärkt auf Partnerschaften mit Medienhäusern, wie der Funke-Mediengruppe, und Kulturinstitutionen, die über ihre eigenen Kanäle Inhalte und Motive verbreiten und für zusätzliche Reichweite sorgen würden. „In Richtung Weihnachten wird es weitere visible Projekte geben“, kündigte Busch an. „Wir sind im Hintergrund schon weiter, als ich mir das vor einem Jahr vorgestellt habe.“


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