Verlagsförderung

Neue Gelder braucht die Szene

Schöne Bücher herzustellen, ist oft ein Zuschussgeschäft. Doch woher nehmen? Von einem (leider unkalkulierbaren) überraschendem Preisregen? Von einer verlässlichen, strukturellen Projekt- oder Verlagsförderung? Eine Diskussion im Rahmen des Literaturfests München suchte Antworten.  VON JöRG SUNDERMEIER

Volk Verlag mit Publikum

Volk Verlag mit Publikum © Alke Müller-Wendtlandt

„Andere Bücher braucht das Land“ heißt eine seit Jahren im Rahmen des Literaturfestes München im dortigen Literaturhaus stattfindende zweitägige Verkaufsausstellung unabhängiger Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Am vergangenen Wochenende ging es nicht nur darum, schöne Bücher zu zeigen, sondern auch um ein brisantes Thema: Verleger Manfred Rothenberger (Starfruit Press) und etliche seiner Kolleginnen und Kollegen aus Bayern hatten vor wenigen Wochen in einem Offenen Brief ihren Unmut darüber ausgedrückt, dass der „Preis für einen bayerischen Kleinverlag“, der seit zehn Jahren vergeben wird und mit 7500 Euro dotiert ist, in diesem Jahr pausieren und künftig nur noch im zweijährigen Turnus vergeben werden soll. Die Unterzeichner erhoben keine konkreten Forderungen, wollen jedoch mit der Politik zügig über die akute Problemlage der Verlage ins Gespräch kommen. 

© Büro Alba

Dass nicht nur Bayern die Verlagsförderung qua Preis zurückgefahren hat, sondern auch Nordrhein-Westfalen, erläuterte Stefan Weidle (Weidle Verlag). Er kritisierte, dass der 2017 erstmals verliehene Verlagspreis gleich wieder abgeschafft worden ist. Weidle betonte allerdings auch, dass man mit dem Kulturministerium in NRW im Gespräch sein, um andere Formen der Unterstützung für Verlage zu finden. Dass man nicht einfach Bittsteller sei, sondern eben wünsche, mithilfe von Förderungen oder Verlagspreisen jene Nachteile auszugleichen, die die Verlage in den letzten Jahren erfuhren, unterstrich Johann Ulrich (Avant Verlag)Sarah Käsmayr (Maro Verlag) erläuterte, was der Verlagsbranche allein in diesem Jahr widerfahren ist: Die Insolvenz von KNV, die Zusammenstreichung des Titelbestandes bei Libri und nicht zuletzt die drastische Erhöhung des Portos für Büchersendungen.

Sabine Dörlemann (DörlemannVerlag) berichtete, dass wirtschaftliche die Förderung, die unabhängige Schweizer Verlage inzwischen ohne Ansehen des Verlagsprogramms erfahren, schon helfe, „die Miete zu zahlen“, doch sie stellte auch heraus, dass damit die Verluste, die die Verlage durch den Umrechnungskurs zwischen Franken und Euro erleiden, nur bedingt ausgeglichen würden.

Einig waren sich alle auf dem Podium darin, dass man Kulturstaatsministerin Monika Grütters dafür danke, dass sie den Deutschen Buchhandlungspreis und den Deutschen Verlagspreis initiiert habe, dennoch stehe die Branche weiterhin vor großen Problemen. Alle bekannten sich dazu, „Überzeugungstäter“ zu sein. Man veröffentliche auch dann Bücher, wenn sich andeute, dass damit vielleicht kein Gewinn zu erzielen sei- denn die kulturelle Vielfalt, die Bibliodiversität verlange dies.

Auch dem Bayerischen Kulturministerium ist dies offenkundig bewusst: Die Unterzeichner des Offenen Briefes bekamen letzte Woche Post vom Bayerischen Kulturministerium. Ein "Call for Papers" möchte nicht nur den Unterzeichnern, sondern "allen unabhängigen Verlagen in Bayern die Gelegenheit geben, Vorschläge einzureichen", eine Diskussion am Runden Tisch über die Vorschläge einer künftigen Förderung wurde in Ausicht gestellt – Hoffnung besteht also.

Jörg Sundermeier

Jörg Sundermeier © Cordula Giese

Jörg Sundermeier moderierte die Diskussion. Er leitet gemeinsam mit Kristine Listau den Verbrecher Verlag (gegründet 1995). Neben Belletristik veröffentlicht der Verbrecher Verlag Sach- und Kunstbücher sowie eine Stadtbuch- und eine Filmliteratur-Reihe. 

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