Nachruf auf Johannes Stricker

"Du warst diskret und klug und  hattest einen schönen leisen Witz"

20. Februar 2026
Redaktion Börsenblatt

Johannes Stricker, bis 2022 Verleger von Hörbuch Hamburg, ist am 29. November 2025 im Alter von 62 Jahren gestorben. Ein Nachruf von Margit Osterwold, Gründerin von Hörbuch Hamburg, und Gabriele Kreis, Mitarbeiterin der ersten Stunde und Freundin. 

Johannes Stricker

Johannes Stricker

Was wäre wohl aus Hörbuch Hamburg geworden, wenn es nicht gelungen wäre, Johannes Stricker vom Münchner Hörverlag wegzulocken zu Hörbuch Hamburg? Nicht auszudenken! Hörbuch Hamburg war damals klein und sehr fein, wenige Räume, mehr Wohnung als Büro. Team und Programm (beides klein): mutig, ambitioniert, engagiert. Als er 2022 nach vierzehn Jahren, davon dreizehn als Geschäftsführer, den Verlag auf eigenen Wunsch verließ, war aus Hörbuch Hamburg einer der größten Player auf dem deutschen Hörbuchmarkt geworden – mit einer Dependance in Berlin, neuen Imprints, neuen weitläufigen Verlagsräumen in Hamburg. Team und Programm (riesig jetzt): immer noch, immer wieder mutig, ambitioniert, engagiert. Wobei das Geldverdienen nie vergessen wurde … 

Verlags-Bürokratie ist nie so ganz dein Ding gewesen: Rechte verhandeln, sich mit der Gema rumstreiten, alle Jahre wieder: Jahresabschluss. Zahlen, Zahlen, Zahlen! Dennoch hast du das Haus deinem Nachfolger bestens bestellt übergeben.

Dir hat gewiss nicht jeder Titel gefallen, aber du wusstest: Die Mischung macht’s! Alles richtig gemacht, lieber Johannes! Du hast die Digitalisierung nicht verschlafen, Hörbuch Hamburg ist unter deiner Leitung zu einem der zentralen Gestalter des Audiomarktes geworden. Und dann hast du dich verabschiedet. Überraschung, Entsetzen: Wie kann er nur?! Du konntest! Wir haben uns mit dir, für dich gefreut. Verlags-Bürokratie ist nie so ganz dein Ding gewesen: Rechte verhandeln, sich mit der Gema rumstreiten, alle Jahre wieder: Jahresabschluss. Zahlen, Zahlen, Zahlen! Dennoch hast du das Haus deinem Nachfolger bestens bestellt übergeben.

Jetzt weinen wir um dich. So selbstbestimmt, wie du immer leben wolltest, bist du aus dem Leben gegangen nach einer schrecklichen Diagnose. Dieser Mut! Ja, du warst mutig, Johannes.

Du wolltest wieder frei sein, auch frei von verlegerischer Verantwortung, wolltest reisen, was Neues entdecken, dich neu erleben, mal gucken, was es noch so alles gibt, was noch so alles möglich ist im Leben, deinem Leben. Und im Leben zusammen mit deinem Liebsten und deinen Freunden. Mit dir zu reisen – überhaupt mit dir unterwegs zu sein – war wunderbar, du warst neugierig, aber drängtest dich nie der Fremde auf, du warst kein Angeber, du hattest Anstand, du warst ein guter Beobachter, vorurteilsfrei und menschenfreundlich, du warst diskret und klug und hattest einen schönen leisen Witz, du kamst mit uns zurecht (und wir sind nicht immer einfach…), man konnte mit dir trinken gehen und tanzen, ja, auch das, man konnte mit dir lachen und vermutlich auch weinen. Jetzt weinen wir um dich. So selbstbestimmt, wie du immer leben wolltest, bist du aus dem Leben gegangen nach einer schrecklichen Diagnose. Dieser Mut! Ja, du warst mutig, Johannes.

2008 haben wir uns in einem Kaffeegarten im feinen Hamburger Westen das erste Mal zu dritt getroffen. Es war gewissermaßen dein ‚Antrittsbesuch‘, und es war Freundschaft auf den ersten Blick. Die Erinnerung daran bleibt. Und an viel Schönes anderes auch. Aber das behalten wir für uns.

Margrit Osterwold (Verlagsgründerin), Dr. Gabriele Kreis (Mitarbeiterin der ersten Stunde und Freundin)