Bertolt-Brecht-Preis an Sibylle Berg

"Meisterin der illusionslosen Analyse"

Sibylle Berg erhält für ihr Werk den mit 15.000 Euro dotierten Bertolt-Brecht-Preis 2020 der Stadt Augsburg. Es ist innerhalb weniger Monate der dritte Literaturpreis für die in Zürich und Tel Aviv lebende Autorin.

Sibylle Berg

Sibylle Berg © Joseph Strauch

Das teilte die Stadt Augsburg mit. In der Jury-Begründung heißt es: "Sibylle Berg ist eine Virtuosin der literarischen Kälte und der Klarheit, eine Meisterin des nüchternen Blickes und der illusionslosen Analyse. 'Denn für dieses Leben', sang einst Bertolt Brecht, 'ist der Mensch nicht gut genug'. Literatur dient, davon sind Berg und Brecht überzeugt, nicht dem Trost oder der gefälligen Verschönerung der Welt. Sondern dazu, Bosheit und Not samt deren Ursachen mit brutaler Offenheit zu benennen." Berg sei "eine große Auf-den-Hut-Hauerin der deutschen Gegenwartsliteratur". Sie sei das nicht aus Übermut oder Zynismus. Hinter der leidenschaftlichen Wildheit ihrer Stücke und Romane stehen ein gar nicht so geheimer Humanismus und ein inständiger Wunsch nach Besserung. Sie erspaet den Lesern ihrer Romane und Zuschauern ihrer Stücke nichts. "Auch nicht die Verantwortung, aus dem zu lernen, was sie da lesen oder sehen", so die Jury.

Sibylle Berg wurde in Weimar geboren. Sie studierte unter anderem Ozeanographie und Politikwissenschaften an der Universität in Hamburg. Seit 1995 lebt sie in Zürich und Tel Aviv und hat die Schweizer Staatsbürgerschaft. Ihr Werk umfasst 25 Theaterstücke, 14 Romane und wurde in rund 34 Sprachen übersetzt.

Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt im November den Schweizer Buchpreis (2019) für "GRM − Brainfuck" (Kiepenheuer & Witsch) sowie den Schweizer Grand Prix Literatur 2020, den sie am 13. Februar in Empfang nimmt. 

Preisverleihung mit Kreidler

Die Verleihung des Bertolt-Brecht-Preises 2020 findet − während des Brechtfestivals (14.−23. Feburar) − am 18. Februar im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses statt. Das Staatstheater Augsburg zeigt im Rahmen der Feier einen Ausschnitt der Inszenierung "Und jetzt: die Welt!" (Theatertext von Sibylle Berg). Die Düsseldorfer Band Kreidler, die schon mehrfach mit Berg auf der Bühne stand, sorgt für die musikalische Umrahmung.

Zum Preis

Zu Ehren des 1898 in Augsburg geborenen Dichters Bertolt Brecht verleiht die Stadt Augsburg seit 1995 alle drei Jahre und seit 2016 alle zwei Jahre den Bertolt-Brecht-Preis (Dotierung: 15.000 Euro) an Persönlichkeiten, die sich in ihrem literarischen Schaffen durch die kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart auszeichnen. Das jeweils ausgezeichnete Werk soll in Beziehung zu Bertolt Brecht stehen und dessen Geist weitertragen. Bisherige Preisträger*innen sind Franz Xaver Kroetz, Robert Gernhardt, Urs Widmer, Christoph Ransmayr, Dea Loher, Albert Ostermaier, Ingo Schulze, Silke Scheuermann und Nino Haratischwili.

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