Den Skatbrüdern der Titanic in Dankbarkeit

Ein Kreuz hat jeder

Seit es die "Titanic" gibt, erscheint dort die geniale Rubrik "Briefe an die Leser". In einem dieser Briefe wenden sich die Frankfurter Satiriker jetzt an den Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir persönlich. Was die unverhoffte Ehre mit ihm macht, schildert er hier.

Die Titanic nimmt Torsten Casimir und das Börsenblatt aufs Korn

Die Titanic nimmt Torsten Casimir und das Börsenblatt aufs Korn © Julia Zimmermann

Heute ist ein besonderer Tag für mich. Die Titanic hat mir geschrieben. Einen ihrer berühmten Briefe an die Leser. Mir persönlich: „Hey, Torsten Casimir“ steht drüber. Zuerst bekam ich einen Schreck, denn es ist für den Adressaten oft nicht günstig, was in diesen Briefen steht. Aber dann las ich und war gerührt, nicht geschüttelt.

Der Absender hatte ein Dezember-Editorial im gedruckten Börsenblatt gelesen, wo es um das schleppende Weihnachtsgeschäft ging und ich mit einer derben Metapher der Zuversicht helfen wollte, dass – wie die Handballer immer sagen – der Buchhandel in einem abschließenden Kraftakt noch „die letzten Körner rausschießt“. Ich tat es mit dem für diese Zwecke brauchbaren Satz „Hinten kackt die Ente.“

Das hat die Titanic-Leute irgendwie angesprochen, und sie machen mir nun eine Fülle weiterer Vorschläge für Durchhalteparolen – von „Bienchen sticht von hinten“ (sehr wahr!) über „Kleinvieh macht auch Mist“ (achtet mir die Taschenbücher!) bis zu dem schönen Skatspruch „Die Hose hängt noch nicht am Bette“ (den man ruft, wenn ein sicher geglaubtes Spiel noch nicht gelaufen ist).

Meine lieben Skatbrüder von der Titanic: Natürlich bin ich froh, bei Euch noch einmal glimpflich davongekommen zu sein. Viel größer aber als meine Erleichterung ist die Freude darüber, dass meine seit Jahrzehnten liebste Rubrik MIR schreibt, ihrem wirklich treuen Leser. Ihr könnt es nicht wissen, aber es ist so, dass ich schon in den 1990er Jahren, damals arbeitete ich für eine Tageszeitung, anfing, meine eigenen Briefe an die Leser zu sammeln, echte, den Leserinnen und Lesern tatsächlich zugestellte Briefe.

Ihr wart und seid meine Helden, bis heute unerreicht. Die ein oder andere Leser-Blatt-Bindung, die ich durch einen solchen Brief hoffentlich verfestigen konnte, verdankt sich Eurem Vorbild. Zwei dicke Leitz-Ordner haben sich inzwischen mit Material gefüllt. Irgendwann, so träume ich seither, wird mal ein Büchlein draus. Aber nicht so bald, zu viel anderes liegt gerade an. Noch hängt die Hose nicht am Bette.

Ein Kreuz hat jeder.
Auch Torsten, Euer größter Fan

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