Analyse zur Situation bei Bastei Lübbe

Öffentlicher Schaden

Bastei Lübbe sorgt schon wieder für Schlagzeilen: Der Konzern muss seine Ergebnisprognose kräftig senken. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Kölner verschätzt haben. Andere Unternehmen allerdings tun das auch - nur da landet nicht alles vor großem Publikum. Eine Analyse von Christina Schulte, stellvertretende Chefredakteurin des Börsenblatts.

Christina Schulte

Christina Schulte © Fotostudio Thomas

Bastei Lübbe ist die Verkündigung schlechter Nachrichten gewöhnt, könnte man sagen. In den letzten Jahren mussten die Kölner immer wieder Prognosen revidieren, Erwartungen dämpfen, harte Einschnitte durch Restrukturierungen bekannt geben. Als börsennotiertes Unternehmen, das der Konzern nun einmal ist, geschieht all dies vor den Augen der Finanzwelt und der interessierten Öffentlichkeit. Die "Strafe" für solche Meldungen folgt dann auf den Fuß.

Die Börse hat Bastei Lübbe am heutigen Freitag mit einem Kursverlust von mehr als einem Viertel heftig abgestraft und den Unternehmenswert entsprechend gemindert. Das Vertrauen der Anteilseigner hat einen weiteren Dämpfer erlitten. Zur Erinnerung: Rund 40 Prozent des Unternehmens befinden sich in Streubesitz, die größten Aktionäre sind mit 33 Prozent Birgit Lübbe und mit neun Prozent die Familie Roggen.

Offenbar gestaltet sich der Rückbau des internationalen Medienkonzerns, den die Kölner als große Vision vor Augen hatten und der unter CEO Carel Halff seit mehr als zwei Jahren rückabgewickelt wird, alles andere als einfach. Die Strategie "Back to the roots" enthält viele Fallstricke und kostet jede Menge Geld. Gerade wird der Notfallpatient Daedalic Entertainment behandelt – die Beteiligung an dem Spieleentwickler war einst Projektionsfläche hoher Wachstumserwartungen und sollte zudem lukrative Heimat der digitalen Verlängerung von Werken der Bastei-Lübbe-Starautoren sein. Weil sich diese Hoffnungen nicht in gewünschtem Maße erfüllt haben, muss jetzt mittels hoher Wertberichtigungen von zwölf bis 14 Millionen Euro korrigiert werden. Eine Korrektur, die sich nicht nur bei Daedalic auswirkt, sondern auf den gesamten Konzern durchschlägt und ihm das angepeilte Ergebnis für das laufende Geschäftsjahr verhageln wird.

Nebenbei bemerkt: Wenn sich Hoffnungen – wieder einmal – zerschlagen, lohnt sich die ehrliche Frage danach, ob das Wünschen vielleicht zu schlecht begründet war. (Digitale) Geschäftsmodelle sind etwas anderes als euphorisches Storytelling über (digitale) Geschäftsmodelle. Manche Erzählungen enden im Nichts.

Nun ist es keinesfalls so, dass es anderen Medienunternehmen anders geht. Nahezu überall werden neue Geschäftsmodelle getestet, in den Himmel gehoben und dann doch stillschweigend wieder begraben. Welche hochfliegenden Pläne dabei nicht erfüllt wurden und wieviel Geld verbrannt wurde, bleibt wohlgehütetes Geheimnis des jeweiligen Inner Circle. Diese Option hat Bastei Lübbe nicht. Die Publizitätspflicht zwingt das Unternehmen dazu, seine Fehleinschätzungen coram publico auszubreiten. Dass die Reißleine manchmal dennoch erst recht spät gezogen wird und die Auswirkungen dann umso heftiger zu Buche schlagen, ist kein Einzelfall. Selbst Kontrollgremien glauben häufig lieber und gern auch über einen längeren Zeitraum an den Erfolg als an den Misserfolg.

Die Erschütterungen bei Daedalic werden den Konzern weiter beschäftigen - auf den neuen Vorstand, der mit Simon Decot, Sandra Dittert und Joachim Herbst als Sprecher bereits benannt ist und sich bis zum Herbst formiert haben wird, warten keine leichten Aufgaben.

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