Offener Brief von Thomas Montasser

Amazon – Hallo, geht’s noch?

"Ich wünsche mir von der Branche, dass sie aufsteht und sich das nicht bieten lässt", schreibt der Literaturagent und Autor Thomas Montasser in einem Offenen Brief − meint: aufstehen gegen Amazon und dessen Auslieferungspolitik von gedruckten Büchern in Zeiten der Corona-Krise. Lesen Sie hier den Brief im Wortlaut.

Thomas Montasser

Thomas Montasser © Mariam Montasser

Die Buchbranche erlebt umwälzende Zeiten. Wie Kleiderboutiquen, Schuhgeschäfte oder Blumenläden, bleiben auch die Buchhandlungen zu. Sehr zur Freude der Versandbuchhändler, allen voran natürlich Amazon. Die haben doch nur auf die Chance gewartet, zu zeigen, wie prompt und zuverlässig sie liefern können. Oder?

Das Erstaunen war groß, dass der weltgrößte Versandbuchhändler stattdessen genau das Gegenteil tut! Bücher, die bereits erschienen sind, werden mit bis zu vier Wochen Lieferzeit annonciert, Novitäten der kommenden Wochen sind zeitweise nicht vorbestellbar. Stattdessen landet, wer ein Buch sucht, unmittelbar im Kindle-Shop und muss sich über andere Ausgaben des betreffenden Werks erst einmal mit mehreren Klicks schlau machen.

Angeblich begründet Amazon dieses Vorgehen damit, dass man jetzt wichtigere Dinge prioritär ausliefern müsse, auf Bücher könne man einfach länger warten, als auf das Nötigste. Stimmt: den "TEENO Akku-Bohrschrauber" brauche ich natürlich bis morgen, das "Frau Dufte − Schaumbad für Zwei" und das "Nico Flitter Tischfeuerwerk" erst recht!

Amazon, entlave dich doch nicht selbst als Lügner! Du hast tausende Sortimentsbuchhandlungen weggebissen. Jetzt nutzt du deine Marktmacht schamlos aus, um das E-Book durchzusetzen. Die Läden sind dicht, die Alternativen beschränkt. Mach es den Leuten so schwer wie möglich, ein Printbuch zu erwerben, dann nehmen sie schon das E-Book. Ist ja auch fein: Dafür brauchst du nämlich keine Mitarbeiter, die bezahlt werden müssten, keine Zulieferer, die ihren Anteil bekommen, du hast keine Lagerkosten und keine Lieferkosten – großartig! Am besten, du drängst die Kunden so intensiv wie möglich ins E-Book-Streaming! Dann musst du auch nur noch nach gelesenen Buchstaben abrechnen und zahlst sowieso nur noch einen Bruchteil an die Verlage aus, die ihrerseits einen Bruchteil vom Bruchteil an die Autoren ausschütten.

Autoren? War da was? Ach ja! Natürlich sollen die ihre Bücher weiterschreiben. Es genügt leider auch nicht, wenn sie einfach das Alphabet abliefern, weil ja nur noch nach gelesenen Buchstaben abgerechnet wird. Das heißt: Sie sollen sich bitteschön schon die Arbeit machen, ein ganzes Buch zu schreiben, auch wenn sie nur noch für einen Teil davon bezahlt werden. Denn so ganz ohne Buch kann man Bücher leider nicht mal scheibchenweise verkaufen. Das ist ähnlich wie beim Schinken: Ohne das Schwein als Ganzes zu schlachten, kommt man nicht gut ran.

Bald sind wir also die Schweine, die von Amazon zum Schlachten getrieben werden, und zwar in der Hoffnung, dass sich die Leser für die lukrativsten Stücke entscheiden. Der Rest wird nicht bezahlt, sondern darf nur die Auslage schmücken.

Ich wünsche mir von der Branche, dass sie aufsteht und sich das nicht bieten lässt. Verlage, macht eurem größten Vertriebspartner klar, dass er jetzt liefern muss – und zwar buchstäblich. Lasst euch nicht bei jeder neuen Verhandlungsrunde über Konditionen von Amazon auspressen, und dann legt der Großhändler die Beine hoch, wenn man ihn braucht. Fürs Klopapier und die Tiefkühlerbsen braucht kein Mensch Amazon, denn die Supermärkte und die Drogerien sind geöffnet. Für Bücher brauchen wir jetzt Versandhändler. Einmal könnte Amazon beweisen, dass es für etwas gut ist, und dann lasst ihr den Laden von der Angel und schaut einfach zu, wie er den Niedergang der Sortimenter aussitzt? Eure Bücher brauchen jetzt alle Unterstützung, eure Autoren erst recht – auch die von Amazon.

Zum Glück gibt es die tausenden von echten Buchhändlern, die sich für ihr Produkt interessieren und engagieren. Sie schaffen es, aus dem Nichts funktionierende Lieferdienste aus dem Boden zu stampfen und die Menschen mit Lektüre zu versorgen. Sie sind die Helden der Stunde!

Denn Bücher sind nicht weniger wichtig als Duftkerzen und Bohrschrauber! Bücher sind jetzt das Beste, womit man sich beschäftigen kann! Sie geben uns Sinn und Hoffnung, sie unterhalten uns und klären uns auf. Wer jetzt ein Buch kauft, stützt die Autoren und die Verlage. Wer es bei seinem örtlichen Buchhändler bestellt und sich liefern lässt, stützt die kleinen Unternehmen, ohne die unsere Städte Wüsten wären. Und nur wer keine solche kleine, liefernde Buchhandlung in der Nähe hat, der sollte seine Bücher dort bestellen, wo man sie nicht versteckt und wo man sie prompt liefert. Amazon, denk doch mal darüber nach, ob du nicht auch ein solcher Buchhändler sein willst! Sonst gibt es natürlich auch thalia.de, hugendubel.de, buecher.de, weltbild.de und viele andere, die genauso gute Bücher liefern – nur dass sie besser liefern!

Mit den besten Grüßen und mit tausend Dank an die wundervollen Buchhändlerinnen und Buchhändler, die dem Virus, dem Wahnsinn und dem unfairen Wettbewerber die Stirn bieten. Bleiben Sie uns gewogen und bleiben Sie gesund!

Herzlich

Ihr

Thomas Montasser

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29 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Christian Reichenbach

    Christian Reichenbach

    Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass bei den eBooks in den Kindle Top 10 inzwischen die Mehrzahl der Titel aus Amazon-Eigenverlagen kommt. Aktuell sind es 6/10. Es waren zweitweise aber auch schon 8/10. Honi soit qui mal y pense.

  • Manfred Fischer-Verlagsvertreter

    Manfred Fischer-Verlagsvertreter

    Wo Schatten da auch Licht!
    und gar nicht wenig! sehr viele meiner Kunden haben in dieser Kriese ordentlich zu tun weil die Onlinebestellungen in den vielen Buchhandlungen die gut aufgestellt sind, sehr hoch sind. Die kommen teilweise gar nicht mehr auf taggleiche Selbst-Auslieferung.
    Aber natürlich, trotzdem mit starken Umsatzrückgängen, keine FRage.
    Aber ehrlich, was kann mir als Einzelhändler besseres passieren als das ein großer Konkurrent sich selber aus dem Rennen nimmt.
    Und jeder der ein BUCH habe möchte und es auf der A. Seite nicht findet, scrollt zum nächsten Anbieter, am besten zu dem der ums Eck telefonisch/Online erreichbar ist und bestellt dort. Und der greift nicht als Ersatzlösung zum e-book, ganz sicher nicht!
    Leute, macht das Beste draus und seid weiter engagiert für euren Laden!
    Die Verlage werden euch dankbar sein!

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    Das ist richtig: "Amazon, entlave dich doch nicht selbst als Lügner! Du hast tausende Sortimentsbuchhandlungen weggebissen. Jetzt nutzt du deine Marktmacht schamlos aus, um das E-Book durchzusetzen." Vielen Dank für den guten Beitrag. Ich sag ja schon lange: *AmaZorn. Wir, als kleiner inhabergeführter Fachverlag für den Lese-Rechtschreiberwerb, liefern nicht direkt an das große A. (aber natürlich indirekt über die Barsortimente). Was kann man aber noch tun?

  • E. Preik

    E. Preik

    Ich schließe mich grundsätzlich diesem offenen Brief an. Bin seit Jahren Kunde bei amazon, und habe noch NIE derartig lange auch nur auf den Versand (ganz zu schweigen vom Einteffen) von auf Lager befindlichen Büchern gewartet!

    Seltsam finde ich allerdings, dass amazon selber angibt, Bücher mit zu den priorisierten Waren zu zählen (zu lesen beim entsprechenden Link zu Covid 19 auf deren Seite)!
    Da kann ja irgendwas ganz und gar nicht stimmen, denn die Handlungen entsprechen nun mal in keinster Weise den vollmundigen Ankündigungen, und so etwas finde ich persönlich einfach peinlich für ein derartig großes Unternehmen!
    Bin am Überlegen, die getätigten Buchbestellungen tatsächlich noch zu stornieren, wenn allein schon die Benachrichtigung, dass sie versendet wurden, bis jetzt eine Woche dauert.

  • York Bieger, Psychiatrie Verlag

    York Bieger, Psychiatrie Verlag

    Es ist richtig, Amazon dafür zu kritisieren, was Amazon ist: ein rücksichtsloser Verdränger von Markt und Kultur, der zudem kaum Steuern zahlt, die gerade jetzt so nötig wären.
    Schwierigkeiten habe ich aber damit, Amazon jetzt aufzufordern, doch bitte wieder Bücher auszuliefern, wie ich es hier und in den letzten Tagen öfter lese und höre. Klar verliere auch ich gerade geschätzt die Hälfte meines Umsatzes, aber wäre das nicht umgekehrt ein Grund, gerade jetzt die Notwendigkeit des örtlichen Buchhandels nicht nur zu betonen, sondern die Zuarbeit für Amazon auf das notwendigste Maß zu beschränken? Oder Hinweise auf Amazon-Bezugsmöglichkeiten aus allen möglichen Webshops zu entfernen oder dessen Entfernung im eigenen Umfeld anzuregen?

  • Andreas V

    Andreas V

    Ein sehr treffender Kommentar! Und wenn es schon Onlineversand sein muss und vor Ort keine Buchhandlung existiert, die liefert, sollten es am besten die Online-Buchhändler mit sozialem Mehrwert sein:
    - shop.autorenwelt.de (Hier erhalten registrierte Autor*innen 7% mehr von jedem Buchverkauf)
    - buch7.de (75% des Gewinns werden an soziale Projekte gespendet.)

  • Stephanie Lange

    Stephanie Lange

    Eine spannende Frage für alle Buchhändler bezieht sich in den Tagen der Krise auf genau dieses Thema! Als Händler weiß man, dass viele der Kunden, auch treue Stammkundinnen und Stammkunden, einen Teil ihres Bedarfs online bei Amazon beziehen. Nämlich immer dann, wenn es schnell gehen muss, eindeutig ist, man irgendwie antriebslos ist…. Jetzt haben wir die Chance genau diese Kunden von unserem besonderen Service zu überzeugen. Im Vergleich der Kundinnen und Kunden schneiden in diesen Tagen besonders die regionalen Händler richtig gut ab. Zusätzlich tun sich dadurch auch Chancen für Neukunden auf, die wir schon verloren glaubten. Entscheidend ist jetzt der Weg der Kommunikation, der vom Händler dafür gewählt wird. Verbunden mit einer Haltung gänzlich ohne Vorwurf. Das ist schwer, wenn die individuelle Lieferung für die Händler mit hohen Kosten bei gleichzeitig sinkenden Warenkörben verbunden ist. Möge es gelingen!

  • Peter Herren

    Peter Herren

    Die Wahrheit ist: Das Print-Buch und damit der stationäre Buchhandel sind dem Ende geweiht. Nur will das die Branche nicht wahrhaben - und gibt ausgerechnet Amazon die Schuld.
    Dabei hätte sie gewarnt sein können, siehe CD, DVD, jetzt ist das Printbuch dran. Als nächstes kommen die Tageszeitung, das Kino und zu guter letzt das klassische Fernsehformat.
    Wer was anderes behauptet, verschließt die Augen vor der (nicht aufhaltbaren) Entwicklung (und wird umso böser erwischt). Die aktuelle Krise beschleunigt diese Entwicklung nur noch ...

  • Ulf Torreck

    Ulf Torreck

    Dieser Text erinnert schon an eigentlich längst vergessene Grabenkämpfe aus den Jahren zwischen 2011 und 215/16. Ohne die Leistung der BuchhändlerInnen in irgendeiner Weise schmälern zu wollen, finde ich, dass sowohl im Text wie in der Diskussion einj - nicht ganz zu vernachlässigender Aspekt - nicht thematisiert wurde. Wir Autoren, die - excuse my french - immerhin das "Produkt" erstellen, von dem die Buchbranche lebt, nämlich - Achtung! Texte/ Romone/ Sachbücher, sind ganz happy damit, dass das eBook existiert, weil es nämlich uns und unseren Partnern, den Verlagen, selbst in Pandemiezeiten immerhin noch einen stetiges Restumsatz garantiert, der eben auch durch Amazon ermöglicht wird oder Weltbild oder Thalia ode, oder, oder wie die Seiten alle heißen, die eBooks anbieten. Es erstaunt mich daher, dass der Herr, der den oben nachzulesenden Text verfasste, kein Wort über uns, die Autoren verloren hat. Umso mehr, da angegeben wird, dass er Agent sei. Da sollte ihm bewusst sein, dass wir an jedem verkauften eBook in der Regel sogar mehr Tantieme verdienen als an der Printvariante. und, ich wiederhole es gern noch einmal in leichter Sprache zum merken, drüber nachsinnen oder ja sogar mitschreiben: Ohne Autoren keine Buchbranche. Doch ohne Umsätze bald auch gar keine Autoren mehr.

  • Sabine G

    Sabine G

    Es ist verständlich, dass Amazon es versucht, sein Kindle-Ökosystem durchzudrücken. In Deutschland gibt es dank der Tolino-Allianz eine echte Alternative zu Amazon für E-Books. Die würde man zu gerne verdrängen.

    Es passt auch durchaus ins Konzept wenn die Verlage deutlich zu spüren kriegen, wie abhängig sie von Amazon sind. Da kann man nur hoffen, dass das Bundeskartellamt aufwacht. Amazon hat ungeheuer davon profitiert, dass das Bundeskartellamt im Jahr 2004 die Verlage wissen ließ, dass sie sich ja nicht dem Lieferboykott von Diogenes anschließen sollten.

    Die wahre Marktmacht von Amazon kann man nicht mit dem Marktanteil bei den Konsumenten bestimmen. Die zeigt sich beim Absatzanteil der Verlage, viele könnten ohne Amazon nicht ohne Weiteres über die Runden kommen.

    Wir brauchen ein Einschreiten des Bundeskartellamts in Sachen Rabatte. In der Vergangenheit gab es einmal ein Urteil, wonach mehr als 50% nicht gewährt werden dürfen. Da sollte man anknüpfen und alle Schlupflöcher schließen.

  • Arkadi Junold

    Arkadi Junold

    Ich kann mich nur bei den vielen deutschen Buchhandlungen bedanken, die in den letzten Tagen alles getan haben, um auch das Printbuch und auch die bestehenden Vertriebsstrukturen aufrecht zu erhalten. Mir als Verleger hat das sehr viel Mut gemacht, weiterzumachen, aber auch, nicht mit Amazon zusammenzuarbeiten, wissend, daß e-books kein Geschäftsmodell für mich sind, dazu sind die Zahlen der Titel, die ich als e-book gelistet habe, einfach zu schlecht.

  • Kati

    Kati

    Ich bestell meine Bücher zur Zeit bei Thalia oder Weltbild. Oder über booklooker. Gerade jetzt im Homeoffice kann ich endlich mal in Ruhe Fachbücher lesen. Da ist es mir schon wichtig, diese rechtzeitig zu bekommen.

  • Sven

    Sven

    Vielleicht sollte Herr Montasser auch mal die Kunden kritisieren sie, die alles innerhalb von kurzer Zeit zu Hause haben möchten.
    Wenn Amazon mir, statt eines Buches eine Kindleversion andrehen möchte, bestelle ich trotzdem das Buch und warte halt darauf auch wenn es länger dauert.
    Oder ich nutze einen Buchladen um die Ecke.
    Allerdings nicht Ketten wie Thalia, die nutzen nämlich genauso ihre Stellung um kleinere Geschäfte kaputt zu machen, kurioserweise stört das Herr Montasser scheinbar nicht.

  • Sabine Greif

    Sabine Greif

    Deshalb liebe Buchfreunde, schaut euch um in eurer Stadt. Auch da gibt es kleine Buchhandlungen, die eure Hilfe benötigen. In Zeiten von Corona kann i h meine Bücher da per Mail bestellen und kriege die zwei oder drei Tage später per Bote mit Rechnung. Eben Kontaktlos. Amazon du kannst mich mal - gerade jetzt.

  • Buchhandlung Middle Earth

    Buchhandlung Middle Earth

    Fast jede Buchhandlung hat heute eine Internetseite. Die Leser können dort bestellen. Einfach mal wechseln. Warum immer nur bei Amazon bestellen. Alle haben es selbst in der Hand wen sie unterstützen möchten. Es zählt nicht nur die eigene Bequemlichkeit.

  • Thorsten M

    Thorsten M

    Mit Verlaub, der Kommentar ist bizarr. Ist ja in Ordnung, sich emotional zu ergießen. Aber nicht in dieser Publikation, daher möchte ich auch die Redaktion kritisieren. Der Text strotzt vor unsachlichen Unterstellungen, Unkenntnis und Unterkomplexität. Herr Montasser. So eine schlechte Polemik macht es leider schwierig, gezielt die berechtigen Kritikpunkte bei Amazon anzubringen. Und Ihr Ist-doch-ganz-klar-und.einfach verkennt die schwierige Situation, in der sich Verlage und Händler befinden. Amazon ist nur eines von vielen Teilen des Problems. Wer es sich zu einfach macht, sorgt aktiv dafür, dass die Branche den Wandel nicht bewältigt. Mehr Diskurs bitte, mehr gute Ideen, auf jeden Fall aber weniger Polemik.

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    Liebe Sabine G., absolut richtig: "...Absatzanteil der Verlage, viele könnten ohne Amazon nicht ohne Weiteres über die Runden kommen", und auch: "Wir brauchen ein Einschreiten des Bundeskartellamts in Sachen Rabatte. In der Vergangenheit gab es einmal ein Urteil, wonach mehr als 50 % nicht gewährt werden dürfen. Da sollte man anknüpfen und alle Schlupflöcher schließen." 50 Prozent reicht aber oftmals nicht mal. Libri verlangt leider schon seit Jahren 52,5 % (!) für Titel unter 10,- Euro.

  • Ebook Lover

    Ebook Lover

    Ich kann es, ganz ehrlich, langsam nicht mehr hören. Warum trauern wir Printausgaben so hinterher? Das tun wir doch auch nicht bei Videokassetten, Schallplatten oder Floppy Disks.
    Ja, manchmal vermisse auch ich den vielumworbenen "Duft" eines Buches. Aber dafür tagelang auf seine Auslieferung zu warten? Mich gepäcktechnisch entscheiden zu müssen, welche Bücher ich mit in den Urlaub nehme? Beim Umzug, wie damals, 50 Bücherkisten in den vierten Stock schleppen? - Wir sind endlich im 21. Jahrhundert angekommen. Über Amazon kann man denken, was man will, aber der Markt bestimmt nun mal das Handeln. Wenn niemand eBooks lesen würde, würde Amazon sie auch nicht verkaufen. Das "Streamingangebot" von Büchern zu verteufeln hat zudem etwas von einer Klasse Menschen, die damals sicher auch gegen die Einführung von Büchereien gewettert haben. Hier zeigt sich wieder einmal, dass man hinter dem Deckmäntelchen des Idealismus nur ans Geld denkt und jetzt wie das fette Mädchen am Valentinstag beleidigt in der Ecke sitzt, weil Zeiten wie diese innovative Möglichkeiten der Auslieferung fördern.

  • Gisa Pauly

    Gisa Pauly

    Danke für diesen wunderbaren Brief!!!

  • R. Veraguth

    R. Veraguth

    Ich bestelle meine Bücher stets in meiner Buchhandlung in eine Kleinstadt. Die liefern sogar durch die Chefin selbst per Fahrrad. Und zwar schon am darauffolgenden Tag. Auch bei kleinen Buchhandlungen gibt es Bestellmöglichkeiten per Internet oder schlimmstenfalls via e-Mail. Amazon braucht niemand! Schon gar nicht, wenn sich der reichste Mann der Welt dazu herunterlässt Kunden aufzufordern, dass man für seine Mitarbeitenden doch spenden soll und ein Spendenkonto dafür einrichtet? Das ist so was von dreist.
    Und jetzt noch etwas zum Post von Peter Herren. Das gedruckte Buch ist keineswegs dem Untergang geweiht. Im Gegenteil. Das eBook ist in den Staaten grandios gescheitert. Der Marktanteil liegt bei unter 2%!! Man sollte sich vielleicht vorher einmal die Zahlen des Börsenvereins anschauen, bevor man etwas schreibt. Und vielleicht sollte man endlich einmal erkennen, dass Amazon zwar gross ist, aber den Buchhandel nicht dermassen bestimmt, wie man annimmt. Gemäss Branchen-Monitor erreicht der Internetbuchhandel einen Anteil von 19,5% (inkl. Amazon) Ich kenne den Marktanteil am Internetbuchhandel von Amazon nicht. Könnte vielleicht 50 % sein. Dann wäre es so, dass Herr Bezos gerade Mal 10% Marktanteil am Deutschen Buchmarkt hätte. Und das seit Jahren. Beobachten aber nicht Angst haben. Amazon macht sein Geld nicht mit Büchern. Das ist ein Gemischtwarenhändler. Bei uns in der Schweiz ist sein Marktanteil bei den Büchern noch einmal kleiner.

  • Christoph Laumann

    Christoph Laumann

    Amazon wird gebraucht wie der Corona Virus oder die schwarze Pest, nämlich gar nicht. Ich finde es unerträglich, wie wenig Gedanken sich viele Menschen machen. Leben neben einem Buchladen und bestellen bei Amazon und erwarten dann noch, dass die Einzelhändler das Paket annehmen. Wie blöd werden wir?
    In ländlichen Gebieten sieht das dann schon anders aus, da kann ich verstehen, dass Menschen bei Versandhändlern bestellen, aber besser wäre es wenn sie nicht bei einem Koloss wie Amazon bestellen, der ja am liebsten ALLES KONTROLLIEREN würde.

  • Ulf Torreck

    Ulf Torreck

    Sehr verehrter Herr R. Veraguth, woher nehmen Sie denn jene doch recht überraschende Meinung das eBook sei in den "Staaten" "grandios gescheitert"? Ich -. als zugegeben - auch Verfasser und Anbieter von selbst publizierten eBooks, sehe da im Gegenteil gerade wieder WACHSENDE Umsätze. Auch jene Behauptung: " Gemäss Branchen-Monitor erreicht der Internetbuchhandel einen Anteil von 19,5% ", erscheint mir, vorsichtig formuliert, äußerst gewagt, sollte die sich auf den deutschsprachigen Markt beziehen. Bislang gibt Amazon nämlich gar keine offiziellen Unmsatzzahlen aller dort publizierten / angebotenen/verkauften Titel heraus, die eine seriöse Abschätzung des Marktanteils möglich machen würden, denn zu allen Verlsagsprintausgaben, die da verkauft werden, kommen noch jene TB-Ausgaben, der selbstpublizierten eBooks, deren Zahlen eben nicht veröffentlicht sind. Und - das auch eigener Erfahrung - die durchaus in die Tausende pro Titel gehen können.
    Natürlich wäre ein einseitigt gewichteter Markt, mit einem Nahezu-Monopolisten in Form vom A für keinen in der Branche wünschenswert. Doch bisher sehe ich da noch kein Monopol. Und ich sehe, wie erwähnt, gerade in den letzten Tagen wieder einen verstärkten Umsatz bei eBooks in Dtl. Falls sich Ihre Zahlen auf die Schweiz beziehen sollten, wäre es angebracht und vor allem zur Einordnung aller anderen Mitleser hier, nützlich gewesen, das deutlich zu kennzeichnen. Denn, wie erwähnt, die Lage in Dtl sieht anders aus. Davon abgesehen: Diese Spendenaktion von Mister Bezos, allerdings, konstatiert tatsächlich ein neues Level an Zynismus. Da stimme ich Ihnen vollauf zu.

  • Buchhändler

    Buchhändler

    Liebe Frau Thome,

    dass die Barsortimente den höchsten Rabatt bekommen müssen, da sie Rabatte weiter geben, müsste klar sein. Insofern erstaunt es mich, dass der Rabatt, den Sie beklagen so niedrig sein soll und Sie ihn sogar noch geringer ansetzen wollen.

  • Finny

    Finny

    Es mag passieren was will, immer ist Amazon der Böse. Das nervt mich so ungemein! Wie einige Vorredner schon sagten: nutzt das doch und macht ein besseres Angebot. Nie waren die Menschen so bereit, ihren „local Dealer“ um die Ecke zu unterstützen. Das sieht man doch schon daran, dass zT. im Kultur und Gastronomiebereich Gutscheine für die Zukunft verkauft werden. Also, einfach mal Schluss mit dem Gejammer. Und für die ganzen vielen Schwarzseher der Branche, die jetzt schon wissen, dass alles den Bach runtergehen wird. Schwarzseher gab es schon immer - und uns andere zum Glück auch...
    Victor Hugo:
    „Die Zukunft hat viele Namen.
    Für die Schwächen ist sie das Unerreichbare.
    Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte.
    Für de Tapferen ist sie die Chance“

  • Walter König

    Walter König

    @ Ebook Lover: Sie werden lachen, aber "Videokassetten, Schallplatten oder Floppy Disks" konnte ich im letzten Jahr vor meinem Ruhestand, vor 3 Jahren und nicht vor 30, auch noch gut verkaufen. Besonders Schallplatten und alte PC Spiele, aber auch für Betamax, Video2000 und Video8/Hi8 Cassetten hatte ich noch Kunden. Die Nachfrage an (limitierten) Schallplatten konnte ich gar nicht mehr decken.
    Letztendlich entscheidet der Kunde was gefragt ist, ich vermute auch, daß eher das hohe Aufkommen, die Schwierigkeiten der Corona Krise und Fahrermangel hier längere Lieferzeiten verursachen. Wobei Amazon natürlich die Leute in den eigenen Ebook Shop locken will, klar.
    Ich bestelle höchstens 1x im Jahr etwas bei Amazon, wenn es absolut überhaupt gar nicht mehr anders geht, ich den Artikel nirgendwo sonst mehr bekomme.
    Wenn er woanders teurer ist bestelle ich ihn lieber dort.

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    @ Buchhändler: Natürlich müssen die Barsortimente die höchsten Rabatte bekommen, ABER die 52,5 Prozent Rabattierung, die Libri für Titel unter 9,80 € einfordert, finde ich wirklich zu viel. Ebenso ist es sehr ärgerlich, dass die Bezahlung bestellter Titel soooooo lange auf sich warten lässt. Heute bekamen wir z. B. erst von Libri ein Zahlungsavis für Titel, die wir Anfang Dezember 2019 (!) ausgeliefert haben. Das sind fast vier Monate und ärgert doch bestimmt alle kleinen Verlage! Zu Amazon (die von uns nicht direkt beliefert werden): Ein Händler, der nicht liefert, ist ein ziemlich mieser Händler! Wir bitten auf unserer isb-Verlagsseite immer, dass möglichst über den örtlichen Buchhandel (oder über uns) die Bücher bestellt werden mögen! Liebe Grüße aus Oldenburg

  • Bero

    Bero

    Im Grunde ist das doch genau DIE Chance für die lokalen Buchhändler. Man sollte das nutzen.

  • ein Leser

    ein Leser

    Auf der Suche nach Büchern, die mich sprachlich und inhaltlich packen, finde ich wenig im Sortiment der Verlage: die Satz- und Kapitellänge auf Leser beschränkt, die noch schnell 10 Minuten vor dem Einschlafen lesen wollen, immer die gleiche Art von Krimis oder irgendwo im Garten ein Baum mit Apfelblüten. Ich muss mich wirklich immer wieder auf die Suche nach spannenden Autoren machen und verstehe nicht, warum die Verlagsbrache digitale Bücher (an denen sie nicht verdienen) systematisch als ‚nicht gut‘ abtut, besser noch: lieber Übersetzungen einkauft, da es angeblich in Deutschland keine fähigen Schreiber gibt. Wenn ich lese, dass in Deutschland etwa nur 200 Autoren von ihrem Schreiben leben können, während Verlags- Druckerei- und Buchkettenmitarbeiter ganze Familien davon ernähren können, geht mir der Hut hoch. Ich wünsche den Autoren, dass sie sich, wie einst Musiker von Plattenfirmen, auch von dem Dumpingdruck und den künstlerischen Schablonen der Verlage lösen können – für den Leser hat die Unlust an Verlagsbüchern wenig mit Amazon zu tun.

  • Arkadi Junold

    Arkadi Junold

    Lieber Finny,

    wieso ist es so schwer, zu akzeptieren, daß Amazon wirklich der Böse ist, und nur dieses, denn der Buchhandel hat die geforderten Angebote schon längst gemacht und berät auch im Alltäglichen, von der Tatsache abgesehen, daß Amazon uns Verlagen Konditionen abverlangt, die ich nur als Raubrittermethoden bezeichnen kann, und der normale Buchhandel in der Krise weiterarbeitet, während Amazon gerade anspruchsvolle Kleinverlage rausgeworfen hat. Und das sind leider Fakten, an denen man nicht vorbeikommt.

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